Brabeck liess sich nichts anmerken, als er ein letztes Mal die CS-Bühne betrat heute Nachmittag im Hallenstadion. Gewohnt souverän ergriff der CS-Verwaltungsrat Brabeck das Wort, um die Wahl von CS-Präsident Urs Rohner formell vorzunehmen. Brabeck selber trat als Verwaltungsrat altershalber zurück. Gemeinsam mit Walter Kielholz.

Vor rund einem Monat wurde bekannt, dass Brabeck erkrankt war. Nestlé bestätigte eine Krankheit, die während sechs Monaten medizinischer Behandlung bedürfe. Genaueres wollte der Lebensmittelkonzern nicht kommunizieren. Er werde aber, hiess es, seine Pflichten vollumfänglich wahrnehmen. Das tat Brabeck denn auch. Während Brabeck an der Generalversammlung von Nestlé noch mit Perücke auftrat, erschien er heute mit kahlem Kopf.

Brabeck: Mir geht es bestens»

Brabeck war bestens gelaunt, verabschiedete sich von seinen Kollegen und von Ehrenpräsident Rainer Gut; dieser war bei Nestlé sein Verwaltungsrats-Präsident, bevor Brabeck das Doppelmandat übernahm.

Persönlich, sagt Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck gegenüber der «Nordwestschweiz», gehe es ihm «bestens», wie man in der Generalversammlung der CS gesehen habe. Er werde nach seiner medizinischen Behandlung wieder hundertprozentig gesund sein: «Die Behandlung funktioniert. Ich bin täglich um acht Uhr im Büro.» Sein Leben verlaufe «normal», beruflich, wie privat.

Seine 17 Jahre im Verwaltungsrat der Credit Suisse (CS) «seien eine unglaublich interessante Zeit» gewesen, sagt Peter Brabeck. Als er 1997 gewählt wurde, sei klar geworden, dass die Schweiz «Sitz von zwei globalen Bankkonzernen» sein werde. «Heute hat sich das Umfeld völlig verändert. Die Bank muss sich neu orientieren. Das Profil kann nicht mehr das gleiche sein.»

Anstieg der Cheflöhne «schockierend»

Neben dem auffälligen Auftritt von Brabeck waren einmal mehr die Managerlöhne ein Thema an der CS-Generalversammlung. Rudolf Meyer, Präsident der Aktionärsvereinigung Actares, verurteilte die "Selbstbedienungsmentalität" der CS-Banker und forderte mehr Zurückhaltung bei Gehältern und Boni. Er kritisierte auch diverse Vorkommnisse wie den Steuerstreit oder die Finanzierung umstrittener Bergbaugeschäfte der CS, welche seiner Ansicht nach den Ruf der Bank beschädigen.

Actares hatte schon vor der Generalversammlung die Aktionäre dazu aufgefordert, der Bankführung die Décharge zu verweigern und den Vergütungsbericht abzulehnen. Auch die Anlagestiftung Ethos, die Pensionskassen vertritt, hatte zum Widerstand gegen die CS-Vergütungen aufgerufen.

Ethos-Direktor Dominique Biedermann bezeichnete es als "schockierend", dass die Löhne zahlreicher CS-Chefs und -Mitarbeiter seit zwei Jahren angestiegen seien. Biedermann kritisierte unter anderem, dass der CS-Verwaltungsrat nach der Abzockerinitiative erst nachträglich über die Managervergütungen abstimmen lassen wolle.

Rohner brachte alles durch

Trotz all der Kritik hat Credit-Suisse-Präsident Rohner alle drei umstrittene Traktanden an der Generalversammlung problemlos durchgebracht: Der Vergütungsbericht, die Entlastung für das Geschäftsjahr 2013 und die Änderung der Statuten als Folge der Abzockerinitiative erreichten komfortable Mehrheiten.

Knapp ging hingegen die Abstimmung über eine bedingte Kapitalerhöhung aus, welche die CS für Mitarbeitervergütungen einsetzen will. Der Ja-Anteil für die Aktienboni betrug 67,68 Prozent und lag nur knapp über der Zwei-Drittel-Schwelle, die für eine Annahme notwendig war.

Mit 29,96 Prozent war der Nein-Anteil sehr deutlich. Kapitalerhöhungen für Mitarbeiterboni sehen auch einflussreiche Aktionäre kritisch. Der einflussreiche US-Stimmrechtsberater ISS etwa war dagegen.

Dass Aktionäre nicht immer Ja sagen, zeigten vor einer Woche die Anteilseigner des Industriekonzerns ABB: Sie verweigerten einer Kapitalerhöhung für Mitarbeiteraktien die nötige Zweidrittelsmehrheit.

Streit um Bergbau

Paul Corbit Brown, ein Einwohner der amerikanischen Appalachen-Region, kritisierte harsch die Praxis des sogenannten Mountaintop-Removal-Bergbaus in seiner Heimat, mit der per Absprengen von Bergkuppen Kohle gewonnen wird. Die CS finanziere dieses Geschäft, das schwere Umwelt- und Gesundheitschäden verursache.

Die CS finanziere Mountaintop Removal nicht direkt, entgegnete Präsident Rohner. Die Ablehnung dieser Praxis der Bewohner der Appalachen-Region teile er und die Bank verurteilte diese Art der Rohstoffgewinnung ab.

Die CS führe ihr Geschäft nicht allein auf Basis der Gewinnmaximierung, sagte Rohner und verwies auch auf zahlreiche Reformen der Bank bei der Boni-Zuteilung und beim Aufbau der Kapitalreserven. Die CS-Umsetzung der Abzocker-Bestimmungen entsprächen zudem hundertprozentig den politischen Vorgaben.

Dougan spricht Deutsch und Französisch

CS-Konzernchef Brady Dougan hatte bei der Vorstellung der Geschäftsergebnisse 2013 die Aktionäre der Bank auf Deutsch und Französisch begrüsst. Der Bankchef trug ein gewisses Grinsen im Gesicht und erntete den Applaus der im Hallenstadion von Zürich-Oerlikon anwesenden Anteilseigner.

Der seit 2007 als Chef des gesamten Bankenkonzerns amtierende Amerikaner sieht sich gelegentlich dem Vorwurf ausgesetzt, nicht nur eine anglo-amerikanische geprägte Firmenkultur voranzutreiben, sondern auch keine Anstalten zu machen, deutsch zu lernen. Die CS beschäftigt allerdings etwa die Hälfte ihrer rund 46'000 Mitarbeiter im Ausland, vor allen in den USA, Grossbritannien und Asien. (sda/sei)