«Die Frage der Abgeltungshöhe in der Kindermedizin ist beunruhigend», sagte Markus Malagoli, Direktor des Kinderspitals Zürich, in der Zeitung "Der Sonntag". «Es ist zu befürchten, dass der gegenüber der Erwachsenenmedizin höhere Aufwand in der Pädiatrie und der Kinderchirurgie nicht angemessen abgegolten wird.» Die Personalkosten in den Kinderspitälern seien 20 bis 30 Prozent höher als in den Erwachsenenspitälern, so Malagoli.

Auch Michele Losa, Leitender Arzt am Kinderspital des Kantons St. Gallen warnt: «Wenn der höhere Aufwand nicht abgegolten wird, kann es zu Engpässen bei den medizinischen und therapeutischen Leistungen in den Kinderkliniken kommen.» Davon seien «Tausende von Kindern betroffen».

Auch Krebskranke betroffen

Ein Abbau droht bei der Psychoonkologie, also der psychologischen Betreuung von krebskranken Kindern. «Massive Probleme gibt es auch bei psychosomatischen Erkrankungen wie Magersucht», sagt Christoph Aebi, Chefarzt der Klinik für Kinderheilkunde am Inselspital Bern. Dramatische Abstriche müssten auch bei der Hospitalisierung von misshandelten Kindern gemacht werden. Diese werden heute aus Kinderschutzgründen eingewiesen, wären aber künftig über Fallpauschalen «völlig ungenügend abgedeckt», so Aebi.

Unter den Sparhammer geraten aber auch Kinder, die an harmloseren Krankheiten wie Bronchitis leiden. Der drohende Geldmangel führt zu beunruhigenden Szenarien. «Es könnte sogar dazu kommen, dass ein Spital nicht mehr alle Kinder aufnimmt, sondern nur noch jene Fälle, die rentieren», warnt Michaël Hofer, leitender Kinderarzt am Universitätspital Lausanne und Präsident der «Ärztlichen Union für Kinder und Jugendliche» (fPmh). Er befrüchtet «erhebliche Qualitätseinbussen.»

Dagegen macht jetzt die Elternorganisation «Kind und Spital» mobil. «Wir fordern finanzielle Garantien, damit kranke Kinder weiterhin gut versorgt sind», sagt Vorstandsmitglied Netty Fabian. Nächste Woche verschickt die Organisation ein Warnschreiben an Gesundheitsminister Didier Burkhalter und ausgewählte Parlamentarier. «In Deutschland mussten viele Kinderklinik nach Einführung der Fallpauschalen schliessen. Seither werden Kinder in Erwachsenenkliniken behandelt, die über kein kindgerecht ausgebildetes Personal verfügen», sagt Fabian: «Das kann jetzt auch in der Schweiz passieren.» Die Fallpauschalen werden in der Schweiz 2012 eingeführt.