Aarau

Bei der Stadt Aarau geht es jetzt ans Eingemachte

Folgen der Finanzkrise: Stadtammann Marcel Guignard mit durchzogener Rechnung. (Raphael Hühnerfauth)

Marcel Guignard

Folgen der Finanzkrise: Stadtammann Marcel Guignard mit durchzogener Rechnung. (Raphael Hühnerfauth)

Ein drastischer Einbruch bei den Aktiensteuern von 7,7 Millionen Franken trübt das Resultat der Aarauer Gemeinderechnung 2009. Das Vermögen sinkt deshalb unter die Grenze von 160 Millionen Franken.

Hermann Rauber

Stadtammann Marcel Guignard nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Rechnungsabschluss 2009 der Stadt Aarau sei «deutlich schlechter als erwartet» ausgefallen. Das Resultat liegt mit zusätzlichen Abschreibungen von 5,6 Millionen Franken rund 2,8 Mio. unter dem Budget. Lag der Steuerertrag bei den natürlichen Personen mit 51,4 Millionen Franken noch im Streubereich der Erwartungen, ist der Eingang an Aktiensteuern dramatisch eingebrochen. Gegenüber dem Budget resultiert ein Fehlbetrag von 4,3 Millionen, im Vergleich zur Rechnung 2008 gar ein solcher von 7,7 Millionen Franken.

«Wir spüren die Auswirkungen der Finanzkrise mehr als andere Orte, denn Aarau ist auch ein gewichtiger Bankenplatz», begründet Guignard die faktische Halbierung der Einnahmen. Der «Substanzverlust» sei «grober und rascher» ausgefallen als befürchtet.

Die Mindereinnahmen in Aarau sind denn auch der Hauptgrund für die vergleichsweise bescheidene Selbstfinanzierung der Investitionen von 37,3 Prozent. Hier blieb der Nettoaufwand mit knapp 15 Millionen deutlich unter dem Voranschlag. Die Gründe für die Abweichung reichen von Bauverzögerungen wegen Einsprache- oder Gerichtsverfahren bis zum Fehlen der Rechnungsstellung von Beiträgen Dritter.

Anstieg bei der Sozialhilfe

Zu den «Investitionen» zählen auch jene 4,1 Millionen Franken, die Aarau 2009 in die an Unterdeckung leidende Pensionskasse der Stadt einschiessen musste. «Beträchtlich» ist laut einer Medienmitteilung auch der Anstieg bei der Sozialhilfe. Mit der zunehmenden Zahl an hilfsbedürftigen Personen vermehrte sich der Aufwand um netto 1,2 Millionen Franken (um satte 20 Prozent) auf total 7,8 Millionen.

In den übrigen Verwaltungsbereichen konnten die Budgetvorgaben eingehalten werden, Einnahmenseitig konnten unverhofft Erträge aus Aktienverkäufen an die IBAarau AG in der Höhe von 6,3 Millionen Franken verbucht werde. Das Unternehmen hat von der Stadt Anteile erworben, die als Treueprämie an die Vertragsgemeinden abgegeben worden sind. Höher ausgefallen sind im vergangenen Jahr die Erträge aus dem Verwaltungsvermögen und jene beim Anlagefonds.

Mit dem Finanzierungsfehlbetrag bei den Investitionen und mit dem Einbruch bei den Aktiensteuern muss die Stadt auf das Vermögen zurückgreifen. Dieses hat sich per 31. Dezember 2009 von 162,285 auf 158,762 Millionen Franken vermindert. Damit hatte man nach etlichen «fetten» Jahren mit grossen Überschüssen, aber geringer Bautätigkeit gerechnet.

«Wir müssen künftig die Entwicklung beim Aufwand und beim Ertrag aufmerksam verfolgen und die Erkenntnisse in den Politikplan einfliessen lassen», sagt Stadtammann Marcel Guignard. Das gilt vor allem für die Prognosen bei den Aktiensteuern. Ist der Einbruch nachhaltig, könnte dies mittelfristig die Debatte um den Steuerfuss (heute in Aarau 94 Prozent) wieder beleben.

Rohrer Schulden übernommen

Mit der Fusion Aarau-Rohr hat die Stadt von der Nachbargemeinde per Ende Jahr eine verzinsliche Nettoschuld von 10,5 Millionen Franken übernommen. Das ist weniger als erwartet, rechnete Aarau doch mit 11,6 Millionen. Das hängt mit einem positiven Rohrer Rechnungsabschluss 2009 zusammen, der mit einem Ertragsüberschuss von 1,52 Mio. Franken erfreulich endete.

In Rohr lag der Steuerertrag mit rund 7,625 Millionen Franken lediglich 117 500 Franken unter den Budgetzahlen. Investiert hat Rohr im letzten Jahr seiner Selbstständigkeit insgesamt 3,9 Millionen Franken, namentlich für die Sanierung der Auenhalle und für die Erweiterung des Sportplatzgebäudes Winkel.

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