Pharmabranche
Besitzerfamilie will Aescher Vorzeigefirma Mepha versilbern

Die florierende Generikaherstellerin Mepha in Aesch wird verkauft. Grund sind die Geldnöte der Besitzerfamilie Merckle. Laut Mepha werden derzeit alle Optionen geprüft.

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Mepha-Verkauf

Mepha-Verkauf

Keystone

Mepha überbietet sich laufend mit positiven Meldungen. Das Unternehmen ist in Sachen Generikaherstellung die Nummer eins in der Schweiz und weltweit Nummer sechs. Trotzdem soll das florierende Aescher Unternehmen verkauft werden. Es sei ein «Transaktionsprozess» eingeleitet worden, bestätigte das Unternehmen trocken (bz von gestern). Der Grund für den Verkauf ist jedoch nicht in Aesch zu suchen, sondern bei der deutschen Merckle-Gruppe, welche die Mehrheit der Mepha besitzt.

Unübersichtliches Konstrukt

Die Verkaufsabsicht hänge «mit der Eigentümerstruktur» zusammen, sagt Mepha-Sprecher Christoph Herzog. Tatsächlich ist Familie Merckle mit ihrem verschachtelten Firmenimperium und mit Spekulationen in eine Finanzkrise geraten. Der Vater Adolf Merckle nahm sich im vergangenen Januar das Leben. Sein Sohn Philipp Daniel Merckle sagte in einem «Spiegel»-Interview, das unübersichtliche Unternehmenskonstrukt könne so nicht mehr funktionieren. Die Finanzkrise habe den Zerfall des Imperiums beschleunigt. Derzeit versucht die Familie, wieder zu Geld zu kommen; für sie sitzt Ludwig Merckle im Mepha-Verwaltungsrat. Familie Merckle verkaufe nun Teile ihres Firmenkonglomerats, bestätigt Mepha-Sprecher Christoph Herzog. «Und da gehören wir halt auch dazu.»

Detaillierte Informationen über die Verkaufsverhandlungen gibt es nicht. Man prüfe alle Möglichkeiten und informiere wieder, wenn der Prozess abgeschlossen sei, sagt Herzog. «Kommentare würden jetzt nur Verwirrung stiften.»

Die Aescher Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger zeigt sich nicht sehr beunruhigt: «Wir sind so zuversichtlich wie die Firma selbst.» Das Unternehmen sei so gesund, dass sie auch bei einem Verkauf davon ausgehe, dass sich keiner der positiven Faktoren bei Mepha ändern werde: Standort, Anzahl Beschäftigte und Expansionspläne des Unternehmens in Aesch Nord. Gerade die Expansionspläne würden den Standort festigen. Das Unternehmen sei enorm wichtig für Aesch, die Region und den Kanton.

Interessenten vorhanden

Im Internet finden sich etliche Einschätzungen aus anonymen «informierten Kreisen». Das Portal www.handelsblatt.com zum Beispiel schätzt den Kaufpreis für Mepha auf etwa 500 Millionen Franken. Weiter heisst es in diesem Text, die französische Sanofi-Aventis sei daran interessiert, Mepha zu kaufen. Sanofi-Aventis ist der drittgrösste Pharmakonzern der Welt.

Und de.reuters.com zum Beispiel vermeldet, auch der Generika-Branchenführer Teva aus Israel werde als möglicher Käufer gehandelt. Der Verkauf von Mepha habe nichts mit dem Sanierungspaket zu tun, mit dem die Merckle-Gruppe ihre Schuldenprobleme lösen wolle. In diesem Fall gehe es darum, Teilen der Familie «frisches Geld» zu beschaffen. (bru)

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