Kurz vor Weihnachten erscheint die letzte Ausgabe des «Blick am Abend». Der Ringier-Konzern stellt die Gratiszeitung ein, elf festangestellte Mitarbeiter verlieren ihre Stelle. Die Tatsache, dass die Wirtschaftlichkeit des nie rentablen Titels sich weiter verschlechtern werde, habe zu diesem Entscheid geführt, erklärt Alexander Theobald, Geschäftsleiter der Blick-Gruppe. Die Mediengewerkschaft Impressum zeigt sich «betroffen» und fordert Alternativen zu den Kündigungen.

Bedauern äussert auch Peter Röthlisberger, der die Zeitung bis 2016 als Chefredaktor führte. Er vertritt die Ansicht, dass der «Blick am Abend» als zweitgrösster Printtitel der Schweiz die Sichtbarkeit der Dachmarke «Blick» in den urbanen Gebieten garantiert und so etwa zum Erfolg der Onlineplattformen «blick.ch» beigetragen habe. Denn die Boulevardzeitung «Blick» ist in den wachsenden urbanen Gebieten traditionell eher schwach vertreten und wird vor allem in ländlichen Gebieten gelesen.

Der Verleger Michael Ringier hatte sich lange damit schwergetan, in den Markt der Gratiszeitungen einzusteigen. Entgegen seiner Überzeugung sah er sich 2006 vom Markt dennoch zu diesem Schritt gedrängt und bewilligte den Start der Gratiszeitung «heute», die abends erschien. Das Produkt war jedoch weder auf dem Leser- noch auf dem Anzeigenmarkt erfolgreich. Nach zwei Jahren war der Kredit aufgebraucht. Ein Teil des Verwaltungsrats wollte aus dem Gratiszeitungsmarkt wieder aussteigen, ein anderer votierte dafür, einen grösseren Einsatz zu wagen und zur besseren Vermarktung das mächtige Label «Blick» in die Waagschale zu werfen. Der Verleger stützte die Risikostrategie, und so erschien im Juni 2008 erstmals als «heute»-Nachfolger der «Blick am Abend».

Online-Plattform bleibt

Innerhalb der «Blick»-Gruppe blieb der «Blick am Abend» das ungeliebte Sorgenkind. Seine Produktion verkomplizierte die Arbeit der Journalisten im vereinten Newsroom, in dem «Blick», «SonntagsBlick», «Blick am Abend» und die Onlineportale entstehen. Als publizistisches Leichtgewicht hatte das Tabloid zwar sein Publikum, doch die Werbewirtschaft blieb zurückhaltend. Dass das Lichterlöschen jetzt erfolgt, erklärt sich auch damit, dass Ringier diese Woche die eigene Druckerei in Adligenswil schliesst und künftig die ganze Auflage des «Blick am Abend» teuer extern gedruckt werden müsste.

Nach «Le Matin», der TamediaZeitung in der Romandie, ist der «Blick am Abend» der zweite Titel, der in diesem Jahr in gedruckter Form verschwindet, aber als Online-Plattform bestehen bleibt. Dies bleibt wohl so, solange das Modell funktioniert, mit minimalem Aufwand eine maximale Anzahl Klicks zu generieren.