Es ist die grösste Firmenansiedlung in der Geschichte des Kantons Solothurns: Biogen, die drittgrösste Biotech-Firma der Welt, will in Luterbach auf dem Areal Attisholz Süd eine Milliarde Franken in neue biopharmazeutische Produktionsanlagen investieren.

Damit entsteht weltweit die modernste Medikamentenherstellungsanlage. So sollen ab 2019 bis zu 400 neue hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen werden, wie es in einer gemeinsamen Medienmitteilung des Kantons Solothurn und der Firma Biogen heisst.

So soll die Biogen-Produktionsanlage in Luterbach aussehen.

So soll die Biogen-Produktionsanlage in Luterbach aussehen.

Baubeginn der riesigen Anlage soll bereits im Dezember dieses Jahres sein. Die Bauzeit beträgt rund drei Jahre. Der Vorvertrag zwischen der Kantonsregierung, welcher das Areal gehört, und der Firma Biogen wurde am Dienstag unterzeichnet.

Flug mit der Drohne übers Areal Attisholz Süd

Flug mit der Drohne übers Areal Attisholz Süd

Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler zeigt sich glücklich, dass wir "mit Biogen eine Weltfirma aus den Vereinigten Staaten vom Standort Kanton Solothurn überzeugen konnten". Es sei ein "nicht nur ein Freudentag für den Kanton Solothurn, sondern für die gesamte Schweiz". Einen solchen Fisch ziehe man nicht alle Tage an Land, so Gassler. Die Pläne von Biogen liessen zudem den Schluss zu, dass in Zukunft neben den geplanten 400 Arbeitsplätzen nochmals einige hundert dazukommen werden. 

Der Luterbacher Gemeindepräsident Michael Ochsenbein spricht von einer "neuen Ära für das Attisholz-Areal". "Nach der Schliessung der Cellulose Attisholz und von zwei nicht realisierten Sägereiprojekten, welche das Dorf ziemlich gespalten hatten, dürfen wir nun mit dem eigentlichen Wunschprojekt in die Verfahren einsteigen."

400 Arbeitsplätze in der Schweiz

Die an der amerikanischen Börse kotierte Biotech-Firma Biogen wurde 1978 in Genf von international führenden Forschern gegründet. Die Firma beschäftigt 7500 Mitarbeiter in 30 Ländern. Der Hauptsitz befindet sich in Cambridge/USA. Der internationale Sitz ist in Zug. In der Schweiz beschäftigt Biogen 400 Leute. Luterbach wird der fünfte Produktionsstandorte von Biogen. Derzeit produziert die Firma in zwei Anlagen in den USA sowie an je einem Standort in Dänemark und Grossbritannien.

Die Nachfrage nach qualitativ hochstehenden Medikamenten sei weltweit am Steigen, sagten Vertreter von Biogen am Dienstag vor den Medien in Solothurn. Biogen habe diverse neue Medikamente in der Pipeline, die zusätzliche Produktionskapazität erforderten. Die biopharmazeutische Herstellung von Medikamenten unterscheide sich stark von der klassischen Pharmafertigung, sagte Jörg Thömmes, Senior Vice President Operations Technology & Innovation. Biogen setzt bei der Produktion Säugetierzellen ein. Die mehrere Wochen dauernde Produktionsprozesse laufen in wässrigen Lösungen ab. Brennbare Lösungsmittel oder toxische Chemikalien werden nicht eingesetzt. Bei der Produktion kommt es weder zu Lärm- noch Geruchsemissionen.

Das Unternehmen forscht weltweit führend an Therapien für Patienten mit Multiple Sklerose, der chronischen Erkrankung des Zentralnervensystems, und der Bluterkrankheit (Hämophilie), bei der es zu spontanen Blutungen ohne sichtbare Wunden kommen kann. Ebenfalls erforscht werden Therapien zu Alzheimer und der Spinalen Muskelatrophie (Muskelschwund der Nervenzellen im Rückenmark). Mit Walter Gilbert und Philipp Sharp kann die Firma bereits zwei Nobelpreis-Träger vorweisen im Bereich Chemie und Medizin.

Neues Leben für grosse Industriebrache

Die Ansiedlung von Biogen freut den Kanton Solothurn deshalb besonders, weil die Zukunft der riesigen Industriebrache im Gebiet Attisholz in den Sternen stand. Im September 2008 hatte die Zellstofffabrik von Borregaard dicht gemacht. Insgesamt 440 Mitarbeitende verloren ihren Arbeitsplatz.

Ein Jahr später scheiterte das Ansiedlungsprojekt für eine grosse Sägerei. Man sei davon ausgegangen, dass ein solches Areal nur über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren bebaut werden kann, sagte der Solothurner Baudirektor Roland Fürst.

Bevor Ende Jahr mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen werden kann, muss das Areal für einen zweistelligen Millionenbetrag saniert werden. Im Verkaufspreis des Areals sind diese Kosten einbegriffen. Die ersten Sanierungsarbeiten haben bereits begonnen. (fam/sda)

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