Seit zwei Wochen kennt der Aktienindex SMI mit den zwanzig grössten Schweizer Unternehmen nur eine Richtung: abwärts. Gestern sank er zum ersten Mal in diesem Jahr unter 8000 Punkte. Am Nachmittag erholte er sich wieder ein wenig und schloss bei 8057 Punkten. In anderen Ländern Europas ist die Lage ähnlich.

Deshalb treiben im Moment zwei Fragen die Anleger um. Erstens: Warum kommt der Einbruch gerade jetzt? Und vor allem: Ist das Gröbste schon vorbei, oder geht die Talfahrt erst richtig los?

Gabriel Bartholdi von der Bank J. Safra Sarasin sieht zwei Gründe für den Einbruch: «Die Zentralbanken haben angedeutet, dass von ihnen weniger Impulse zu erwarten sind.» Gleichzeitig stocke die Konjunktur im Euroland und die Wirtschafts-Indikatoren in den USA hätten ebenfalls nachgegeben.

Es war Zeit für eine Korrektur

Doch es gibt auch ein psychologisches Element: Wenn der Markt einmal zu rutschen beginnt, kippt die Stimmung schnell: «Vor einem Monat sahen die Anleger kaum Risiken. Jetzt sehen sie nur noch Risiken», sagt Bartholdi. Auch statistisch gesehen war es nach einer langen Aufwärtsphase Zeit für einen Gegentrend: «Je länger es keine Korrektur gab, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs», sagt Heinz Rüttimann von der Bank Julius Bär.

Weit von Rezession entfernt

Doch wie geht es nun weiter? Fallen die Aktienkurse in den nächsten Wochen noch tiefer in den Keller? Oder ist im Gegenteil der Zeitpunkt für einen Einstieg günstig? Laut Rüttimann von Julius Bär ist klar, dass die jetzige Korrektur nicht der Beginn einer langfristigen Abwärtsbewegung ist: «Es gibt keine Blase im Aktienmarkt.» Die Wirtschaftslage in den USA und in Asien sei stabil. «Zudem ist der Ölpreis tief, was gut für den Konsum in den westlichen Ländern ist», sagt Rüttimann.

Ähnlich beurteilt Bartholdi die Lage: «Wir sehen keinen Grund für langfristig sinkende Aktienmärkte. Global gesehen sind wir weit von einer Rezession entfernt.» Deshalb geht man auch bei der Bank J. Safra Sarasin davon aus, dass ein grosser Teil der Korrektur vorbei ist.

Es gibt jedoch eine grosse Sorge: Ebola. «Das Virus sorgt für negative Schlagzeilen und damit für Verunsicherung», sagt Rüttimann. Das spüre man bereits heute in den USA. Würde sich die Seuche auch ausserhalb von Afrika ausbreiten, könnte dies verheerende Folgen haben. «Die Frage ist, was passiert, wenn wir den ersten Ebola-Fall in Hongkong haben», sagt Rüttimann.

Dann könnte es zum gleich gravierenden Einbruch an den Börsen kommen, wie ihn die Sars-Pandemie 2003 auslöste. Zwar starben schliesslich nur rund tausend Personen an der Infektionskrankheit. Doch an den meisten Börsen führte die Angst vor der Krankheit zu Panikverkäufen. Besonders litten damals Flug-, Logistik- und Tourismusunternehmen.