Von Tobias Gfeller

«Wir verspüren weder einen Auf- noch Abschwung», sagt Marcel Schwendener, Leiter des Hiob Brockenhauses in Basel. «Natürlich gibt es Sparten, in denen auch wir die Krise spüren.» Die Leute versuchten in den letzten Monaten vermehrt, ihre Sachen selber zu verkaufen, statt sie von den Brockenhäusern abholen zu lassen. Diese seien die Letzten, die von einer Krise betroffen seien - und die Letzten, die einen massiven Aufschwung in ihren Auftragsbüchern und Umsätzen bemerken.
Schwendener sieht die Stärke der Brockenhäuser in der grossen Distanz zum eigentlichen Mainstream, der in normalen Waren- und Möbelhäusern angeboten wird. Auch dem breit gestreuten Angebot der Brockenhäuser sei es zu verdanken, dass sie auf Konjunkturschwankungen weniger stark reagieren.

Ähnlich sieht es Daniel Kummer. Für den Leiter des Brockenhaus Hiob in Muttenz ist klar: Bevor die Brockenhäuser ins Wanken kommen, werden andere mit Problemen konfrontiert. Er spricht dabei vor allem die verschiedenen Möbelhäuser an, bei denen der Umsatz markant eingebrochen ist. Das Brockenhaus in Muttenz existiert seit acht Jahren. «In dieser Zeit ist es kontinuierlich aufwärts gegangen», freut sich Kummer.

Die Auftragsbücher seien voll. Profitieren kann sein Brockenhaus von der optimalen Lage an der Prattelerstrasse. Dadurch sei nicht nur die Abdeckung der ganzen Nordwestschweiz garantiert, sondern auch eine kulturell vielfältige Kundschaft. «Von Sozialhilfeempfängern bis hin zu Akademikern, die oft seltene Bilder und Schallplatten suchen.»

Gar einen Aufschwung erlebte das vom Frauenverein geführte Brockenhaus Liestal. Seit letztem Herbst sei der Aufschwung markant gewesen, weiss Susanne Baumgartner. «Wir verzeichnen sowohl mehr Publikum wie auch mehr verkaufte Waren.» Ob dies jetzt nur mit der aktuell schlechten Wirtschaftslage zu tun hat, sei schwer zu sagen. «Da viele Ausländer zu unseren Kunden zählen, ist die aktuelle Zahl Zugewanderter ebenfalls von Bedeutung.»

Die Brockenhäuser sind zwar resistent gegen Schwankungen der Wirtschaft, aber trotzdem nicht isoliert von dem, was rund um sie passiert. So spürt das Basler Brockenhaus die nunmehr gratis gewordenen Sperrgutabfuhren stark. «Wir verzeichnen klar weniger Hausräumungsaufträge als zuvor.» Die Statistik zeigt aber, dass der Einfluss der Gratis-Abgabe fast nur in der Stadt zu spüren ist. Schon im benachbarten Muttenz hätten sich die Zahlen dadurch kaum verändert.

Hingegen verspüren die meisten Brockenhäuser die Konkurrenz der «Billig-Möbelhäuser» wie Ikea. Dies geht soweit, dass der Frauenverein Liestal beschlossen hat, praktisch keine Möbel mehr ins Sortiment aufzunehmen. Auch Schwendener vom Brockenhaus Hiob Basel spürt die Konkurrenz. «Klar gehen viele junge Menschen jetzt eher in die Ikea, als sie zu uns kommen. Doch wir wissen, dass es vor allem Liebhaber alter antiker Möbel sind, die bei uns hereinschauen.» Sogar von einer Wiedergeburt alter Möbel spricht Daniel Kummer: «Es wird wieder vermehrt auf Qualität geschaut. Die älteren Generationen haben schon immer sehr viel Sorge zu den Stücken getragen.» Dies werde jetzt belohnt.