Luftfahrt

Boeings Verbindung ins Weisse Haus – Unternehmen kann auf Unterstützung der US-Regierung zählen

Boeing-Fabrik in Renton, Washington: Fällt der Vorhang für die umstrittene 737-Max-8-Maschine bald ganz?

Boeing-Fabrik in Renton, Washington: Fällt der Vorhang für die umstrittene 737-Max-8-Maschine bald ganz?

Der unter Druck geratene Flugzeugbauer kann auf die Unterstützung der US-Regierung zählen. Dabei kommt Boeing zugute, dass der Konzern direkt am Kabinettstisch sitzt.

Flug 1334 der Billig-Gesellschaft Southwest Airlines hob am Mittwoch kurz vor 7 Uhr, etwas früher als geplant, vom Flughafen Chicago Midway ab – für einen 2 Stunden und 42 Minuten dauernden Flug nach Fort Myers im sonnigen Florida. So weit, so gut. Aussergewöhnlich war höchstens die Maschine, die Southwest für die 1800 Kilometer lange Reise einsetzte: Eine Boeing 737 Max 8, dasselbe Flugzeug also, das nach Abstürzen in Indonesien und Äthiopien weltweit temporär aus dem Verkehr gezogen wurde, weil der Verdacht auf systemische Software-Probleme im Raum steht.

Die USA sind vielleicht bald das einzige Land, in dem die Boeing 737 Max 8 noch im Einsatz steht. Zwei Fluggesellschaften setzen auf die Maschine: Southwest (31 Flugzeuge) und American Airlines (24). United Airlines hat zudem 14 Flugzeuge des etwas grösseren Typus Boeing 737 Max 9 in der Flotte. Und obwohl anekdotische Hinweise bestehen, dass es informierten Flugpassagieren mulmig zumute ist, wenn sie mit einem neuen Boeing-Flugzeug unterwegs sind, gibt es für die US-Luftfahrtbehörde FAA (Federal Aviation Administration) «keine Grundlage» für ein Grounding. Bisher gebe es keine Hinweise auf «systemische Probleme», die Überprüfung der Boeing 737 Max 8 dauere aber an, sagte der geschäftsführende FAA-Verwalter Daniel Elwell am Dienstag.

Trumps Kritik per Twitter

Damit stellte sich der ehemalige Pilot Elwell, im Amt seit Anfang 2018, indirekt auch gegen seinen Vorgesetzten. Denn Präsident Donald Trump hatte sich am Dienstag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter darüber beklagt, moderne Flugzeuge seien «viel zu kompliziert» und der Einsatz moderner Technologie könne «gefährliche» Folgen haben. Trump behauptete, dass diese Entwicklung dazu führe, dass Piloten durch Computerspezialisten ersetzt werden müssten, die einen Abschluss der Elite-Universität MIT besässen. «Ich weiss nicht, was Sie davon halten, aber ich will nicht, dass Albert Einstein mein Pilot ist», schrieb Trump.

Angeblich beunruhigte diese Botschaft den Boeing-Konzernchef Dennis Muilenburg derart, dass er zum Telefon griff und den Präsidenten anrief. Ein Sprecher des Flugzeugbauers sagte, Muilenburg habe Trump während eines kurzen Gesprächs versichert, dass die Flugzeuge des Typus Boeing 737 Max kein Sicherheitsrisiko darstellten. Dies entspricht auch der Fachmeinung. So sagte Jon Weaks, der Präsident des Berufsverbandes der Southwest-Piloten am Dienstag, seine Gewerkschaft sei «extrem überzeugt» davon, dass die gesamte Flotte der Fluggesellschaft «sicher» sei. Etwas weniger überzeugt gaben sich die Vertreter des organisierten Kabinenpersonals. Zwei Gewerkschaften forderten am Dienstag, «als Vorsichtsmassnahme», das Grounding sämtlicher Boeing 737-Max 8-Maschinen.

Für Boeing steht viel auf dem Spiel. Zum einen gilt die Boeing 737 Max als neues Aushängeschild des Industriekonzerns. Zum andern gehört die amerikanische Bundesregierung zu den besten Kunden des Konzerns. So stammt die Air Force One, das Flugzeug des Präsidenten, aus dem Hause Boeing.

Aktie im Sinkflug

Dabei kommt Boeing zugute, dass der Konzern direkt am Kabinettstisch sitzt. Der aktuelle Verteidigungsminister Patrick Shanahan war 30 Jahre für das Unternehmen tätig, bevor er im Sommer 2017 ins Pentagon wechselte. Shanahan leitet das Ministerium seit dem 1. Januar, als geschäftsführender Nachfolger von Jim Mattis. Intern soll Shanahan den Boeing-Konkurrenten Lockheed Martin regelmässig kritisieren und die Produkte seines ehemaligen Arbeitgebers anpreisen.

Boeing ist auch eng mit der FAA verbunden. Traditionellerweise unterstützen rund 1000 Boeing-Angestellte die Luftfahrtbehörde bei der Zertifizierung neuer Produkte; im Gegenzug hat die FAA Büros in Boeing-Fabriken. «Es ist eine sehr enge Beziehung», sagte Jim Hall, der ehemalige Vorsitzende der Untersuchungsbehörde National Transportation Safety Board (NTSB). Der Kurs der Boeing-Aktie stagnierte am Mittwoch, auch weil die kanadische Regierung ein Grounding der Boeing-737-Max-Maschinen verfügte. Unabhängige Analysten sagten, der Flugzeughersteller sehe sich mit Schadenersatzforderungen in Milliarden-Höhe konfrontiert.

Flug 1334 von Southwest Airlines landete übrigens um 10.39 Uhr in Fort Myers, elf Minuten früher als geplant. Der Flug verlief ohne Probleme.

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