Ueli Kneubühler

Herr Elsener, die Stiftung für Konsumentenschutz setzt Victorinox erneut auf die «Bschiss»-Liste, weil Sie mit dem Schweizer Kreuz werben, allerdings nicht alle Ihre Produkte in der Schweiz produziert werden.

Carl Elsener: Victorinox vertreibt sechs Produktekategorien. Vier davon werden in der Schweiz gemacht und zwei

im Ausland.

Welche stammen aus dem Ausland?

Elsener: Reisegepäck und Bekleidung werden im Ausland hergestellt, weil eine Produktion in der Schweiz wirtschaftlich leider nicht möglich ist. Das Swiss Army Knife, die Haushalt- und Berufsmesser, die Uhren und das Parfüm stammen aus der Schweiz.

Vor allem auch Trybol-Chef Thomas Minder hat sich diesem Kampf verschrieben. Minders Kampagne könne langfristig auch zulasten der Arbeitsplätze gehen, heisst es im Umfeld von Victorinox.

Elsener: Nein, das ist bestimmt nicht der Fall. Unser Kerngeschäft sind jene Produkte die in der Schweiz hergestellt werden. Minders Kampagne zielt aber nur auf die im Ausland produzierten Artikel.

Verstehen Sie Minders Aktionismus?

Elsener: Schauen Sie. Das Schild mit dem Kreuz ist unser Firmenlogo. Wir benützen es seit 1909 und es ist in mehr als 130 Ländern eingetragen und als unser Markenzeichen geschützt. Das Schweizer Kreuz kann mit vielen anderen Kreuzen verwechselt werden, beispielsweise mit dem dänischen Landeswappen oder dem Wappen der Stadt Wien. Auch diese verwenden auf rotem Grund ein weisses Kreuz. Das sind ähnliche Zeichen, stehen aber für etwas ganz anderes. In diesem Kontext ist auch das Victorinox-Logo zu verstehen, das für unsere hohe Qualität steht.

Das sagen Sie, aber rechtlich bewegt sich Victorinox damit in einer Grauzone.

Elsener: Das ist wohl so. Rechtlich hat noch kein Gericht einen Entscheid gefällt. Laut dem aktuell gültigen Wappenschutzgesetz darf das Schweizer Kreuz nicht auf Produkten verwendet werden. Alle Schweizer Firmen die auf ihre Produkte ein Schweizer Kreuz drucken - im Übrigen auch Thomas Minder - wären dazu eigentlich nicht berechtigt. Nur: Das aktuelle Gesetz ist sehr schwammig. Zur Zierde oder Dekoration darf das Schweizer Wappen benutzt werden, ob in der Schweiz hergestellt oder nicht.

Im Herbst berät der Bundesrat über das neue Gesetz im Rahmen der Swissness-Initiative, im nächsten Jahr soll es in Kraft treten.

Elsener: Dann muss das eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE) die neuen Gesetze durchsetzen und allenfalls gegen Firmen vorgehen.

Geht es auch gegen Victorinox vor?

Elsener: Wir haben mit dem früheren Bundesamt für geistiges Eigentum eine Lösung gefunden und sind bereits an der Umsetzung auf den im Ausland hergestellten Produkten.

Müssen Sie allenfalls Ihr Logo abändern?

Elsener: Unser Firmenlogo ist auch in der Schweiz geschützt. Wir werden jedoch auf den im Ausland hergestellten Produkten keinen roten Hintergrund im Schild mehr verwenden.

Sie profitieren aber auch bei Ihren im Ausland gefertigten Waren vom Ruf Ihrer Schweizer Produkte.

Elsener: Nein, das ist so nicht korrekt. Im Vordergrund steht die hohe Qualität der Marke Victorinox.

Deswegen kaufen Konsumenten doch keine Tasche von Victorinox anstelle einer von Samsonite?

Elsener: Nein, die Kunden kennen die hohe Qualität der Victorinox-Taschenmesser und erwarten von den anderen Produkten die gleichen Werte. Auf jedem unserer Produkte steht ´From the Maker of the Original Swiss Army Knife´.

Dann können Sie in China minderwertige Ware fertigen lassen, Ihr Logo draufsetzen, und die Konsumenten kaufen es, weil sie die Verbindung zum Messer herstellen.

Elsener: Wir stellen keine minderwertige Ware her. Unser Lizenzpartner für das Reisegepäck hat in Hongkong ein Team von über 30 Mitarbeitern für die Sicherstellung und laufende Verbesserung der Qualität.

Mit dem neuen Swissness-Gesetz stellt Victorinox also weiter im Ausland her, das Logo wird aber allenfalls angepasst.

Elsener: Richtig. Reisegepäcke und Kleider bleiben im Sortiment. Um im globalen Konkurrenzkampf bestehen zu können, ist eine starke Marke unerlässlich. Unsere Markenstrategie zielt darauf ab, unsere 1200 Arbeitsplätze in der Schweiz langfristig zu sichern.