Beldona

Beldona-Chefin: «Wir planen den Schritt ins Ausland»

Sabina Furler: «E-Cup-Grössen werden häufiger nachgefragt.»

Sabina Furler: «E-Cup-Grössen werden häufiger nachgefragt.»

Sabina Furler (49) sieht für den Dessous-Händler Beldona in der Schweiz keine grossen Wachstumschancen mehr. Mithilfe des Mutterkonzerns Triumph arbeitet sie an der Expansion.

Frau Furler, der Frühling liess auf sich warten. Wie viel Bademode blieb bei Beldona liegen?

Sabina Furler: Wir sind glücklicherweise mit einem deutlichen Plus gegenüber dem Vorjahr unterwegs. Der März war aber auch bei uns schwierig. Die Frequenzen fehlten, wegen der mehrfachen Wintereinbrüche. Bei tiefen Temperaturen hat man keine Lust, Dessous und Bikinis anzuprobieren.

Was ist diesen Sommer besonders gefragt?

Die Bademode schlägt momentan unglaublich ein, da scheint nach den kalten Tagen Nachholbedarf zu bestehen. Wir haben unser «Mix & Match»-Konzept auf die gesamte Kollektion erweitert. Die Kundin kann jetzt völlig frei Ober- und Unterteile kombinieren, also den für sie perfekten Schnitt, die richtige Grösse und Farbe frei wählen.

Das macht die Planung für Sie teurer mit dem Risiko, dass am Schluss im Lager ein Chaos übrig bleibt.


Das werden wir am Ende der Saison sehen. Ich denke aber, dass sich das ausgleichen wird. Wir wissen ja, wie die Schweizer Frau gebaut ist, und kennen ihre Durchschnittsmasse.

Nämlich?

B75 und C75, und immer mehr auch Unterbrustweite 80. Die Oberweite der Schweizerin nimmt tendenziell zu.

Auf natürliche Weise?

Vielleicht nicht nur. Aber die jungen Frauen haben heute grössere Busen als Frauen vor zehn, zwanzig Jahren. D- und E-Cup-Grössen werden definitiv häufiger nachgefragt.

Überholen die Tankinis bald die klassischen Bikinis?

Nein, der Bikini macht nach wie vor 90 Prozent der Bademode-Verkäufe aus. Vielen Kundinnen würde auch ein Badeanzug gutstehen, aber zum Sonnenbaden ziehen viele den Bikini vor. Vor allem in den Ferien im Ausland trägt man tendenziell weniger Stoff als in der heimischen Badi.

Wie entwickelt sich die Dessous-Mode?

Besonders gut laufen aufwendig produzierte Dessous. Unser zurzeit gefragtestes Set ist mit hochwertiger Schweizer Stickerei besetzt. Aber der Bestseller ist seit Jahren der beige oder schwarze T-Shirt-BH, den man möglichst nicht sieht. Push-up-BHs sind auch im Trend – für diejenigen Frauen, die gerne ihr Décolleté betonen möchten.

Der US-Dessoushändler Victoria’s Secret kommt in die Schweiz. Und auch der italienische Lingerie-Spezialist Intimissimi expandiert hierzulande stark. Wie lautet Ihre Strategie?

Der Markteintritt von Victoria’s Secret wurde bisher von offizieller Seite nicht bestätigt, weshalb ich dazu keine Stellung nehmen möchte. Intimissimi agiert in einem tieferen Preissegment mit wenig Beratung. Die Beratung ist hingegen unsere klare Stärke. Wenn man bedenkt, wie viele Frauen die falsche BH-Grösse tragen, ist die professionelle Beratung besonders wichtig. Ich bin deshalb sicher, dass wir mit unseren heute 71 Geschäften auch in fünf Jahren noch der grösste Schweizer Dessous-Filialist sein werden.

Das klingt so, als würden Sie die Konkurrenz nicht allzu ernst nehmen.

Doch! Ganz sicher, denn wir arbeiten in einem stagnierenden Markt, alle kämpfen um Marktanteile. Deshalb müssen wir einen Mehrwert bieten. Ein Teil des Wachstums findet auch dank der Migration statt. Um diese Kundschaft kämpfen auch wir, denn sie kennen Beldona eventuell noch nicht, da es uns im Ausland nicht gibt.

Noch nicht?

Die Situation ist klar: In der Schweiz können wir nicht mehr gross wachsen, deshalb planen wir den Schritt ins Ausland. Momentan prüfen wir intensiv, welche Märkte in den nächsten Jahren infrage kommen.

In Österreich ist Beldona vor einigen Jahren gescheitert. Würden Sie vorerst mit einer einzelnen Testfiliale starten?

Nein. Wir müssen von Beginn weg eine bestimmte Anzahl Geschäfte aufbauen und rasch eine kritische Grösse erreichen für eine profitable Operation. Die Frage ist, ob wir im Ausland bestehende Standorte akquirieren oder über die Grenze hinaus expandieren wollen.

Die Filialen von Charles-Vögele stehen in Osteuropa zum Verkauf . . .

Die sind definitiv zu gross für uns.

Wie stark mussten Sie wegen des Einkaufstourismus die Preise senken?

Die Preise sind tiefer als auch schon, allerdings gleicht sich die Frankenstärke etwas aus mit den Arbeitskosten in Asien, die Jahr für Jahr steigen. Zu Recht. Heute gibt es auch in China, unserem wichtigsten Produktionsland, gesetzliche Mindestlöhne und jede Überstunde wird bezahlt. Unsere Produzenten sind alle nach international anerkannten Standards zertifiziert, weshalb wir davon ausgehen können, dass alle Richtlinien strikte eingehalten werden.

Wie hoch ist in China der Stundenlohn Ihrer Näherinnen?

Das weiss ich nicht. Auf jeden Fall ist er um einiges höher als in Bangladesch oder Pakistan, den klassischen Billiglohnländern. Ein BH ist ein sehr komplexes Produkt, das aus zirka 80 Einzelteilen besteht. Da sind wir auf hohe Qualität in der Produktion angewiesen.

Seit 2010 gehört Beldona zum weltgrössten Lingerie-Hersteller Triumph aus Bad Zurzach AG. Ihr Fazit?

Es ist für uns fantastisch, zu einem so grossen Wäschekonzern zu gehören. Unser Unternehmen gibt es seit 58 und Triumph seit 127 Jahren. Da kommt enorm viel Lingerie-Know-how zusammen. Zudem haben wir seit dem Zusammenschluss Zugang zu Strukturen, den wir als KMU vorher nicht hatten. Beispielsweise können wir Synergien im Einkauf und bei der Qualitätskontrolle in Asien nutzen. Vorher mussten wir dort mit externen Partnern arbeiten. So können wir unsere Profitabilität steigern. Dies ermöglicht uns auch, eine Expansion ins Auge zu fassen.

Gibt es Unterschiede zwischen der Kundschaft auf dem Land und in der Stadt, was die Dessous-Wahl betrifft?

Zum Teil. Aber der Unterschied zwischen West- und Deutschschweiz ist grösser. Nicht dass Deutschschweizerinnen prüde sind. Aber in der Westschweiz sind Push-ups und transparente Spitzen-BHs mehr gefragt. Für welsche Frauen darf es darunter erotischer sein. Das hat wohl mit der Nähe zu Frankreich zu tun, wo schöne Lingerie eine lange Tradition hat.

Wie wichtig ist es für einen Dessous-Händler, dass eine Frau die Firma führt?

Grundsätzlich ist das nicht relevant. Es ist aber wichtig, das Verständnis für das Produkt zu haben. Als Frau habe ich den Vorteil zu wissen, wie es ist, einen BH zu tragen. Zudem kann ich auch selbst bei den Anproben dabei sein und ich kann die neue Wäsche selber testen. Als Mann wäre das schwieriger. (lacht)

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