Innovation

Bunte Smarties, grüneres Image? Mit dieser neuen Verpackung will Nestlé Öko-Kritiker besänftigen

Der Riss vor dem Biss: Die Verpackung der Smarties-Schokoladentafeln besteht neu nicht mehr aus Plastik sondern aus neuartigem Papier.

Der Riss vor dem Biss: Die Verpackung der Smarties-Schokoladentafeln besteht neu nicht mehr aus Plastik sondern aus neuartigem Papier.

Der Nahrungsmittelkonzern aus Vevey investiert in neue Verpackungstechnologien und lanciert eine Innovation - vorerst allerdings nur in England.

«Ein Wort: Plastik!» Dieser Ratschlag eines älteren Geschäftsmannes stammt aus einer berühmten Filmszene des US-Klassikers «Die Reifeprüfung» von 1967. Denn der Plastik-Industrie mit ihren Produkten aus Erdöl galt in den goldenen 60er-Jahren die Zukunft. Der junge Protagonist im Film interessierte sich damals nicht für das boomende Material. Sein Augenmerk galt stattdessen der berühmten «Mrs. Robinson».

Heute ist ein Interesse an Plastik bei der jüngeren Generation sehr wohl vorhanden, jedoch in negativer Hinsicht. Denn das Material aus Erdöl, das bezüglich Haltbarkeit und Lebensmittelsicherheit einige Vorteile aufweist, ist im Zuge der Klima-Debatte massiv in Verruf geraten. Ökologischere Alternativen sind bei den Konsumenten gefragt. Das weiss auch Nestlé.

Nestlés grüne Ziele bis 2025

Nun macht der Konzern einen kleinen Schritt vorwärts. In mehreren britischen Supermärkten hat Nestlé eine neue Verpackung für seine Smarties-Schokoladentafeln lanciert. Anstatt aus Plastik besteht die Hülle aus rezyklierbarem Papier. Vor einigen Monaten hatte der Konzern die neue Verpackungstechnologie bereits für seine «Yes!»-Snackriegel angewandt. Auf Anfrage sagt ein Nestlé-Sprecher, dass es bezüglich der Haltbarkeit «keine wesentlichen Auswirkungen» gebe. Wann die Verpackungen jedoch auch für andere Produkte und in weiteren Märkten zum Einsatz kommen, sagt er nicht.

Nestlé betont, man habe sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 alle Verpackungen rezyklierbar oder wiederverwendbar zu gestalten. Zudem investiere man zwei Milliarden Franken in den Wandel von neuartigem Plastik zu rezyklierbarem Plastik. Vergangenen Herbst hat Nestlé in Lausanne sein neues Forschungsinstitut für Verpackungen eröffnet. Nestlé-Chef Mark Schneider sagte dabei: «Keine unserer Verpackungen sollte als Abfall auf Mülldeponien oder in der Umwelt landen.» Deshalb führe man wiederverwertbare Verpackungslösungen ein und leiste «Pionierarbeit bei umweltfreundlichen Verpackungsmaterialien».

Der unrühmliche Podestplatz

Die Initiativen sind jedoch nicht bloss aus eigenen moralischen Interessen entstanden. Immer wieder gerät Nestlé in die Negativ-Schlagzeilen bezüglich seiner Umweltbilanz. Vor allem Greenpeace hat den Hersteller von Produkten wie Thomy-Mayonnaise, Kitkat-Schokolade oder Nespresso-Kaffee wiederholt kritisiert. So schrieb die Umweltorganisation vor rund einem Jahr, dass Nestlé 2018 rund 1,7 Millionen Tonnen Plastik verbrauchte. In den fünf Jahren davor sei der Verbrauch um weitere 5 Prozent gestiegen und 98 Prozent seiner Produkte verkaufe der Konzern in Einwegverpackungen.

Nestlé ist damit laut Greenpeace nach Coca-Cola und Pepsi der drittgrösste Plastikverschmutzer der Welt.

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