Zeitungskauf

Blochers Scheinimperium: Die 25 Gratisanzeiger kosteten keine 10 Millionen

Christoph Blocher.Ardizzone

Christoph Blocher.Ardizzone

Die von der BaZ-Holding gekauften 25 Gratisanzeiger kosteten wohl keine zehn Millionen Franken.

Der Deal war von langer Hand vorbereitet. Im April gründeten Andreas und Jacqueline Zehnder die Regiomedia AG. In diese Firma packte die zweite Generation des Wiler Anzeiger-Königs Rolf Peter Zehnder 24 Gratiszeitungen, die sie der BaZ-Holding von Christoph Blocher verkaufen wollten. Vergangene Woche ging der Kauf rückwirkend per Anfang Jahr und mit grossem Gedöns über die Bühne: Die BaZ-Holding werde nach Tamedia, Ringier und der «NZZ»-Gruppe im Printbereich die «klare Nummer vier».

Ein Blick in die Eröffnungsbilanz der Regiomedia AG, die der «Schweiz am Wochenende» vorliegt, relativiert den Machtzuwachs des Blocherschen Medienimperiums: Demnach wird der Wert aller Titel mit Ausnahme der separat geführten «Zuger Woche» in der Bilanz mit maximal 14 Millionen Franken beziffert, abzüglich einer Wertberichtigung von 9 Millionen Franken. Netto verbleibt also ein Bilanzwert von 5 Millionen Franken.

Weitere Expansion angekündigt

Der Jahresgewinn der gesamten Zehnder Print, aus der die Regiomedia herausgelöst worden ist, betrug im Vorjahr 830 000 Franken. Damit lässt sich nach gängiger Bewertungspraxis von Printtiteln errechnen, dass Blocher weniger als 10 Millionen Franken für die gesamte Zeitungsgruppe mit einer kumulierten Auflage von 720 000 Exemplaren aufgeworfen hat. Dies unter der Annahme, dass der Gewinn vor allem mit den Wochenzeitungen erzielt wurde und nicht mit dem Druckgeschäft, das wie die Immobilien bei Zehnder bleibt. Sonst dürfte der Kaufpreis noch tiefer ausgefallen sein.

Bei der internen Präsentation der Übernahme vor der Belegschaft der «Basler Zeitung» sagte Chefredaktor Markus Somm, die Neuzugänge sollten von der Lokaljournalismus-Expertise seiner Redaktion profitieren, und kündete an, dass auch in der Region Basel Anzeiger aufgebaut oder eingekauft werden sollen.

Selten journalistische Impulse

Ein naheliegender Kandidat als nächster Verkäufer ist Giuseppa Nica. Der ehemalige Verkaufsleiter der Zehnder-Gruppe gibt beispielsweise die «Basler Woche» heraus. Er herrscht mittlerweile über ein eigenes Anzeigerreich, das siebzig (!) Titel umfasst und in sieben regionalen Gesellschaften gebündelt ist. Würden alle seine Zeitungen regelmässig erscheinen, käme er auf eine Gesamtauflage von über einer Million Exemplare. Allerdings lässt Nica nur drucken und durch die Post verteilen, wenn seine Verkäufer zuvor genügend Inserate akquiriert haben. Auf der Website spricht Nica zwar von «redaktionellen Qualitätsansprüchen», doch Journalisten fest anzustellen, will er sich nicht leisten. Auf Anfrage will Giuseppa Nica nicht Stellung nehmen. Seine Art des Geschäftens verweist aber auf die Krux der Anzeiger: Sobald substanziell in Journalismus investiert wird, droht das Erfolgsmodell zu kippen.

Selbst traditionelle Anzeiger mit eigener Redaktion, die im Verband Schweizer Gratiszeitungen zusammengeschlossen sind, können selten journalistische Impulse setzen. Dies gilt auch für die fünf Lokalinfo-Ausgaben von SVP-Grande Walter Frey. Er verteilt in Zürich 90 000 Exemplare und gilt als überregionaler Kooperationspartner der BaZ-Holding. Führend auch in diesem Geschäftsfeld ist die Tamedia. Nach dem Verkauf des «Berner Bär» verlegt sie noch das «Tagblatt der Stadt Zürich», «Lausanne Cité» sowie GHI in Genf. Zusammen mit den Blättern der Landzeitungen verteilt sie wöchentlich rund 750 000 Exemplare. Die lokalen Anzeiger der «NZZ»-Gruppe erreichen eine Auflage von rund 450 000 Exemplaren, die Anzeiger der AZ Medien, zu der die «Schweiz am Wochenende» gehört, verschicken rund 440 000 Exemplare.

Alle Titel geben sich politisch möglichst neutral. Wer sich exponiert, gefährdet sich rasch existenziell. Dies durfte Blocher gleich in der ersten Woche als Anzeigerverleger feststellen. Die Stadt Kreuzlingen hat den von ihm neu beherrschten «Kreuzlinger Nachrichten» bereits per Ende Jahr den Status des amtlichen Anzeigers samt zugehörigen Bekanntmachungen gestoppt.

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