Die Helvetia Gruppe kann für das erste Halbjahr ein mehr als solides Ergebnis vorlegen (vgl. die zwei Boxen). Es konnte um 8 Prozent auf 238 Millionen Franken gesteigert werden. Das Resultat verdanke sich nicht zuletzt der gut verlaufenden Integration von Nationale Suisse und Basler Österreich, erklärte Philipp Gmür, seit dem 1. September 2016 CEO der Gruppe, an der Pressekonferenz vom Montag in Zürich. Insgesamt sollen die Synergien Kosten von 100 bis 130 Millionen Franken einsparen.

Kein Abschied vom Rheinknie

Gmür will die mit der im März 2016 lancierten Strategie «helvetia 20.20» eingeschlagene Richtung weiterführen und etabliert dazu per 1.1. 2017 eine neue Konzernstruktur. Zu den wie bis anhin bestehenden Marktbereichen Europa und Specialty Markets wird die Konzernleitung demnach ergänzt um die Marktbereiche Nicht-Leben Schweiz, Einzel-Leben Schweiz, Kollektiv-Leben Schweiz sowie Vertrieb Schweiz. Damit werde die Bedeutung des Schweizer Geschäfts gestärkt, das zu über der Hälfte zum Gewinn beitrage. Dennoch: Die Geschäftsleitung Schweiz mit Sitz in Basel wird formell abgeschafft. Dies steigere die Effizienz. Droht ein Abzug vom Standort Basel?

Die einzige Stelle, die in Basel verloren gehe, sei die des Geschäftsleiters Schweiz, bestätigt die Medienstelle auf Anfrage. Die Stelle hatte bisher Philipp Gmür selbst inne, der neue Gruppen-CEO. In Basel würden sich wie bisher verschiedene Hauptsitzfunktionen befinden, versichert die Medienstelle weiter. Sie seien nun in der Konzernleitung der St. Galler Gruppe vertreten, ihre Stellung im Konzern sei dadurch gar prominenter. Es sei für Helvetia kein Thema, die Hauptsitzfunktionen an einem Standort zusammenzuziehen.

Profitabel mit Verantwortung

Wie die «Nordwestschweiz» vergangene Woche schrieb, wollen einige Vorsorgeeinrichtungen Pensionäre zwingen, sich einen Teil des Altersguthabens als Kapital auszahlen zu lassen, statt als laufende Rente. Damit wälzen sie das Langlebigkeitsrisiko auf die Verursacher ab: die, die lang leben. Die Frage, ob das auch die Helvetia vorhabe, die im Einzel- und Kollektivleben ein wichtiges Standbein hat, verneinte Gmür und verwies auf die soziale Verantwortung. Bewirken Lippenbekenntnisse bei Journalisten meist ein müdes Lächeln, machen Aussagen, aus sozialer Verantwortung auf Profit zu verzichten, hellhörig – und misstrauisch. Doch auch an anderer Stelle blieb Gmür kohärent. Die bürgerliche Mehrheit der nationalrätlichen Sozialkommission will das Rentenalter auf 67 Jahre erhöhen können. Ob Pragmatismus oder soziales Gewissen: Gmür erteilt auch diesem Ansinnen eine Abfuhr. Für die Versicherungsbranche seien Reformen wichtig, die mehrheitsfähig seien. Das Rentenalter von 67 würde vor dem Volk kaum bestehen.

Das Versicherungsgeschäft besteht vereinfacht gesagt darin, Prämien so anzulegen, dass mit dem Ertrag in Zukunft die Verpflichtungen gegenüber den Versicherten gezahlt werden können. Der Assekuranz machen aber nicht die tiefen Zinsen zu schaffen, sondern auch die digitale Revolution – und damit mögliche neue Konkurrenz.

Bei Geschrei Beschwerde?

Anders als in der Industrie, wo der Robotereinsatz im Fertigungsprozess eine offensichtlichere Anwendung ist, stellt man in der Finanzbranche allerdings häufiger eher vage Vorstellungen fest. Die sogenannten disruptiven – also ganze Branchen neu definierende oder sie gar zerstörende – Technologien gehen hier selten über Eingabemasken in der Kommunikation mit dem Kunden auf der Homepage hinaus. Symptom für die Unsicherheit sind auch die sogenannten Inkubatoren, die Banken und andere Finanzdienstleister installiert haben. Hier sollen Mitarbeiter mit vielversprechenden Ideen frei vom bisherigen Trott auf den bekannten Trampelpfaden ihre Ideen im wahrsten Sinne ausbrüten können. Das spricht weder von viel Vertrauen in den bisherigen kreativen Prozess noch von viel Visibilität in der Frage, wo genau denn die neuen Anbieter aus der Tech-Branche lauern. Eher davon, bezüglich deren Aussehen und Potenzial ziemlich im Dunkeln zu tappen.

Wie andere Versicherer hält auch die Helvetia Gruppe in verschiedenen Ländereinheiten Projekte am Laufen, die im Erfolgsfall auf die gesamte Gruppe angewendet werden sollen. Dazu gehört etwa ein Pilot der spanischen Geschäftseinheit, wo bei Anrufen über Spracherkennung herausgehört wird, ob eine Beschwerde vorliege. Man kann nicht umhin, sich vorzustellen, dass der Computer eine Beschwerde daran erkennt, das ein aufgebrachter Kunde ins Telefon schreit. Ein weiteres bekanntes Beispiel ist die Telematik. Letzteres bedeutet die Abwicklung von Geschäften über PC, Smartphones und andere elektronische Endgeräte. Die Stossrichtung ist klar: eine generell vereinfachte Interaktion mit den Kunden. Ein «Touchpoint-Management» soll ausserdem den Kunden in der Beziehung zum Unternehmen begleiten, um loyale und langfristige Kundenbeziehungen zu schaffen. Auch von Helvetia hätte man sich hier konkretere Ausführungen gewünscht.