Die Baloise hat sich das vermutlich etwas einfacher vorgestellt. Die Übernahme der Immobiliengesellschaft Pax Anlage verläuft harzig. Anfang Jahr machte Baloise den Aktionären der Pax Anlage ein Angebot, die Firma für 288 Millionen Franken oder 1'600 Franken pro Aktie zu übernehmen. Bereits damals hatte sich Baloise die Mehrheit an der Pax Anlage gesichert, indem sie 70 Prozent der Anteile vom deutsche Lebensversicherer Nürnberger und der Pax Holding gekauft hat. Die genossenschaftliche Pax Holding konzentriert sich künftig auf das Versicherungsgeschäft.

Die übrigen Publikumsaktionäre hatten bis Dienstag Zeit, das Angebot der Baloise anzunehmen. Von diesen sind allerdings weniger als die Hälfte auf die Offerte eingetreten, wie die Versicherungsgruppe laut einer provisorischen Zählung am Mittwoch bekannt gegeben hat. Somit verfügt die Baloise über 83,2 Prozent aller Pax-Aktien. Die Versicherungsgruppe liegt damit unter der Schwelle von 90 Prozent, ab dieser sie über einen vereinfachten Weg an die restlichen Aktien käme.

In den letzten Wochen kritisierten mehrere Profianleger das Angebot der Baloise als zu tief, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. So wurde etwa bemängelt, dass der gebotene Preis von 1'600 Franken unter dem inneren Wert der Pax-Titel liegt, der laut dem Geschäftsbericht per Ende 2016 bei 1'705 Franken angegeben wird. Bei einer Immobiliengesellschaft entspricht dieser grob gesagt dem Wert der Liegenschaften abzüglich dem Fremdkapital.
Die Aktionäre, welche die Offerte noch nicht angenommen haben, spekulieren offensichtlich auf einen höheren Preis. Das zeigt sich auch am Aktienkurs. Dieser hat sich seit der letzten Aprilwoche kontinuierlich von den gebotenen 1'600 Franken wegbewegt. Gestern wurden die Titel zu 1'667 Franken gehandelt.

Pax-Titel weg von der Börse

Baloise wird als nächsten Schritt die Pax-Aktien von der Börse nehmen, wie Sprecher Roberto Brunazzi auf Anfrage sagt. Für diese sogenannte Dekotierung genügt laut Aktienrecht ein Beschluss des Verwaltungsrates. Die Baloise muss dazu einen Antrag an die Schweizer Börse SIX stellen. Laut dem Reglement der SIX bleiben die Titel der Pax zwischen drei und zwölf Monaten an der Börse handelbar. Die genaue Dauer hängt von diversen Kriterien wie etwa dem Handelsvolumen der Aktien ab.

Mit der bevorstehenden Dekotierung übt Baloise Druck auf die Minderheitsaktionäre aus. Werden die Titel nicht mehr an der Börse gehandelt, so wird es für die Aktionäre deutlich umständlicher ihre Pax-Papiere zu abzustossen. Sie werden es sich wohl nochmals überlegen müssen, ob sie ihre Aktien nicht doch an die Baloise verkaufen sollen. Sprecher Brunazzi betont denn auch, dass das Unternehmen weiterhin Pax-Titel zu 1'600 Franken kaufen werde, obwohl das öffentliche Kaufangebot abgelaufen ist.

Verzögerung droht

Gleichzeitig können jedoch auch die Minderheitsaktionäre der Baloise das Leben schwer machen – und dies über mehrere Wege. So haben sie etwa die Möglichkeit, an der Generalversammlung lästige Fragen zu stellen oder eine Sonderuntersuchung zu verlangen, wie ein Aktienrechtsexperte sagt.

Baloise wird deshalb bestrebt sein, mehr als 90 Prozent der Pax-Titel zu besitzen. Dann kann das Unternehmen eine sogenannte Abfindungsfusion einleiten. In diesem Fall muss Baloise gemäss Gesetz den Minderheitsaktionären einen Preis bezahlen, der dem effektiven Wert der Aktie zum Zeitpunkt der Fusion entspricht. Dieser müsste von der Baloise festgelegt werden, dürfte aber vermutlich leicht über dem Börsenkurs liegen.

Allerdings kann es für Baloise auch hier unangenehm werden. Denn die Minderheitsaktionäre haben die Möglichkeit, den gebotenen Preis anzufechten, wenn sie damit nicht zufrieden sind, was die Übernahme wiederum verkomplizieren und verzögern würde.

Am einfachsten wäre es für Baloise, wenn sie mehr als 98 Prozent der Titel besitzt. Dann könnte sie die restlichen Aktionäre zwingen, die Aktien zu den gebotenen 1'600 Franken zu verkaufen. Dies muss laut Gesetz aber in den nächsten drei Monaten passieren. Die Sache bleibt für Baloise also kompliziert.