Gesamtarbeitsvertrag

Bei der Swiss steigt der Druck in der Kabine: Stimmt das Personal dem GAV zu?

Bitte anschnallen: Szene aus «Fliegende Liebe» von Pedro Almodóvar. TOBIS F.

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Ab nächster Woche stimmt das unzufriedene Kabinenpersonal über einen neuen Vertrag ab. Ob es zustimmt, ist offen. Einige Forderungen wurden nicht erreicht. Sorgen machen auch die Unsicherheiten bezüglich Lufverkehr- und Schengen-Abkommen.

Das Swiss-Kabinenpersonal steht ab kommender Woche vor der wichtigsten Abstimmung seit mehreren Jahren: Bis 26. März können Kabinenchefs und Flight Attendants über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag abstimmen.

Kernpunkt ist die Zusammenlegung von bisher drei unterschiedlichen Gesamtarbeitsverträgen, den die Swiss mit ihrem Kabinenpersonal hat: einen befristeten Vertrag für Neueintretende, einen unbefristeten Vertrag sowie einen Freelance-Vertrag. Zudem bestehen für den in Genf aufgebauten Personalpool nur Einzelarbeitsverträge.

«Für uns wäre es ein grosser Erfolg, diese drei Gruppen unter einen gemeinsamen Gesamtarbeitsvertrag zu bekommen», sagt Georg Zimmermann, Geschäftsführer der Kabinenpersonalgewerkschaft Kapers.

Ein neuer Vertrag, der ab April 2014 in Kraft tritt, wenn das Kabinenpersonal ihr Plazet gibt, würde bis zum Jahr 2018 einen «gewissen Schutz» geben, so Zimmermann.

Offener Ausgang

Ob das Personal zustimmt, ist offen. Eine Swiss-Sprecherin wollte dazu keine Prognose machen. Zimmermann selber hält sich ebenfalls bedeckt.

Aus der Kabine sind vornehmlich kritische Stimmen zu hören: Denn bei den Löhnen unter 4000 Franken gibt es zwar einen Aufschlag von 2,5 Prozent, unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg der Swiss.

Für höhere Saläre soll ein neues Erfolgsbeteiligungsmodell eingeführt werden, das sich am Modell des Swiss-Managements orientiert. Beim Personal unter 25 Jahren übernimmt Swiss zudem auch die anteiligen Pensionskassenbeiträge – bisher lag die Grenze bei 25 Jahren.

Schliesslich gibt es bei den Dienstplänen Erleichterungen wie die Regelung, dass das Personal auf der Kurzstrecke maximal fünf Tage am Stück fliegen muss und dass halbe Freitage auf einen ganzen freien Tag aufgerundet werden.

Es wurden auch einige Forderungen nicht erreicht. Dazu gehört laut Zimmermann das 13. Monatsgehalt sowie eine zweite Nacht bei Langstreckenflügen nach Miami im Sommer. Dieser Flug ist an der obersten Grenze der erlaubten Arbeitszeit beim Kabinenpersonal, sofern keine Ruhmöglichkeiten im Flugzeug vorhanden sind.

Im Winter gab es wetterbedingt oft längere Verspätungen und damit Arbeitszeitüberschreitungen. Die Erholungspause bis zum Rückflug schrumpft dann auf unter 24 Stunden.

Vergleichbar kurze Ruhezeiten hat das Personal bereits auf den im letzten Jahr wieder eröffneten Flügen nach Singapur. «Wir landen um 18 Uhr Ortszeit nach durchgearbeiteter Nacht, am nächsten Abend geht es bereits um halb 12 abends wieder auf den Rückflug», sagte eine Kabinenchefin.

Bei anderen Destinationen wie Bangkok und Hongkong gebe es noch eine zweite Nacht. Bei den Rückflügen sei das Personal deshalb «am Limit», so die Kabinenchefin weiter.

Sparziel in weiter Ferne

«Generell ist die Singapur-Strecke beim Kabinenpersonal sehr beliebt, weil es zwar nur eine Nacht vor Ort gibt, aber danach vier Freitage am Stück», sagt Zimmermann.

Am Beispiel dieser Destination zeige sich die Problematik der Abstimmung, die positive und negative Seiten habe.

So oder so werde es für Swiss schwierig, ihr Sparziel beim Kabinenpersonal zu erreichen, so Zimmermann weiter.

«Denn weil gerade für die teuren älteren Angestellten in der Kabine das freiwillige Pensionsalter auf 62 Jahre angehoben wurde, steigen tendenziell erst einmal die Lohnkosten.» Zumal es dann auch weniger Bedarf für junges – und billiger entlöhntes – Kabinenpersonal gibt.

Entspannung gebe es erst ab den Jahren 2020 bis 2025, wie die Kapers berechnet hat. Swiss wollte die Kosten in der Kabine von rund 200 Millionen Franken um 10 Prozent reduzieren. Gegen dieses Ansinnen konnte sich der Kapers-Vorstand erfolgreich wehren.»

«Beim Personal liegt heute nichts mehr drin, wenn man ab der Schweiz fliegen will», so Zimmermann. «Man steht schon sehr schlank da, die Grenze ist erreicht.» bei Swiss wollte man dieses Sparziel nicht bestätigen.

Einsparpotenzial gibt es lediglich an anderen Stellen. Aber dort sind die Fronten verhärtet: Der Flughafen Zürich gibt keine Rabatte bei den Gebühren.

«Wir haben beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Gebührenverfügung eingereicht, derzeit gibt es dazu keine Neuigkeiten», so eine Swiss-Sprecherin zum Stillstand auf dieser Piste.

«Aber wenn nach dem Abstimmungsausgang vom 9. Februar auch die Luftverkehrsabkommen und das Schengen-Abkommen durch die EU gekündigt werden, haben wir möglicherweise bald noch ganz andere Sorgen», sagt Zimmermann weiter.

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