Konjunktur

Börsen senden oft auch die falschen Signale aus

Auf die Entwicklung der Börsen ist nicht immer Verlass. (Symbolbild)

Auf die Entwicklung der Börsen ist nicht immer Verlass. (Symbolbild)

Auch wenn es im August oder September noch zu Börsenturbulenzen kommt - die Aussichten für die Wirtschaft sind intakt. Denn die Börse funktioniert nicht immer als vorauslaufender Indikator für die Wirtschaft.

Der verstorbene Nobelpreisträger Paul Samuelson hatte es auf den Punkt gebracht: «Der Aktienmarkt hat neun der letzten fünf Rezessionen vorausgesagt.» Tatsächlich ist auf die Entwicklung der Börsen nicht immer Verlass - auch wenn die Aktienindizes als vorauslaufender Indikator gelten, weil an der Börse Erwartungen gehandelt werden. Und das sind vor allem Gewinnerwartungen.

Da kann es natürlich Enttäuschungen mit anschliessenden Turbulenzen geben. Der August und der September sind keine ruhigen Monate - im Gegenteil: 2008 kollabierte Lehman im September. Vor zwei Jahren sorge die Staatsfinanzkrise in Europa für einen formidablen Crash. Vor 20 Jahren brach im August das europäische Wechselkurssystem, vor 15 Jahren schlitterte Russland in eine Staatspleite.

Chefs am Strand, Juniors am Desk

Es gibt eine Reihe von plausiblen Erklärungen für die hohe Schwankungsanfälligkeit im August und September. So legen viele Unternehmen Ende Juli ihre Halbjahreszahlen vor. Danach gehen viele Analysten über die Bücher und passen ihre Prognosen - oft nach unten - an.

Etliche Investoren nehmen Gewinne mit. Aktien, die besonders stark gestiegen waren, sind oft überproportional in den Depots vertreten und werden verkauft. An den Desks sitzen oft die Junior-Trader. Die haben strikte Anweisungen, Positionen zu halten, zu überwachen und beim Unterschreiten kritischer Grenzen sofort zu verkaufen. Ihre Chefs sind am Strand oder in den Bergen. Sie verfolgen dennoch das Treiben über ihre Smartphones mit und geben ihre Anweisungen via Blackberry.

Risiken China, Europa und USA

Ergänzend zu den unsicheren Signalen, welche die Aktienindizes aussenden, ziehen professionelle Geldmanager sogenannte «Sentiments-Indikatoren» zur Bestimmung der Lage heran. Gut ist es, wenn das Sentiment halbwegs im neutralen Bereich liegt. Eine allzu gute Stimmung gilt als Vorbote einer Baisse, eine zu schlechte als Vorbote von etwas noch schlechterem. Der von der amerikanischen Organisation Investors Intelligence berechnete Stimmungsindex für Europa liegt im ganz leicht positiven Bereich. Und spiegelt damit eigentlich optimal den Aufschwung. Das gleiche gilt für den Sentiments-Index für Deutschland. Auch der weist aufwärts. Im Schlepptau wird auch die Schweizer Wirtschaft mit ihren vielen Zulieferern profitieren.

Die längst bekannten Hinweise zur Wachstumsabschwächung in China sind demnach längst in den Aktienkursen verdaut. Offen ist lediglich, wie stark die Investoren noch einen Aufschwung in den USA unterschätzen. Das deckt sich auch mit vielen Kommentaren, die es jetzt am zu den Zwischenergebnissen von Top-Managern gab: Firmen meldeten eine wieder erstarkende Nachfrage aus den USA, eine Schwäche in China und eine Bodenbildung in Europa. Aber: Der Übergang von einer Liquiditätshausse zu einem von Gewinnen getragenen Börsenboom gelang noch nie reibungslos.

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