Banking
Ende einer ungewöhnlichen Beziehung: Boris Collardi und Pictet gehen getrennte Wege

Eigentlich passten sie nie wirklich zusammen: Der Starbanker und das Genfer Nobelgeldhaus. Nun trennen sie sich wieder.

Florence Vuichard
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Der einstige Julius-Bär-Chef ging Mitte 2018 nach Genf zu Pictet.

Der einstige Julius-Bär-Chef ging Mitte 2018 nach Genf zu Pictet.



Sandra Ardizzone / SON

Eines muss man Boris Collardi (47) lassen: Er ist immer wieder für eine Überraschung gut. So war die Bankenszene doch bass erstaunt, als der extrovertierte Collardi, bekannt für seine raumfüllenden Ambitionen, seine steile Karriere und seine Liebe zu schnellen Autos, per Mitte 2018 zum Genfer Nobelgeldhaus Pictet übersiedelte, das von Diskretion und seinem guten Ruf lebt.

Und jetzt, nach unzähligen, wohlwollenden Bekundungen von beiden Seiten, trennen sich die ungleichen Partner wieder: Collardi werde als geschäftsführender Teilhaber von seiner Funktion zurücktreten und Pictet per 1. September 2021 verlassen, teilte die Genfer Privatbank gestern mit – gut versteckt in den guten Halbjahreszahlen. «Er wird uns fehlen», heisst es freundlich. «Und wir wünschen ihm alles Gute für seine Zukunft.»

Collardi wurde von der Finma schriftlich gerügt

In Genf wurde Collardis Zuzug zu Pictet immer besonders kritisch beäugt, mit jedem neuen Problem aus dessen Julius-Bär-Jahren, das ans Licht kam, fühlten sich die Kritiker bestärkt. Besonders schwer wog die Untersuchung, welche die Finanzmarktaufsicht (Finma) wegen möglicher Verstösse gegen Geldwäschereibestimmungen bei Geschäften in Venezuela eröffnet hatte. Gegen einen ehemaligen Bär-Manager hat sie nun ein Verfahren eingeleitet, Collardi selbst ist Anfang 2021 mit einer gelben Karte davongekommen: Er wurde «schriftlich gerügt», denn es sei zu Fehlern gekommen.

Damit ist der Fall für Boris Collardi offiziell abgeschlossen, ebenso wie das Strafverfahren in Zürich, das die Staatsanwaltschaft im Stadium der Voruntersuchung im Juni eingestellt hat. Er stellt denn auch seinen Rücktritt als eigenen, persönlichen Entscheid dar. Er habe verschiedene, eigene Projekte, die er nun verfolgen wolle, sagt sein Sprecher Jörg Denzler. Spruchreif sind diese jedoch noch nicht.

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