Credit Suisse

Beschattung von Iqbal Khan: Jeder Abgang eines Bankers ist ein Risiko

Iqbal Kahn sagt, er sei von den Beschattern bedrängt worden. (zvg)

Iqbal Kahn sagt, er sei von den Beschattern bedrängt worden. (zvg)

In Zeiten von Whistleblowern und harter Konkurrenz gehören Beschattungen zum Standardrepertoire.

Wenn kein Vertrauen besteht, ist Kontrolle alles. In der Abgangsvereinbarung, die der CS-Banker Iqbal Khan mit dem Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner ausgehandelt hat, ist zwar festgeschrieben, dass er keine Mitarbeiter abwerben darf. Doch dass er sich auch daran hält, gilt nicht als Selbstverständlichkeit. Im Gegenteil. Ein mit der Materie Vertrauter sagt: «Es gehört standardmässig dazu, dass die Einhaltung solcher Vereinbarung überwacht werden.»

Im konkreten Fall scheint die Kontrolle aus der Sicht Khans aus dem Ruder gelaufen zu sein. Demnach kam es vergangene Woche in der Zürcher Innenstadt zu einer direkten Konfrontation zwischen dem Noch-CS-Banker und seinen Beschattern. Sie hätten seinen Wagen bedrängt. Er habe gestoppt und wollte sie fotografieren. Sie hätten versuchten, ihm das Mobiltelefon zu entreissen. Es sei zur Rangelei gekommen.

Khan reichte Strafanzeige wegen Nötigung ein. Die Privatermittler wurden verhaftet. Die Credit Suisse zweifelt diese Version in einer Mitteilung an ihre Belegschaft an. So rätselt seit vergangenem Samstag die Öffentlichkeit über die tatsächlichen Umstände.

«Dort arbeiten Profis»

Peter Stelzer, Geschäftsführer der Zürcher Privatdetektei Ryffel AG, sagt aufgrund seines Wissensstandes aus der Medienberichterstattung: «Das müssen Anfänger gewesen sein. Und es war sicher auch keine normale Observation.» Denn es sei völlig klar, dass eine solche abgebrochen werde, wenn man merke, erkannt worden zu sein. Dass dann jemand aussteige und auf die Personen zugehe, sei völlig undenkbar.

Er staune auch, wenn die Credit Suisse tatsächlich einen solchen Auftrag erteilt haben sollte. «Dort arbeiten Profis», sagt Stelzer. Seine Einschätzung deckt sich mit jener eines anderen Experten. Dieser meint, es sei wohl eher darum gegangen, Khan durch die Präsenz zu verunsichern und ihn von Kontakten mit alten Kollegen abzuhalten, als ihn wirklich zu observieren.

Immerhin ist das grössere Szenario bekannt, weshalb die Sicherheitsabteilungen der Banken bei umstrittenen Personalwechseln in Alarmzustand sind: Spätestens nach dem Fall des Whistleblowers Rudolf Elmer gilt jeder Mitarbeiter, der eine Bank im Unfrieden verlässt, als ein Sicherheits- und Geschäftsrisiko.

Elmer hatte bei der Bank Julius Bär kompromittierende Dokumente mitlaufen lassen und sie über Wikileaks öffentlich gemacht, nachdem er sich mit der Bank finanziell nicht einigen konnte. Selbst bei wirtschaftlich bedingten Entlassungen von einfachen Mitarbeitern gelten mittlerweile zuweilen strenge Sicherheitsregeln. Sie werden überfallartig mit ihrer Entlassung konfrontiert, müssen per sofort die Schlüssel abgeben, der Zugang zu den Firmenrechnern wird ihnen versperrt und Sicherheitspersonal begleitet sie bis zum Ausgang.

Ein Sicherheitsberater im Finanzbereich sagt, nur ein kleiner Teil der von Sicherheitsdiensten vorgenommenen Operationen würden bekannt. Auch Verstösse, die auf diesem Weg zum Vorschein kommen, würden nicht zwingend zur Anzeige gebracht. Da jede Strafverfolgung auch Öffentlichkeit mit sich bringt, wird jeweils eine aussergerichtliche Lösung vorgezogen. Öffentlichkeit ist – bewusst oder unbewusst – auch gegeben, wenn sich die Beschatter so verhalten wie im Fall des Iqbal Khan. Oder wenn die Öffentlichkeit gezielt selektiv informiert wird, um von den tatsächlichen Umständen abzulenken.

Autor

Christian Mensch

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