UBS-Umzugspläne

Biel, die Schmuddelstadt – das war einmal

Biel aus der Vogelperspektive.

Biel aus der Vogelperspektive.

Ausgerechnet in die Hochburg der Sozialhilfebezüger zügelt die UBS einen Teil ihrer Jobs. Nur den Wirtschaftssanierer Hans Widmer überrascht das nicht. Auch er glaubt an Biel.

Hans Widmer steht auf seiner Grossbaustelle, im Zentrum von Biel, und sagt in die Videokamera einer Werbeagentur: «Irgendwann erhielt ich den Eindruck, die Stadt selbst sei der Unternehmer.» Der Ex-Chef des Wirtschaftsberaterbetriebs McKinsey und des Industriebetriebs Oerlikon-Bührle baut in Biel gerade 160 Wohnungen und ist voll des Lobes für die Stadtregierung im Berner Seeland. Und als pensionierter Wirtschaftssanierer muss er schliesslich wissen, was Unternehmergeist auszeichnet. Mit dem eingangs erwähnten Zitat macht die Stadt Biel nun Eigenwerbung für ihre Stadtentwicklung.

Denn Biel will raus aus der Schmuddelecke, will das Image als Hochburg der Sozialhilfebezüger sowie der Steuern und Abgaben endlich abschütteln, das ihr seit Jahrzehnten anhaftet. Und das gelingt Biel nicht erst seit dem gestern bekannt gewordenen Zuzug von 600 UBS-Arbeitsplätzen aus Zürich. Wer Biel besucht, durch die Stadt schlendert und abends wie das jugendlich-urbane Publikum eine der hippen Bars besucht, merkt: Biel boomt.

Einer der Vorteile Biels ist sicher die Zweisprachigkeit. Doch die Stadt hatte auch verhältnismässig viel freie Flächen zu vergeben, auf welchen sich in den letzten Jahren viele neue Firmen angesiedelt haben und die Berner Fachhochschule bald einen neuen Campus bauen will.

Euphorischer Stadtpräsident

Der frühere Wirtschaftskapitän Widmer nennt einen weiteren Standortvorteil: «Biel hat eine hervorragende Anbindung an die grossen Städte der Deutschschweiz und der Romandie.» Deshalb überrascht ihn die Ansiedlung der UBS überhaupt nicht. Bei der Eröffnung der neuen Büroräume im bestehenden Swisscom-Gebäude Ende 2018 werden auch die ersten Wohnungen in Hans Widmers Überbauung bereits bezugsbereit sein. Zur Hälfte gehen die Wohnungen an Mieter, zur anderen an Eigentümer. Auch wenn er betont, mit dem UBS-Deal nichts zu tun gehabt zu haben – Widmer ist froh um den UBS-Zuzug. «Ich erhoffe mir weniger Leerstände.»

Doch dass es überhaupt dazu kommt, müssten die UBS-Angestellten erst einmal ihren Wohnsitz nach Biel verlegen. Darauf setzt auch Biels Stadtpräsident; der Mann also, hinter dem von Widmer gelobten städtischen Unternehmergeist. Biels Stapi heisst Erich Fehr, ist Sozialdemokrat und am Telefon mit der «Nordwestschweiz» klingt er euphorisch. Aus drei Gründen: «Der UBS-Zuzug ist die grösste Firmenansiedlung auf einen Schlag, die es in Biel je gegeben hat.» Zweitens vertraut Fehr auf die Nachhaltigkeit der Arbeitsplätze. Denn Biels Arbeitsmarkt ist unter anderem von der Uhrenindustrie geprägt. Das sind eher unsichere Arbeitsplätze, weil die Branche sehr stark von globalen Schwankungen abhängig ist. Drittens freut sich Erich Fehr für das Gewerbe, die Gastronomie und den Detailhandel in der Innenstadt, wo die UBS ihre Büros beziehen wird und die Angestellten ihre Mittagspausen verbringen werden.

Damit diese Menschen nicht bloss als Zugpendler aus dem 75 Minuten entfernten Zürich anreisen, sondern auch ihren Wohnsitz in die ehemalige Expo-Stadt verlegen, will Biel ein «Welcome-Package» schnüren. «Wir wollen den UBS-Angestellten Biel schmackhaft machen und sie auf das kulturelle Angebot sowie die rasch erreichbaren Naherholungsräume hinweisen», so Stapi Fehr.

Zum Beispiel auf die Magglingenbahn, die Bieler in Minuten in den Jura bringt und sie den Nebel vergessen lässt, der das Seeland im Winter fest im Griff hält.

Nebel ist nicht gerade ein Standortvorteil. Immobilieninvestor Widmer will davon nichts wissen und sagt mit Verweis auf die vielleicht bekannteste Boom-City der Schweiz: «Zug hat auch Nebel.»

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