Weltkapitalist

Blackrock-Chef will verantwortungsbewusst anlegen

Larry Fink, Chef des Vermögensverwalters Blackrock, will verantwortungsvoller anlegen.Mark Lennihan/AP/Keystone

Larry Fink, Chef des Vermögensverwalters Blackrock, will verantwortungsvoller anlegen.Mark Lennihan/AP/Keystone

Blackrock verwaltet in vielen Ländern rund 6 Billionen Dollar. Nun legt der weltgrösste Treuhänder der Kleinaktionäre sein Glaubensbekenntnis ab: Der Vermögensverwalter will einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leisten.

Der amerikanische Vermögensverwalter Blackrock ist ein Riese in der Welt des Investmentgeschäfts. Blackrock verwaltet in vielen Ländern im Namen von unzähligen Fondssparern und Kleinanlegern rund 6 Billionen Dollar. Auch in der Schweiz zählt der Konzern fast in jedem grösseren Unternehmen zum Kreis der wichtigsten Aktionäre.

Nun muss Blackrock tun, was Milton Friedman, der geistige Vater des Sharholder-Value-Prinzips, in seinem Weltbild vor bald 50 Jahren nicht vorausgesehen hatte. Als Fondsmanager und treuhänderischer Vermögensverwalter steht Blackrock in der Verantwortung, die finanziellen und ideellen Ziele seiner Kunden in Übereinstimmung zu bringen.

Der Grund dafür ist, dass die Mehrheit der Blackrock-Kunden sogenannte Index-Fonds hält. Damit entscheiden sie selber bloss, in welche Märkte sie investieren. Verletzen die im Index enthaltenen Unternehmen das Wertesystem ihrer wirtschaftlich berechtigten Aktionäre (den Blackrock-Kunden), bleiben sie trotzdem in deren Portfolio.

Der nobelpreisgekrönte Ökonom Friedman hatte sich das anders vorgestellt. Nach seiner Theorie, die noch vor wenigen Jahren kaum jemand infrage stellte, hätten die Aktionäre allfällige Abweichungen von ihren individuellen ethischen Präferenzen ganz einfach durch den Verkauf ihrer Anteile zum Ausdruck bringen sollen. Die Firmenchefs hätten sich so allein auf die Gewinnmaximierung konzentrieren können, die Einhaltung von Gesetzen und Sitten natürlich vorausgesetzt.

Brief zeigt die Richtung an

In diesen Tagen erhalten die Chefs der weltgrössten Publikumsgesellschaften einen Brief von Blackrock-Chef Larry Fink, der ihnen das Ende des Friedmanschen Shareholder-Value-Konzeptes vor Augen führt. Im Zug des hohen Zuspruchs von Indexanlagen stehe Blackrock mehr denn je in der Verantwortung, sich in den Unternehmen einzubringen und die Stimmrechte der Kunden wahrzunehmen. Deshalb legt Fink nun so etwas wie den Rohentwurf dessen vor, was er selber wohl als Glaubensbekenntnis eines verantwortungsvollen Kapitalisten verstanden haben möchte.

Fink schreibt deutlich, dass es im Geschäft nicht nur um die Gewinnmaximierung gehen könne. «Für das langfristige Gedeihen jedes Unternehmens reicht das Erreichen finanzieller Ziele nicht aus. Eine Firma muss auch zeigen können, wie sie positive Beiträge für die Gesellschaft leiste.» Fink verweist auf das Paradoxon der hohen Renditen an den Aktienmärkten bei einem gleichzeitig hohen Stand des Sorgenbarometers in der Bevölkerung. «Die Gesellschaft verlangt, dass Unternehmen, ob staatlich oder privat, soziale Zwecke erfüllen.»

25 Millionen Dollar Gehalt

Die Worte tönen eigenartig. Zumal sie der Feder eines Mannes entspringen, dessen Jahresgehalt 2016 über 25 Millionen Dollar betragen hatte. Wie ernst und konsequent Blackrock das Versprechen für ein stärkeres Engagement letztlich erfüllen wird, bleibt abzuwarten. Ernst zu nehmen sind die Ankündigungen allemal.

Erst vor wenigen Tagen verlangten die kalifornische Lehrerpensionskasse und Apple-Aktionärin Calstrs, man erwarte von Apple Ideen, die geeignet seien, suchtartiges Konsumverhalten von Kindern einzudämmen. Gerade im Umgang mit Smartphones. Gleichzeitig versucht eine wachsende Anzahl von Grossinvestoren, den von Blackrock angesprochenen Problemen durch eine Einschränkung ihres Investmentuniversums auf nachhaltigere Anlagen Rechnung zu tragen. Im vergangenen Jahr kündigte Swiss Re mit diesem Ziel die Reduktion des investierbaren Anlageuniversums einen Viertel auf nur mehr 725 Emittenten an.

Die sogenannten Aktionärs-Aktivisten brächten öfter Ideen auf, als dies manch einseitige Kritiker wahrhaben wollten, schreibt Fink. Man werde die Firmen ermutigen, die Anliegen dieser Aktionäre aufzunehmen und eine Diskussion zu führen. Bei Streitigkeiten zwischen einzelnen Aktionären und Unternehmen trat Blackrock bislang meisten neutral in Erscheinung oder unterstützte die Position der Unternehmensführung.

Nur etwa in jedem fünften Fall hat Blackrock die Position der Aktivisten unterstützt. Diese Quote werde mit Blick auf die vorliegende Ankündigung wahrscheinlich steigen, schreibt die «New York Times».

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