Wirtschaftskrise

Baselworld: Keine Euphorie trotz Erholung der Uhrenindustrie

Der Uhrenindustrie geht es besser als im letzten Jahr. Dennoch hält sich der Ausstellerbeiratspräsident der Baselworld, Jacques J. Duchêne mit allzu positiven Aussagen zurück.

Muriel Mercier

Die Referenten an der traditionellen Medienkonferenz am Tag vor der Eröffnung der Baselworld geben sich entspannt und zeigen sich überzeugt vom Erfolg der diesjährigen Uhren- und Schmuckmesse. Stand im letzten Jahr die Wirtschaftskrise in den Ansprachen - vor allem in der von Jacques J. Duchêne, dem Präsidenten des Ausstellerbeirates - im Mittelpunkt, spricht dieser nun von «positiven Tendenzen», die sich am Himmel des Luxusgüter-Sektors abzeichnen. Dennoch: «Wir dürfen nicht zu schnell euphorisch werden, da die Weltwirtschaft noch immer in einem fragilen Zustand ist», warnt er die aus aller Welt angereisten Journalisten vor zu grossem Optimismus. Man dürfe nicht vergessen, dass viele kleine Unternehmen, die Bestandteil des Industriesektors sind, im Jahr 2009 in Schwierigkeiten gebracht worden seien. «Zahlreiche Arbeitsplätze für qualifiziertes Personal sind verloren gegangen.» Und jeder Arbeitsplatz stehe nicht nur für Know-how, sondern auch für eine Frau, einen Mann, eine Familie.

Tatsächlich musste die Schweizer Uhrenindustrie im letzten Jahr schwere Zeiten durchschreiten. Neben den allgemein rückläufigen Betriebsergebnissen der betroffenen Unternehmen musste die Branche einen Exportrückgang von 22,3 Prozent gegenüber 2008 verbuchen. Nichtsdestotrotz präsentieren sich die Schweizer Aussteller an der diesjährigen Messe mit 292 Uhrenmarken, 40 Schmuckherstellern und 124 Vertretern der verwandten Branchen stabil - und konnten bereits im Januar 2010 bestätigen, dass erstmals seit 15 Monaten ein Uhrenexport-Wachstum von gut 2,7 Prozent zu erkennen ist.

Nach Krise steigt Freude an Schmuck

Duchêne, der bereits über fünf Jahrzehnte Erfahrung in der Uhrenindustrie aufweisen kann, schafft es an der Konferenz, dem dunklen Kapitel der Wirtschaftskrise etwas Positives abzugewinnen. Die Uhren- und Schmuckbranche sei zu den traditionellen und greifbaren Werten zurückgekehrt. «Der Verbraucher trifft heute sicherlich reiflicher überlegte Entscheidungen, die den etablierteren Unternehmen zugutekommen müssten.» Er nennt die schlechte Wirtschaftslage eine Epoche der Herausforderung für die Unternehmen, die eine stimulierende Wirkung habe und jedermann weiterbringe.

Auch Sylvie Ritter, die Messeleiterin der Baselworld, streicht in ihrer Ansprache Vorteile der Krise heraus. «Seit Anbeginn der Zeit zieht Schmuck Aufmerksamkeit auf sich, ist Statussymbol und bewegt die Menschen.» Diese Konstante in der Geschichte der Menschheit habe im 21. Jahrhundert nicht an Kraft verloren. «Die Freude, ein Schmuckstück zu kaufen, flammt nach Krisen immer schnell wieder auf. Der Wiederanstieg der Nachfrage nach Uhren und Schmuck seit einigen Monaten bezeugt dies.» Sie dürfte aus der Baselworld 2010 ein neues mustergültiges Jahr machen.

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