Casino Baden

«Bei uns herrscht erhöhte Alarmbereitschaft»

Martin Eerhard, Sicherheitschef im Casino Baden, hat früher für die Kripo in Buenos Aires gearbeitet. Foto: Bohrer

Martin Eerhard, Sicherheitschef im Casino Baden, hat früher für die Kripo in Buenos Aires gearbeitet. Foto: Bohrer

Seit dem Besuch einer Russenbande, die Automaten manipuliert, ist Sicherheitschef Martin Eerhard vom Grand Casino Baden besonders wachsam.

Der Weg zu Detlef Brose und Martin Eerhard ist ein Gang hinter die Kulisse. Er führt vom hochpolierten Eingangsbereich des Grand Casino Baden durch mehrere Sicherheitsschleusen in ein Büro, das mit der Glitzerwelt des Casinos nichts zu tun hat. Das Büro von Detlef Brose, CEO des Grand Casino Baden, ist schmucklos, funktional, klein. Könnte das Büro irgendeiner Firma sein.

Brose sitzt mit seinem Sicherheitschef Martin Eerhard an einem Sitzungstisch und sagt: «Sicherheit ist für uns das A und O.» Brose weiss, wovon er spricht: Der gross gewachsene Deutsche ist Casino-Profi. Er hat in seinem Heimatland als Croupier angefangen und stieg die Karriereleiter hoch bis zum CEO des Grand Casino Baden, des grössten Casinos der Schweiz. Sein Sicherheitschef Martin Eerhard kennt sein Kerngeschäft ebenfalls bestens. Sieben Jahre hat er in Buenos Aires für die Kriminalpolizei gearbeitet. Drei Entführungen pro Monat, ein bis zwei schwere Schiessereien pro Woche. Er sagt: «Im Vergleich dazu ist es hier sehr ruhig.»

Casinos und Kriminalität sind eine Kombination, aus dem Hollywood-Streifen gemacht werden. Doch für Brose und Eerhard kann daraus Realität werden. «Russische Banden plündern Casinos», lautete eine Schlagzeile, die Ende März auftauchte. Die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) hatte die Schweizer Casino-Betreiber in einem Brief über russische Betrüger informiert, die in der Schweiz Automaten der österreichischen Herstellerfirma Novomatic manipuliert haben sollen. «10 vor 10» machte den Fall publik.

Die «SonntagsZeitung» meldet ein paar Wochen später, dass die neun Russen Handys zur Manipulation der Automaten benutzt haben sollen. Der Fall bleibt mysteriös, aufgeklärt ist nichts. Klar ist, dass auch das Casino Baden betroffen ist: Nachdem den Betreibern die Identität der Verdächtigen mitgeteilt wurde, gingen Brose und Eerhard in ihren Datenbanken auf die Suche – und wurden fündig. Die Betrüger waren Gäste im Casino Baden gewesen. Brose nennt sie «unsere russischen Gäste». Er sagt: «Wir haben immer noch keinen Beweis, dass sie bei uns unrechtmässige Gewinne erzielt haben.»

Keine Manipulationen festgestellt

Und das, obwohl Brose und Eerhard die ganze Potenz des 5-Millionen-Franken-Sicherheitssystems in Bewegung gesetzt haben, um den Russen auf die Spur zu kommen. Im Casino Baden sind 242 Kameras installiert. Martin Eerhard ist Herr über diese Kameras und über 20 Mitarbeiter. Er steht im Überwachungsraum, «dem Herz des Sicherheitsbereichs». Hinter Eerhard sitzt eine Security-Mitarbeiterin vor einer Wand aus Bildschirmen und überwacht den Betrieb. Auf den Bildschirmen ziehen Kunden Geld aus Bancomaten, Spieler legen Jetons auf Spieltische, leere Ausgänge sind zu sehen, Spielautomaten. Diese Kameras sehen alles. Und sie werden gebraucht, jeden Abend, um strittige Spielsituation zu entscheiden.

Wenn sich zum Beispiel zwei Spieler beim Roulette um einen Jeton streiten oder ein Croupier den Verdacht hat, dass ein Spieler zu spät gesetzt hat. Dann drückt der Croupier einen Knopf, der Security-Angestellte in der Überwachungszentrale sieht sich die Situation an – und das Spiel geht weiter.

Diese hochauflösenden Kameras hielten auch fest, wie die verdächtigten Russen ins Casino kamen. Die Bilder der Überwachungskameras müssen 28 Tage gespeichert werden, so will es das Gesetz. Und darum konnten Brose und Eerhard die Datenbank der Eingangskontrolle auf die Namen der Verdächtigen überprüfen und so nachprüfen, was die Russen im Casino trieben. «Wir stellten tatsächlich Auffälligkeiten fest, die Verdächtigen spielten vor allem an Novomatic-Geräten, aber wir konnten keine Manipulationen feststellen», sagt Brose. Also: keine Tastenkombinationen, keine auffälligen Handgriffe, keine technischen Hilfsmittel.

Doch ein schlechtes Gefühl bleibt. «Bei uns herrscht immer noch erhöhte Alarmbereitschaft. Herr Eerhard wurde in letzter Zeit ein paarmal aus dem Bett gerissen», sagt Brose und Martin Eerhard nickt und lächelt. Doch die Alarme haben sich bisher immer als Fehlalarme herausgestellt. Und was passiert, wenn Sie die Russen in flagranti erwischen? «Dann verständigen wir sofort die Polizei», sagt Brose. Denn die Zeiten, als Casinos selbst noch Teil der Halbwelt waren, sind definitiv vorbei.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1