Enthüllungen

Boeing-Mitarbeiter über 737 Max-8: «Flugzeug wurde von Clowns entworfen, die von Affen beaufsichtigt wurden»

Eine Boeing 737 Max-8 in einem Flugzeughangar. Seit fast einem Jahr ist die Boeing Serie mit einem globalen Flugverbot belegt.

Eine Boeing 737 Max-8 in einem Flugzeughangar. Seit fast einem Jahr ist die Boeing Serie mit einem globalen Flugverbot belegt.

Es sind brisante Enthüllungen, welche die britische Zeitung «The Guardian» am Freitag veröffentlicht hat. Interne E-Mails zeigen, dass es bei Boeing grosse Bedenken zur Flugtauglichkeit der Maschine gab.

Am Donnerstagabend tauchten hunderte Seiten Boeing-interne E-Mails auf, die ein neues Bild auf das Pannenflugzeug Boeing 737 Max-8 werfen. Zwei Flugzeuge dieser Serie stürzten in den letzten anderthalb Jahren ab, es gab 346 Tote. Seit beinahe einem Jahr sind die Flugzeuge des amerikanischen Herstellers mit einem globalen Flugverbot belegt.

Das Debakel stürzte Boeing in eine Krise: Kunden sprangen ab, der Umsatz schmolz dahin, der Konzernchef musste seinen Stuhl räumen. Doch nun gibt es neue Beweise, welche für den amerikanischen Flugzeughersteller äusserst ungünstig kommen. Wie die britische Zeitung «The Guardian» veröffentlichte, hätten Boeing-Mitarbeiter in internen E-Mails mehrfach Sicherheitsbedenken zur Flugtauglichkeit der Maschine geäussert.

In einem E-Mail vom April 2017 schreiben Mitarbeiter wörtlich «das Flugzeug wurde von Clowns entworfen und diese wiederum werden von Affen beaufsichtigt». Fast exakt einen Monat später zertifizierte Boeing die erste 737 Max-8. Auch gab es mehrfach Mitarbeiter, die Sicherheitsbedenken zum Design und der Technik des Flugzeuges äusserten: «Das Design des Flugzeugs ist hundsmiserabel».

Boeing wählte abermals die günstigste Option

Mehrfach ist ist den E-Mails zu lesen, dass Boeing während der Produktion, der Simulator-Ausbildung und bei Trainings versucht habe, Geld zu sparen. So versucht Boeing für die Bauteile stets die billigsten Produzenten zu finden, welche sich jedoch als stark unzuverlässig erwiesen. Auch sah Boeing zum Beispiel vollständig davon ab, Piloten für die neue Maschine am Simulator auszubilden.

Man meinte, dass die Ausbildung auf dem Vorgängermodel 737 NG für die Max-8 ausreiche – was sich als grosser Fehler herausstellte. Boeing jedoch sparte damit Geld. In einer E-Mail an Mitarbeiter schrieb ein Boeing-Manager wörtlich «wir werden das (zusätzliche Simulatorübungen, Anm.d.Red) nicht zulassen. Wir werden uns mit jedem Regulierer anlegen, der das verlangt».

Wie amerikanische Medien berichten, mussten 737-Max-8 Piloten bisher nur einen einstündigen Kurs am iPad absolvieren, danach hätten sie die Zulassung für die Maschine erhalten.

Intern stiess diese Massnahme auf grosse Bedenken. Aus einem Mitarbeiter-E-Mail geht hervor, dass die eigenen Angestellten, die das Flugzeug bauten, der Maschine nicht trauten: «Würdest du deine Familie in einen Flieger setzen, dessen Piloten an einem Max-Simulator ausgebildet wurden? Ich nicht.»

Verheimlichungen vor Flugbehörde

Gemäss dem «Guardian» seien auch Fragen aufgetaucht, was die Zusammenarbeit zwischen Boeing und der amerikanischen Flugbehörde FAA anbelangt. Von «Verhandlungen bei Sicherheitschecks» ist etwa die Rede. Die Zeitung schreibt, dass «Boeing von Anfang an koordiniert versucht hat, kritische Informationen zum Max-8 vor Sicherheitsbehörden und der Öffentlichkeit zu verbergen.»

So soll Boeing zum Beispiel versucht haben, zu verhindern, dass die FAA die Flugzeuge bei der Abnahme zu genau überprüft. Es soll dabei zu regelrechten Verschleierungen gekommen sein, wie aus einem E-Mail hervorgeht. «Gott hat mir noch immer nicht für meine Verschleierungen von letztem Jahr vergeben», klagt ein Mitarbeiter in einer E-Mail von 2018.

Für die FAA, seien die E-Mails und die Erkenntnisse «enttäuschend», wie die Behörde dem Guardian mitteilte. Boeing selber reagierte ebenfalls auf die E-Mails und nannte diese «völlig inakzeptabel». Die hier gezeigte Kommunikation würde nicht das Unternehmen widerspiegeln.

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