Der Euromindestkurs ist kaum Geschichte, schon werden Taten gefordert. Roland A. Müller, Direktor des Arbeitgeberverbandes, fordert in der «Sonntagszeitung» «Spielraum für Massnahmen wie Arbeitszeitverlängerungen oder Lohnsenkungen». Weniger Euro heisst also laut Müller auch weniger Lohn.

«Gewisse Firmen müssen ihre Kosten senken, damit sie wieder wettbewerbsfähig sind. Kurzfristig geht das fast nur über die Löhne sowie die Arbeitszeit», ist sich Müller sicher.

Seine Aussagen stossen auf wenig Gegenliebe. So schreibt etwa Userin Sandra Infanger stellvertretend für viele «Nordwestschweiz»-Online-Kommentatoren: «Es ist unfassbar! Wenn die Firmen Milliarden einsacken, gibts keine Lohnerhöhungen, und kaum droht mal weniger Gewinn, schon will man die Mitarbeitenden erpressen!».

Wenig Berührungsängste

Es ist nicht das erste Mal, dass Müller mit einer Aussage provoziert. Im April vergangenes Jahr äusserte er sich zu der Lohnstrukturerhebung des Bundes. Diese prangerte die grosse Lohnschere zwingen Mann und Frau an. Für Müller ist das Problem indes schnell lokalisiert: Schuld sind die Frauen.

«Für gewisse Stellen muss man bereit sein, höhere Anstrengungen auf sich zu nehmen», äusserte er sich zu diesem Thema. Es seien Männer, die Überstunden «weit über 8 Stunden hinaus», leisten, während sich Frauen laut Müller «vermehrt reguläre Arbeitszeiten und geordnete Arbeitsverhältnisse» wünschen, sagte er in einer Pressekonferenz.

Die Häme liess nicht auf sich warten. «Als ob die Vereinbarung von Beruf und Familie ein Kinderspiel wäre!», schreibt Sibylle Stillhart in unserer Zeitung. «Blamage», titelt der Beobachter. «In Highheels rückwärts übers Minenfeld», fasst Annabelle-Redakteurin Barbara Achermann Müllers Aussagen kreativ zusammen.

«Ich kommuniziere gerne»

Und was denkt Müller von seinen Aussagen? In der Verbandszeitschrift «Schweizer Arbeitgeber» äusserte sich der Direktor letzten September wie folgt: «Ich kommuniziere und debattiere gerne, weshalb mich der Kontakt zu den Medien und öffentliche Auftritte nicht belasten.»

Wie fest solche Aussagen aber das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer belasten, sei dahingestellt. Sicher ist, dass wir vom kommunikationsfreudigen Direktor des Arbeitgeberverbandes noch so einiges hören werden.