Grössere Städte mit mehr Menschen und mehr Wohlstand: Das sind drei Faktoren, auf denen die Prognosen der Flugzeughersteller für die weltweite Luftfahrt beruhen.

So rechnet Boeing bis ins Jahr 2031 mit einer weltweiten Flugzeugflotte von 39 800 Flugzeugen.

Airbus ist eine Spur zurückhaltender und prognostiziert, dass bis dann 36 500 Flugzeuge in Betrieb sind. Beide Szenarien beruhen darauf, dass sich die Zahl der Flugzeuge weltweit verdoppeln wird.

Wie realistisch sind diese Prognosen? «Die Angaben sind absolut realistisch und decken sich mit anderen Studien», bestätigt Aviatikexperte Max Ungricht.

Er relativiert jedoch: «Wir sprechen hier von Best-case-Szenarien unter der Voraussetzung, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung und das relative geopolitische Gleichgewicht nicht markant verändern.»

Auf Ereignisse wie den Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 und die SARS-Pandemie, die im darauffolgenden Jahr ausbrach, reagierte die Luftfahrt robust, wie die Studie von Airbus zeigt.

Die Luftfahrt erholte sich danach rasch. Es seien eher die lang anhaltenden Krisen, die sich auf die Mobilität und damit den Flugverkehr auswirken, so Ungricht. Doch selbst nach der Finanzkrise hob der Flugverkehr ab 2009 wieder ab.

Der beeindruckende weltweite Flugverkehr an einem Tag

Asiatische Luft-Flotte überholt alle

Das stärkste Verkehrswachstum zeichnet sich für den asiatischen Raum ab. Hier rechnet Boeing mit einem jährlichen Wachstum des Luftverkehrs von 6,4 Prozent. China und Indien werden dank ihres wirtschaftlichen Aufschwung am meisten zulegen.

Denn hier steigen Millionen in die Mittelschicht auf. Voraussetzung ist allerdings, dass die Länder dieser Region ihre Märkte und insbesondere den Flugverkehr weiter liberalisieren.

Dann rechnet Boeing allein für den asiatischen Raum inklusive Ersatzmaschinen mit einer Nachfrage von über 12 000 Passagierflugzeugen. Damit würde sich die asiatische Flotte auf 13 600 Flugzeuge verdreifachen.

Die Studienautoren schreiben, dass diese Flugzeuge zu einem Grossteil für Strecken innerhalb dieser Region gebraucht werden.

Ungricht ergänzt: «Der asiatische Raum hat bezüglich Mobilität einen enormen Nachholbedarf.» Zudem seien Flugzeuge am besten geeignet, grosse Strecken und Verbindungen auf Inseln zu bewältigen.

Dagegen schätzt Ungricht den Luftverkehr in Europa und inden USA als relativ gesättigt ein: «Es wird zwar noch ein leichtes Wachstum geben, aber das verschiebt sich eher hin zu grösseren Flugzeugen mit mehr Passagierkapazitäten».

Laut der Boeing-Studie wächst die Flugzeugflotte in Nordamerika bis 2031 nur noch um rund 2200 Flugzeuge auf 8800. Für Europa prognostiziert der Flugzeugbauer immerhin noch eine Verdoppelung der Flotte auf 8300 Stück.

Schweizer Unternehmen profitiert

Einer, der von dieser Entwicklung enorm profitieren dürfte, ist die Langenthaler Firma Lantal. Airlines weltweit lassen ihre Sitze und Böden ihrer Flotte mit Stoffen und Teppichen von Lantal beziehen. Immer beliebter wird der Luftkissen-Sitz der Firma.

Er macht einen Flugzeugsitz – je nach Grösse – 1,5 bis 8 Kilo leichter. Eine Maschine wie der Airbus A380 wird dadurch um eine Tonne leichter. Damit spart eine Fluggesellschaft Kerosin im Wert von jährlich bis zu einer Million Dollar ein.

Angesichts des steigenden Ölpreises könne Lantal mit dieser Innovation bei den Airlines weltweit punkten, sagte CEO Urs Rickenbacher an einer Medienorientierung. Die Produzentin von Transporttextilien verzeichnete im letzten Jahr ein Umsatzplus von 26 Prozent auf 99,7 Millionen Franken.