Konjunktur

Bis zu 10'000 Jobs weniger: Experten rechnen mit weiterem Abbau

Eine Mitarbeiterin des Hörgeräteherstellers Sonova in Stäfa ZH.

Eine Mitarbeiterin des Hörgeräteherstellers Sonova in Stäfa ZH.

Vergangene Woche schockten mit Rieter und Credit Suisse gleich zwei Schweizer Unternehmen die Öffentlichkeit mit Stellenabbau. Laut Experten ist das erst die Spitze des Eisbergs.

«Jetzt befinden wir uns in der schlimmen Phase. In den nächsten Wochen dürften noch einige Firmen den Abbau von Jobs bekannt geben», sagt Michael Siegenthaler (29), Arbeitsmarktexperte bei der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich zum "SonntagsBlick". Daniel Lampart (47), Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, bestätigt: «Wir wissen von vielen grossen und bekannten Unternehmen, die demnächst Personal abbauen werden.» Er rechnet damit, dass bis Ende Jahr noch weitere 10'000 Stellen in der Industrie abgebaut werden. Laut dem Präsidenten des Arbeitgeberverbandes, Valentin Vogt (55), fordert der starke Franken dieses Jahr insgesamt bis zu 20'000 Jobs.

«Massnahmen, wie sie jüngst die Credit Suisse getroffen hat, die wenig mit dem starken Franken zu tun haben, sind darin nicht miteinberechnet», so Vogt. Bis jetzt hat sich der Frankenschock auf dem Arbeitsmarkt nur begrenzt bemerkbar gemacht. Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer (56) sagt, die Firmen hätten sich nach der Aufhebung der Euro-Mindestgrenze zuerst mit der neuen Realität auseinandersetzen müssen und zunächst kurzfristige Massnahmen wie Arbeitszeitverlängerungen oder Kurzarbeit ergriffen. Erst dann hätten konkrete Pläne erarbeitet und umgesetzt werden können. «Deshalb erleben wir verzögert, was der starke Franken bedeutet: Stellenstreichungen und Auslagerungen ins Ausland», sagt Karrer.

Laut Vogt und Karrer wandern vermehrt auch Stellen im kaufmännischen Bereich, im Personal-, Finanz- und Beschaffungswesen oder in der Informatik ins Ausland ab. Diese Jobs werden beispielsweise nach Osteuropa verlagert. «Es gibt einige Orte in Osteuropa, wo auch Deutsch gesprochen wird», sagt Vogt. 

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