Kahlschlag

BBC, ABB, Alstom und General Electric: Die Arbeitsplätze kommen – und gehen

Der US-Konzern General Electric plant den Abbau von 1300 Jobs. Betroffen sind die Standorte in Baden, Birr und Oberentfelden. Die Ursprünge dieser Stellen gehen auf BBC zurück – ein Rückblick.

  • Gründung von BBC. Die Ursprünge der Arbeitsplätze, die General Electric nun abbauen will, gehen auf die BBC zurück. Die von Charles Brown und Walter Boveri gegründete Badener Firma begann 1892 mit dem Bau von Kraftwerken.
Die erste BBC-Dampfturbine, die 1901 auf den Markt kam

Die erste BBC-Dampfturbine, die 1901 auf den Markt kam

  • Ausbau nach den Weltkriegen. Schnell wuchs die neue BBC. Schon zehn Jahre nach der Gründung zählte sie 2000 Mitarbeiter. Das Kraftwerk-Geschäft boomte, und bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs arbeiteten 4000 Menschen in Baden für die BBC. Im Zweiten Weltkrieg begann die Firma auch Antriebe für U-Boote und Schiffe zu bauen. Beim Bereich Transformatoren, Relais, Stromerzeugung und -übertragung wurde BBC zum Weltkonzern und kaufte Konkurrenten im Ausland auf. Ende der 1960er-Jahre begann BBC, die Kraftwerkproduktion in Birr in grossen Hallen anzusiedeln. Im Jahr 1970 zählte BBC weltweit 90 000 Mitarbeiter.
  • Der erste grosse Abbau. Der Ölschock und Grössenwahn stürzte BBC in den 1980er-Jahren in eine grosse Krise. 1987 glaubten die Manager, das Unternehmen sei im Alleingang nicht mehr überlebensfähig. Es kam zur Fusion mit der schwedischen Asea. Das neue Konstrukt hiess ABB. In der Schweiz entliess der neue Grosskonzern 2500 Mitarbeiter, davon 1700 am Standort Baden. ABB hatte einen schlechten Start, auch weil der neue Konzernchef Percy Barnevik überrissene Saläre und Pensionskassen-Leistungen bezog. Er sollte als der erste grosse Abzocker in die Geschichte eingehen.
  • Der zweite grosse Abbau. Im Jahr 2000 stiess ABB die traditionsreiche Kraftwerk-Sparte an die französische Alstom ab. ABB hatte nun, statt wie zu den besten BBC-Zeiten, nur noch 2000 statt 22 000 Arbeitsplätze in Baden. Alstom startete gut und schuf in den ersten drei Jahren in Baden und Birr 1600 neue Stellen. Alstom beschäftigte somit stolze 5000 Mitarbeiter. Doch später kriselte es, und die Stellenzahl sank wieder – unter die Marke von 4000. Die Alstom-Schweiz-Chefs gaben sich die Klinke in die Hand. Man munkelte: Alstom muss verkauft werden.

Aus Alstom wird in Baden General Electric:

  • General Electric übernimmt. 2014 war es so weit. Es kam zu einem Übernahmepoker. Die deutsche Siemens und die amerikanische General Electric (GE) buhlten um das Kraftwerkgeschäft von Alstom. Am Ende entschied sich die Alstom-Leitung in Paris für die Amerikaner. Im Aargau atmete man auf, denn im Fall von Siemens wären die Überschneidungen gross gewesen und man fürchtete für die Standorte Baden und Birr den totalen Kahlschlag.
  • Der dritte grosse Abbau. Doch auch General Electric baute ab: Kaum war der Übernahme-Deal besiegelt, kündigte GE den Abbau von 1300 bisherigen Alstom-Stellen an. Politiker protestierten, Gewerkschafter und Mitarbeiter demonstrierten. Es kam zunächst nicht so dick wie angekündigt: «Nur» 900 statt 1300 Stellen fielen weg. Jetzt aber folgen in einer zweiten Tranche nochmals Hunderte weitere Jobs.

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