Finanzplatz

Bei den Banken bleibt kein Stein auf dem anderen

Der Finanzdistrikt von London. (Symbolbild)

Der Finanzdistrikt von London. (Symbolbild)

Trotz massiv steigendem Geschäftsvolumen erodieren die Gewinne der Geldhäuser. Obendrein befeuert die Digitalisierung den Strukturwandel.

Der Befund ist fatal: Gemäss dem gestern vorgestellten «Bankenbarometer» des Beratungsunternehmens EY steigerten das Baugewerbe sowie die Metall- und Nahrungsmittelindustrie zwischen 2000 und 2015 den Umsatz pro Mitarbeiter zwischen 37 bis 70 Prozent.

Bei den Schweizer Banken ist es gerade umgekehrt: Der Umsatz pro Mitarbeiter sank um acht Prozent. Daher schreiben die Autoren: «Die Finanzbranche leidet unter einem strukturellen Profitabilitätsproblem.»

Gewinne sanken um 18 Prozent

Wie gravierend dies ist, unterstreicht ein Blick in die Statistik der Nationalbank: Die in der Schweiz tätigen Geldhäuser blähten seit 2000 ihre Bilanzsummen um kumuliert mehr als 40 Prozent auf. Die Hypothekarkredite erhöhten sich bis 2015 gar um 84 Prozent. Dennoch sanken in dieser Periode die Erträge um mehr als sieben Prozent. Unter dem Strich erwirtschafteten die Geldhäusern Gewinne von rund 16 Milliarden Franken. Das sind
18 Prozent weniger als im Jahr 2000.

Einen Lichtblick gibt es: Vier von fünf der von EY befragten 120 Finanzinstitute konnten in den vergangenen Monaten ihr operatives Ergebnis verbessern. Allerdings gehen nur noch 68 Prozent davon aus, dass dies auch in den kommenden Monaten der Fall sein wird. Noch pessimistischer beurteilen sie die Entwicklung ihrer Margen: 92 Prozent rechnen damit, dass ihre Aktionäre in Zukunft gereringere Renditen in Kauf nehmen müssen. Grund dafür, so die Autoren des EY-Bankenbarometers: «Das anhaltende Tiefzinsumfeld belastet die Profitabilität der Institute.» Gleichzeitig treibe die Regulierung die Kosten in die Höhe: «Diese Mehrkosten lassen sich nur teilweise auf die Kunden abwälzen.»

Am stärksten belastet der Margendruck die Privatbanken. Fast alle sagen, er nehme weiter zu. Das ist nicht verwunderlich: Zwar erhöhten sich die verwalteten Wertpapierbestände seit der Jahrtausendwende um 50 Prozent. Doch die Bruttomarge auf den verwalteten Vermögen brach auf gegen 0,7 Prozent oder 70 Basispunkte ein. Zum Vergleich: Vor dem Fall des Bankgeheimnisses lag dieser Wert noch bei 120 bis 130 Basispunkten.

Immerhin fliessen bei drei von vier Privatbanken keine Vermögenswerte mehr ab. Weissgeld verwalten aber noch längst nicht alle: Bei jeder sechsten sind mehr als die Hälfte der von Ausländern bei ihnen parkierten Vermögen noch unversteuert. Kantonalbanken hingegen haben kaum noch ausländische Kunden, die ihre Vermögenswerte gegenüber ihrem Fiskus nicht deklariert haben.

Der Informationsaustausch gilt

Erstmals erhalten ausländische Steuerbehörden im kommenden Jahr automatisch Informationen über die Höhe der von Schweizer Banken verwalteten Gelder ihrer Bürger. Das Bankgeheimnis für ausländische Steuerhinterzieher ist also Geschichte. Dennoch gelingt es den Banken, neue Vermögenswerte anzuziehen, schreiben die EY-Bankenexperten: «Dabei profitieren sie davon, dass die Vermögen weltweit wachsen und sich die Standortvorteile der Schweiz – Stabilität und Sicherheit – vermarkten lassen.» Nur ist das Geschäft eben deutlich weniger profitabel, was den Konsolidierungsprozess des Finanzplatzes weiter beschleunigen wird. 90 Prozent der Befragten gaben an, dass es 2020 «deutlich» weniger Geldhäuser geben wird. Bei den Privatbanken bejahen dies gar 97 Prozent.

In den kommenden Jahren wird der Finanzbranche regelrecht umgepflügt. Ihr stehe, sagen 87 Prozent der befragten Geldhäuser, «ein fundamentaler Strukturwandel» bevor. Angetrieben wird dieser von der Digitalisierung. EY-Berater Olaf Toepfer sagt: «Sie erleichtert branchenfremden Konkurrenten den Markteintritt und kann die bereits seit Jahren sinkende Loyalität der Kunden weiter schwächen.» Bereits zwei von drei Finanzinstituten gehen daher davon aus, dass ihre Marktstellung durch neue Technologien, IT-Unternehmen und branchenfremde Anbieter bedroht wird.

Die Banken sind gleich mehrfach unter Druck: Schrumpfende Margen und hohe Investitionen in die Digitalisierung erfordern Effizienzsteigerungen; also einen höheren Automatisierungsgrad. Wie sie dies schaffen, sei den Banken «noch unklar», schreiben die Autoren des EY-Bankenbarometers. Klar ist: Das geht nicht ohne Kostenreduktionen. Trotzdem will aktuell nur jedes siebte Geldhaus Stellen abbauen. Aber bei den Privatbanken gilt dies für jede vierte.

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