Rohstoffe
Beruhigungspille für Glencore-Aktionäre: Konzern kauft Aktien für eine Milliarde Dollar zurück

Nachdem bekannt wurde, dass der Rohstoffkonzern unter Beobachtung der amerikanischen Justizbehörden steht, soll das angeknackste Vertrauen der Investoren gestärkt werden. Der Konzern kauft nun in zwei Phasen für eine Milliarde Dollar eigene Aktien.

Daniel Zulauf
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Die amerikanischen Justizbehörden untersuchen verdächtige Geschäftspraktiken: Kupfermine in der Demokratischen Republik Kongo.

Die amerikanischen Justizbehörden untersuchen verdächtige Geschäftspraktiken: Kupfermine in der Demokratischen Republik Kongo.

Bloomberg via Getty Images

Die am Dienstag unter starken Verkaufsdruck geratenen Glencore-Aktien haben etwas Auftrieb erhalten. Der in der Schweiz ansässige Rohstoffkonzern kündigte am Donnerstag die Lancierung eines umfangreichen Aktienrückkaufprogramms im Wert von bis zu einer Milliarde Dollar an. In der Folge legten die an der Londoner Börse gehandelten Titel rund zwei Prozent auf über 325 Pence zu. Zu Beginn der Woche verkehrten die Papiere noch zu Kursen von über 370 Pence. Dann wurden die Investoren in Panik versetzt durch eine Meldung über Nachforschungen der amerikanischen Justizbehörden zu verdächtigen Geschäftspraktiken des Unternehmens in Nigeria, Venezuela und in der Demokratischen Republik Kongo. Das Department of Justice verlangte die Einreichung von Dokumenten und anderen Unterlagen im Zusammenhang mit möglichen Verstössen gegen Anti-Korruptions- und Geldwäschegesetze. Die Nachricht führte zu einem Kurseinbruch, der in der Spitze 13 Prozent betrug.

Der Zeitpunkt für die Ankündigung des Aktienrückkaufes ist kaum Zufall. Finanzanalysten vermuten, dass Glencore damit das angeknackste Vertrauen der Investoren zu stärken hofft. Die Transaktion könne als Hinweis gewertet werden, dass das Glencore-Management die negative Börsenreaktion für überzogen hält, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg einen Kommentar der britischen Barclays Bank. Der Aktienrückkauf wird in zwei Phasen erfolgen: In einer ersten Phase, die bis zum 7. August – dem Vortag der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen – andauert, sollen Aktien im Wert von zirka 460 Millionen Dollar zurückgekauft werden. Die zweite Phase dauert bis zum Jahresende.

Ob der Aktienrückkauf die vom Management gewünschte Wirkung dauerhaft erzeugen kann, wird sich weisen. Der Börsenwert von Glencore beträgt rund 62 Milliarden Dollar. An gewöhnlichen Tagen werden Aktien im Wert von rund 100 Millionen bis 200 Millionen Dollar umgesetzt. Nach Einschätzung von Branchenanalysten laufen die Geschäfte der Rohstoff- und Bergbauunternehmen rund.

Die Glencore-Aktien gelten bei den Investoren allerdings als besonders riskant. Dies, obschon der Konzern die immense Nettoverschuldung nach der teuren Xstrata-Übernahme in nur drei Jahren von 30 Milliarden auf nurmehr rund 10 Milliarden Dollar reduzieren konnte. Besonders schwer lastet auf dem Kurs der Glencore-Aktien der offene Ausgang der Nachforschungen des Department of Justice. Das DOJ hatte im Nachgang der Finanzkrise zahlreiche Banken für unerlaubte Geschäftspraktiken mit Bussen in Milliardenhöhe belegt.

Aber auch das Geschäftsportfolio von Glencore dürfte vielen Investoren nicht gefallen. Der Konzern produzierte 2017 in seinen 26 Minen in Australien, Südafrika und Kolumbien mehr als 120 Millionen Tonnen Kohle. Weitere 106 Millionen Tonnen, die von Dritten produziert wurden, hat Glencore vermarktet. Der Konzern bezeichnet sich selber als einen der weltgrössten Kohleproduzenten.

Kein Respekt vor solchen Szenarien

Viele Klimaexperten raten dringend zu einer drastischen Reduktion in der Verwendung des CO2-intensiven Brennstoffs. Diese Woche gab der Versicherungskonzern Swiss Re bekannt, dass er Firmen mit einem Kohleanteil von über 30 Prozent am Geschäftsvolumen künftig keine Versicherungsdeckung mehr anbieten werde. Eine wachsende Zahl von Investmentfirmen versucht, Anlagen in Wertpapieren von grossen Erzeugern fossiler Brennstoffe zu meiden. Auch bei Glencore hatten Investoren schon gefragt, ob das Unternehmen unter einem sich verändernden Weltklimaregime noch dazu kommen werde, seine immensen Reserven an Kohle anzuzapfen. Doch im aktuellen Nachhaltigkeitsbericht zeigt Glencore keinen Respekt vor solchen Szenarien: Kohle werde als billige und in grossen Mengen vorhandene Ressource weiterhin eine wichtige Rolle in der Entwicklung der aufstrebenden Volkswirtschaften spielen. Dank der breiten Diversifikation des Konzerns stellt auch die 30-Prozent-Schwelle von Swiss Re kein ernsthaftes Problem für Glencore dar.

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