Basel weniger als Zürich betroffen

Die UBS-Aktie fiel gestern um 6.86 Prozent. Wird der angekündigte  massive Abbau das Vertrauen der Kunden zusätzlich schwächen?

UBS.jpg

Die UBS-Aktie fiel gestern um 6.86 Prozent. Wird der angekündigte massive Abbau das Vertrauen der Kunden zusätzlich schwächen?

Während jeder zehnte Schweizer Arbeitsplatz der UBS geräumt werden muss, könnte die Region Basel weniger Stellen verlieren – das hat die Bank der Regierung mitgeteilt.

Michele Coviello

Es war ein böses Erwachen: 8700 Stellen wolle die UBS weltweit, 2500 in der Schweiz streichen. Bis zu 1500 Angestellte werden hierzulande von der Grossbank ein Kündigungsschreiben erhalten. Das verkündete die UBS gestern um 7 Uhr morgens, wenige Stunden vor ihrer Generalversammlung.

Was passiert in Basel, im zweiten Hauptsitz der UBS? Was geschieht mit den rund 2300 Personen, die in der Region für sie arbeiten? Noch ist ungewiss, wie viele Pulte hier in Zukunft unbesetzt bleiben werden. «Wir haben noch keine konkreten Zahlen», sagte gestern UBS-Mediensprecherin Rebeca Garcia.

Geschäftsleitung beruhigt Region

Trotzdem kann der Standort Basel hoffen: Zu diesem Schluss führen die Aussagen von Experten und Politiker. So zum Beispiel von Christoph Brutschin, Vorsteher des Departementes für Wirtschaft, Soziales und Umwelt. Die UBS hatte den Regierungsrat Basel-Stadt bereits am Dienstag über den Abbau informiert. Basel wird davon nicht verschont bleiben. Positives ist dennoch vorhanden. «Die UBS-Geschäftsleitung hat uns mitgeteilt, dass wir sicher nicht überproportional betroffen sein werden», sagt Brutschin.

Konkret: Schweizweit streicht die UBS jede zehnte Stelle - in Basel wahrscheinlich weniger. In Zürich, wo die UBS zentrale Abteilungen wie Rechnungswesen, Personal, Kommunikation und Marketing für die ganze Schweiz betreibe, würden prozentual mehr Stellen verloren gehen, sagt Brutschin. Zudem arbeite die Region Basel profitabel, und das werde womöglich berücksichtigt.

Für wie viele Angestellte es trotzdem eng werden könnte, darüber kann Brutschin nur spekulativ reden. «Auf 2300 Basler UBS-Mitarbeiter könnten maximal 200 Stellen gekürzt werden», sagt Brutschin, «das wäre aber das Oberste vom Möglichen.» Brutschin hofft, dass der Abbau mehrheitlich durch natürliche Fluktuationen geschehen wird. Pensionierungen und selbst eingereichte Kündigungen sollen so die Zahl der Entlassungen vermindern.

Hans Fuhrer, Präsident des Bankenpersonalverbandes Nordwestschweiz, schätzt die Zahl der Stellen, die gekürzt werden könnten tiefer als Brutschin ein: «Basel wird bestimmt unter dem Durchschnitt liegen.» Fuhrer schätzt, dass hier der Etat um 50 bis 100 Stellen gesenkt werde. Denn die besonders betroffenen Bereiche Marketing und Investment seien in Basel gar nicht mehr vertreten. «Es gibt hier kein Fleisch mehr am Knochen», sagt er und fügt sogar hinzu, «wenn die UBS den Standort Basel nicht gefährden will, dann darf sie hier nicht abbauen.»

Erstaunt hat Fuhrer, dass gestern bereits Entlassungen angekündigt wurden. «Das ist brutal», sagt er, «es wurde nicht das Konzept befolgt, dass Kündigungen die allerletzte Massnahme sein sollen.» Er hofft nun, dass intern nach Alternativen zu den Entlassungen gesucht werde. Im Sozialplan Sovia sei zwar genügend Zeit eingeplant, um intern eine neue Stelle zu suchen, und die soziale Abfederung sei zwar vorhanden, «unserer Ansicht nach aber zu wenig», sagt Fuhrer.

Lehrstellen und Lehrabgänger gesichert

Regierungsrat Christoph Brutschin hat hingegen keine Zweifel, dass die UBS den Abbau «so verträglich wie möglich gestalten» wird. Erste Signale dazu hat Brutschin im Bereich des Nachwuches erhalten. «Es wurde uns von der UBS zugesichert, dass die Lehrstellen nicht reduziert werden», sagt er. In diesem Bereich bestünden nämlich Sorgen, die nicht nur mit der UBS zu tun hätten. «Wir hoffen im Allgemeinen, dass wer im Sommer die Lehre fertig hat, nicht auf der Strasse landet.» Die UBS hat deshalb auch angekündigt, dass sie Lehrabgänger, zumindest befristet, weiterbeschäftigen will. Wer dennoch arbeitslos sein wird, den werde der Kanton bei der Stellensuche unterstützen.

Peter Zwick, Regierungsrat und Vorsteher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion Baselland, wirft eine Frage auf: Schaden diese Massnahmen dem Vertrauen der Bank?

Meistgesehen

Artboard 1