Apartment-Sharing
Boomende Online-Untervermietungen ärgeren die Hoteliers

Das Vermiet-Geschäft mit dem eigenen Zuhause boomt: Es gibt gleich mehrere Plattformen, auf denen Mieter zu Gastgebern werden – und sich dadurch etwas dazuverdienen. Hotellerie-, Mieter- und Vermieterverbände kritisieren das junge Geschäftsmodell.

Thomas Schlittler
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Zürich: Durch die Weitervermietung der Wohnung via Airbnb verdienen sich rund 1000 Einwohner etwas dazu.

Zürich: Durch die Weitervermietung der Wohnung via Airbnb verdienen sich rund 1000 Einwohner etwas dazu.

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Das Vermiet-Geschäft mit dem eigenen Zuhause boomt: Es gibt gleich mehrere Plattformen, auf denen Mieter zu Gastgebern werden – und sich dadurch etwas dazuverdienen. Das grösste Portal heisst Airbnb (siehe Box). Dort werden in Zürich rund 1000 private Übernachtungsmöglichkeiten angeboten, in Luzern 600, in Basel 500 und in Bern 250.

Reisewilligen bringt das Angebot ohne Frage Vorteile: Für wenig Geld kann unkompliziert ein Zimmer, eine Wohnung oder gar ein ganzes Haus gemietet werden. Weniger Freude haben die klassische Hotellerie sowie Mieter- und Vermieterverbände. Allen drei Gruppen ist das stark wachsende Geschäftsmodell ein Dorn im Auge – zumal einige Städter die Weitervermietung von Mietwohnungen nahezu professionell betreiben sollen.

Airbnb: 100'000 Übernachtungen

Airbnb ist ein 2008 im Silicon Valley gegründeter Online-Marktplatz für die weltweite Vermietung von Unterkünften. Private Vermieter können ihr Zuhause an Menschen vermieten, die eine Unterkunft suchen. Gemäss Angaben des Unternehmens verbringen auf dem gesamten Globus jede Nacht mehr als 100 000 Menschen eine Nacht in einer Airbnb-Unterkunft. Zum Markt Schweiz wollte Airbnb auf Anfrage der «Nordwestschweiz» keine Angaben machen. Auf den Vorwurf, dass die Weitervermietung von Mietwohnungen teilweise professionell betrieben werde, schreibt das Unternehmen: «Bei den vermieteten Objekten handelt es sich überwiegend um Erstwohnsitze der Gastgeber.» Zudem habe Airbnb einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Wirtschaft in mehr als 34 000 Städten. «Airbnb-Gäste geben Geld aus in Gegenden, in denen sonst kaum touristische Infrastruktur vorhanden ist», so eine Sprecherin. Unzählige Familien könnten nur aufgrund der Vermietung via Airbnb ihr Zuhause erhalten. In Hamburg, Amsterdam und Dänemark regeln neue Gesetze seit Neuestem das kurzfristige Vermieten. In Berlin gibt es ebenfalls entsprechende Bestrebungen. (TSC)

Am naheliegendsten ist der Unmut des etablierten Hotelgewerbes. Die Branche durchlebt ohnehin schwierige Zeiten, da kommt die private Konkurrenz herzlich ungelegen. «Besonders stossend ist, dass diese Anbieter nicht die gleichen Pflichten und gesetzlichen Auflagen wie die Hotels erfüllen müssen», sagt Judith Irniger, Geschäftsleiterin des Vereins Zürcher Hoteliers. Einerseits gehe es dabei um bauliche Massnahmen betreffend Sicherheit, andererseits um Lebensmittelhygiene. «Das sind alles Auflagen, deren Umsetzung in einem Hotel mit Kosten verbunden ist», so Irniger.

Verschärfung der Wohnungsnot?

Des Weiteren kritisieren die Hoteliers, dass bei den privaten Anbietern die vom Gesetz vorgeschriebene Meldepflicht fehle. Und auch die Mitfinanzierung der Marketingaktivitäten von Zürich Tourismus komme nicht zum Tragen. Irniger: «Dank der professionellen Aufgabenerfüllung dieser Organisation kommen viele Gäste nach Zürich – davon profitieren die privaten Anbieter als Trittbrettfahrer.»

Der Zürcher Hotelierverband ist mit der Stadtregierung und den Behörden deshalb im Gespräch, um eine Lösung zu finden. Irniger: «Wir prüfen Massnahmen, wie die Spiesse der Airbnb-Anbieter und der Hotels gleich lang gehalten werden können.»

Ganz andere Bedenken hat der Mieterinnen- und Mieterverband Deutschschweiz. «Wenn Wohnungen ganzjährig respektive über eine längere Zeit über solche Plattformen vermietet werden, verschärft dies die Wohnungsnot», so Generalsekretär Michael Töngi. Wohnraum stehe so nicht mehr jenen zur Verfügung, die ihn wirklich brauchen würden. Es bestehe die Gefahr, dass an attraktiven Lagen versucht werde, Rendite zu erzielen. Töngi: «Leider macht das Portal Airbnb nicht einmal einen Hinweis dazu, um sich von einem Renditedenken abzugrenzen.»

Vermieter muss informiert werden

Der Hauseigentümerverband Schweiz (HEV), Interessenvertreter der Eigentümer und Vermieter, betrachtet Apartment-Sharing-Portale ebenfalls argwöhnisch. Gemäss Obligationenrecht darf der Mieter eine Sache nur gebrauchen, aber nicht nutzen. «Das ist rechtlich ein wichtiger Unterschied, denn daraus folgt, dass der Mieter ohne Zustimmung des Vermieters aus dem Mietobjekt keinen Gewinn erzielen darf», sagt Pavlo Stathakis, Mietrechtsexperte des HEV. Erziele der Mieter mit dem Mietobjekt einen Gewinn, so ziehe er direkt Nutzen aus der Sache und heimse einen Vorteil ein, der eigentlich dem Vermieter zustehe. Stathakis: «Gemäss Bundesgericht handelt der Mieter in diesem Fall geschäftsanmassend und muss den erzielten Profit an den Vermieter herausgeben.» Der Mieter müsse für jeden Untermietvertrag die Konditionen offenlegen und die Zustimmung des Vermieters einholen.

Dabei sei der Vermieter grundsätzlich verpflichtet, diese Zustimmung zu geben. Es sei denn, ihm entstehen aus dem Untermietvertrag wesentliche Nachteile, der Mieter gibt die Konditionen des Untermietvertrags nicht bekannt oder diese sind im Vergleich zum Mietvertrag missbräuchlich. Der letztgenannte Punkt ist problematisch: Zwar sind die Preise auf Airbnb oftmals günstiger als die vergleichbaren Angebote der Hotellerie, doch liegen sie im Vergleich mit den staatlich regulierten Mietzinsen oftmals um ein Vielfaches höher.

Auf Anfrage der «Nordwestschweiz» ging Airbnb auf die vielfältige Kritik nur oberflächlich oder gar nicht ein. Stattdessen betont das Unternehmen die Vorteile des eigenen Geschäftsmodells.