Gastronomie
Beim Essen gewinnen in der Schweiz die Billigsten

McDonalds und Migros sind auf den Spitzenplätzen der umsatzstärksten Restaurationsbetrieben. Und Kaffeeketten werden immer beliebter.

Sabina Sturzenegger
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Mario Federico leitet McDonald’s Schweiz. paolo foshini

Mario Federico leitet McDonald’s Schweiz. paolo foshini

McDonald’s darf sich als König unter den Schweizer Gastronomieunternehmen bezeichnen. Mit einem Umsatz von 660 Millionen Franken im Jahr 2009 hat der Burgerbrater mit dem grossen gelben M die Restaurants mit dem grossen orangefarbenen M auf Platz zwei verdrängt.

Nach 2008 hatten die Migros-Restaurants die Liste der umsatzstärksten Restaurationsbetriebe gemäss «Gastro Journal» noch angeführt.

Egal, ob gelbes oder orangefarbenes M, so viel ist klar: An der Spitze der Schweizer Gastro-Welt tobt der Kampf um die Gäste, die möglichst wenig für ihr Essen ausgeben möchten. Im Krisenjahr 2009, aus dem die aktuellen Zahlen stammen, hat sich dieser Effekt noch verstärkt.

McDonalds: Vorteil der jüngeren Kundschaft

Dabei hat sich McDonald’s als der «flexiblere» Konkurrent durchgesetzt, wie Gastroberater Peter Herzog sagt: «McDonald’s hat schneller reagiert und die Preise gesenkt.» Zudem hat Mac den Vorteil, dass seine Kundschaft wesentlich jünger ist.

Dennoch glaubt der Gastrokenner, dass die Migros aufholen kann: «Die Umsatzeinbussen der Migros-Restaurants liegen im Bereich der Unschärfe und können durch den Umbau einzelner Standorte verursacht worden sein. Neueröffnungen können das wieder wettmachen.»

Dem pflichtet die Migros selber bei: «Der Rückgang ist darauf zurückzuführen, dass in verschiedenen Genossenschaften viele grosse Restaurants zur selben Zeit und über mehrere Monate hinweg umgebaut wurden», heisst es. Zu-dem seien intern Umsatzanteile von der Gastronomie in den Supermarkt verschoben worden, beispielsweise durch neue Take-aways. Die Migros peilt ein Comeback an, die Zahlen für 2010 sollen eine Umsatzsteigerung zeigen; Details werden Ende März veröffentlicht.

Mit Billig-Essen punkteten aber nicht nur der US-Fastfood-Riese (weltweiter Umsatz: 24 Milliarden Dollar) und die Migros, sondern auch die Kantinenanbieter. Hinter den beiden Platzhirschen haben sich auf den Rängen drei und vier sowohl mit der SV Group als auch mit der Compass Group zwei Gastrobetreiber positioniert, die ihr Geld hauptsächlich als Kantinenbetreiber verdienen. Auch hier gilt: Gefragt sind günstige Menüs. Davon hat nicht zuletzt auch Detailhändler Coop mit seinen Restaurants profitiert und ist umsatzmässig einen Platz vorgerückt.

Marché: Trotz Absturz «im Trend»

Abgestürzt von Platz vier auf acht ist gemäss «Gastro Journal» dagegen die Mövenpick-Tochter Marché International, die in der Schweiz Verpflegung an Autobahnraststätten und an einigen Stadtlagen anbietet.

Der Grund dafür dürfte darin liegen, dass innerhalb der Mövenpick Holding in den letzten Jahren mehrfach reorganisiert worden ist. Zuletzt wurden alle Mövenpick-Restaurants unter das Dach von Marché International gestellt. Für den Gastro-Experten Peter Herzog ist das Konzept von Marché – Emotionen, Frische, Qualität – dennoch gastronomisch «voll im Trend».

Er glaubt daran, dass die Begründer des «Frontrow Cooking» (Kochen direkt vor dem Gast) weiter auf gutem Weg sind. Nicht zuletzt ist Marché International, wie es der Name schon sagt, auch international gut aufgestellt.

Klar weiter auf dem Weg nach oben ist eine weitere internationale Kette: das amerikanische Kaffeehaus Starbucks. Laut «Gastro Journal» hat sie ihren Umsatz um 11 Prozent auf 157 Millionen Franken gesteigert. Peter Herzog schränkt allerdings ein, diese Schätzung liege zu hoch.

Er geht davon aus, dass in den 47 Schweizer Filialen durchschnittlich rund 2 Millionen Franken umgesetzt werden. Damit käme Starbucks immer noch auf einen Umsatz von 94 Millionen Franken jährlich.

Auch Kaffeetrinken ist im Trend

Neu in der «Gastro Journal»-Liste vertreten ist mit Tchibo eine weitere Kaffeekette. Der deutsche Kaffee- und «Gemischtwaren»-Händler betreibt in der Schweiz 43 Filialen mit Kaffeebars. Als reiner Gastroanbieter dürfte Tchibo allerdings ebenfalls nur einen Bruchteil des auf 130 Millionen Franken geschätzten Gesamtumsatzes erreichen, weshalb man den 12.Platz von Tchibo ebenfalls mit Vorsicht geniessen muss. Klar ist aber: Kaffeeketten entsprechen einem gastronomischen Trend. Und sie müssen – im Gegensatz zu Essensanbietern – nicht unbedingt billig sein, um in der Gunst der Schweizer weit oben zu stehen.