Mit einem Anlagevolumen von über 1700 Milliarden Dollar ist die amerikanische Investmentgesellschaft Pimco nicht nur einer der grössten Vermögensverwalter der Welt. Der Fondsgesellschaft, die im Newport Beach in Kalifornien beheimatet ist, wird auch nachgesagt, zu jenen zehn Finanzgesellschaften zu gehören, welche die Finanzmärkte weltweit beherrschen.

Zu den wichtigsten Kunden des Unternehmens zählen Pensionskassen und Versicherungen, die wiederum die Vorsorgegelder von Abermillionen Beschäftigten anlegen. Die mit Abstand wichtigste Anlageklasse der Pensionskassen und Versicherungen, das lässt sich in den Geschäftsberichten nachlesen, sind Anleihen. Und Bonds, wie die Papiere auf Englisch heissen, sind seit Gründung vor bald 50 Jahren die Spezialität von Pimco.

Im Unterschied zu Aktien, die je- der Privatanleger kennt, sind Anleihen oder Obligationen eher unbekannte Wesen: Es sind Schuldverschreibungen von Staaten oder Unternehmen, die ihren Finanzbedarf mit Fremdkapital decken wollen – um dringende Investitionen zu tätigen oder, im Fall von Staaten, um Brücken zu bauen oder auch um Steuern zu senken. Die Schuldner zahlen den Anleihenkäufern einen Zins (Coupon) und müssen die Titel nach Anlauf der Laufzeit zurückkaufen.

In den letzten 30 Jahren ging die Rechnung für die Anleihenkäufer auf. Zehn Jahre nach der Finanzkrise mehren sich jedoch die Anzeichen, dass es nicht wie gewohnt weitergehen wird. Die Kursschwankungen nehmen plötzlich zu, die Zinsen steigen wieder. Pimco spricht in ihrem Ausblick denn auch von einem «bösen Erwachen».

100 Billionen Dollar Schulden

Was ist geschehen? Mit ihrer Tiefzinspolitik haben die Notenbanken Anreize geschaffen, sich stärker zu verschulden. Das sieht man nicht nur in der Schweiz, wo die Hypothekarschulden rasant auf 1000 Milliarden Franken angeschwollen sind. Weltweit haben die Staaten zusammen ihre Schuldenlast auf rund 100 Billionen Dollar erhöht (das sind 100'000 Milliarden). Allein die USA wollen sich im kommenden Jahr mit zusätzlich 1000 Milliarden Dollar verschulden. Dazu kommen Schulden von Unternehmen, die sich in den letzten Jahren ebenfalls mit rasantem Tempo verschuldet haben. Weltweit belaufen sich ausstehende Firmenobligationen auf 70 Billionen Dollar. Ein Grund für das ungebremste Schuldenwachstum ist, dass Firmen Fremdkapital aufnehmen, um eigene Aktien zurückzukaufen und so die Kurse nach oben zu schrauben. Weil dieses Spiel nicht mehr funktioniert, haben die Aktienkurse unter anderem zu- letzt massiv gelitten.

Besorgniserregend ist auch, dass der Anteil von Anleihen, sie sich an der Schwelle zu Ramsch-Qualität befinden (BBB-Rating), markant zugenommen hat. Anleihen im Umfang von mehreren Billionen Dollar könnten auf Junk-Niveau hinuntergestuft werden. Das hätte dramatische Folgen, weil dann viele Investoren diese aus Anlegerschutzgründen nicht mehr halten dürften.

«Wir befinden uns spät im Wirtschaftszyklus, aber noch nicht am Ende», sagt Andrew Balls, der Anlagechef des globalen Geschäfts für festverzinsliche Anlagen von Pimco, an einer Medienkonferenz in London diese Woche. «Die Wirtschaft wird weltweit zwar weiter wachsen, aber schwächer.» Für die Anleger beginne jetzt eine kritische Zeit, in der sie viel falsch machen könnten, meinte Balls weiter.

Italien zerstörte das Vertrauen

Wo die grössten Risiken schlummern, erläuterte sein Kollege Gene Frieda, der globale Anlagestratege des Vermögensverwalters. Nicht der Brexit, nicht China oder die USA, nicht der Handelskrieg und auch nicht die fallenden Tech-Aktien bereiten dem Spezialisten die grössten Sorgen: Sondern Italien. Dabei spiele die zusätzliche Neuverschuldung nicht mal so eine grosse Rolle. «Das Problem ist, dass die neue Regierung das Vertrauen gegenüber den Märkten verspielt hat», sagt er. In einem Regierungsentwurf liebäugelten die neuen Lenker Roms mit einem Austritt aus der Eurozone. Das zerbrochene Vertrauen erschwert es dem Land, sich neu zu verschulden oder die bestehenden Anleihen zu erneuern. Allein 2019 muss Italien Schulden von 250 Milliarden Euro erneuern. «Italien ist praktisch nonstop am Kapitalmarkt aktiv», sagt Frieda.

Trotz hohen Schulden hält Frieda von Pimco weiterhin die USA für stabil und attraktiv. Die Notenbank hat die Zinsen in mehreren Schritten in letzten Monaten deutlich erhöht. Kommt es zu einer Abkühlung oder zu einer Rezession, dann habe die US-Notenbank die Möglichkeit, mit einer Senkung der Zinsen die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Diese Möglichkeit haben die europäische Zentralbank und auch die schweizerische Nationalbank nicht. Deren Zinsen befinden sich noch immer im negativen Bereich.