Detailhandel

Bei den Lädeli klingelts in der Kasse – dank teuren Lifestyle-Produkten

Saft für unterwegs: Der erste «Coop to go» öffnete letzten Sommer.ANTHONY ANEX/Key

Saft für unterwegs: Der erste «Coop to go» öffnete letzten Sommer.ANTHONY ANEX/Key

Neue Konsumgewohnheiten führen zu neuen – und teuren – Angeboten. Das Zauberwort heisst Convenience.

Noch schnell ein Smoothie und ein Sandwich zum Zmittag. Zum Abendessen dann ein vorgewaschener Jungsalat und dazu ein veganes Tellergericht oder eine Suppe. Die Konsumgewohnheiten in unserer immer mobileren Gesellschaft verändern sich rasch. Zum ausgedehnten Mittagessen und zum richtig Kochen fehlt vielen oft die Zeit. Ob bei Singles oder Grossfamilien: Auch der Wocheneinkauf wird immer mehr durch kürzere und kleinere Einkäufe ersetzt.

Entsprechend verändert sich auch das Angebot in den Läden. Ja, es entstehen immer mehr Ladenketten, die diesen neuen Bedürfnissen besonders entgegenkommen sollen. Auf diesen Trend setzen auch die beiden Grossverteiler Migros und Coop. Letzten Sommer eröffnete etwa Coop im Zürcher Bahnhof Stadelhofen unter dem Namen «Coop to go» den ersten Laden mit ausschliesslich Take-away-Produkten. Das Ziel ist es, innerhalb von 5 Jahren
50 Shops aufzubauen.

Vorgefertigtes Essen im Trend

Das Zauberwort heisst Convenience – darunter verstehen die Fachleute Essen, das schon verarbeitet oder vorgekocht wurde. Mit diesen Produkten wird
nicht nur ein steigendes Kundenbedürfnis befriedigt. Sondern damit lässt sich gutes Geld verdienen. Geschnitten, gewaschen und abgepackt ist sogar der Salat dreimal teurer als der ungewaschene Salatkopf. Vom portioniert abgepackten Kaffee gar nicht zu reden.

Kein Wunder ist das Convenience-Geschäft seit Jahren – nicht nur bei Coop, sondern auch bei der Migros – neben dem Online-Handel ein strategisches Wachstumsfeld. Allein Coop macht in diesem schnell wachsenden Bereich einen Umsatz von 700 Millionen Franken, wie Coop-Chef Joos Sutter gestern am Rand der Präsentation der Jahreszahlen bestätigte. Und ein Blick in die gestern präsentierte Bilanz zeigt auch: Während die Umsätze in den grossen Supermärkten und Megastores sanken, ging es bei den Läden mit einer Verkaufsfläche, die kleiner als 980 Quadratmeter ist, bergauf. Als ob es keinen Frankenschock gäbe und der Einkaufstourismus für den Detailhandel kein Problem darstellen würde.

«Kleinvieh macht auch Mist»

Für Detailhandels-Spezialisten wie Thomas Hochreutener vom Marktforschungsinstitut GfK ist dieser Trend klar festzustellen. Es geht zurück zum Lädeli. Die Zeit des grossen Flächenwachstums sei vorbei, kommt er zum Schluss. Und weiter: «Kleinvieh macht auch Mist.» Das stellte er in seiner Detailhandelsstudie fest. Die Zahlen geben ihm recht: 2014 wurden in der Schweiz 2,6 Milliarden Franken für die schnelle Verpflegung unterwegs ausgegeben. Allein die fünf grössten Bahnhöfe der Schweiz setzten über eine Milliarde Franken um. Und auch die 27 kleineren Bahnhöfe erwirtschafteten zusammen mehr Umsatz als das umsatzstärkste Shoppingcenter der Schweiz, das Zentrum Glatt bei Zürich. Coop-Chef Sutter schätzt den Markt für Schnellverpflegung auf insgesamt 3 Milliarden Franken.

Neue Zielgruppen-Marken

Die neuen Läden sind das eine. Was darin verkauft wird, ist das andere. Hier überlagern sich nämlich zwei Trends. Beides versucht Coop, gezielt auszunützen. Denn es ist genau die neue Kundengeneration, die nicht nur biologische Äpfel kauft, sondern nach einem veganen Couscous schreit, einer glutenfreien Gemüsebouillon sucht oder eher zu einem lactosefreien Joghurt greift.

Die gestern präsentierten Zahlen zeigen, dass hier der Grossverteiler auf eine kleine Goldgrube gestossen ist. Mit Bio-Produkten erzielte Coop im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,1 Milliarden Franken und mit den allergenfreien Produkten machte der Grossverteiler schon 135 Millionen Franken. Wohlgemerkt: Auch hier handelt es sich um hochmargige Produkte.

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