"Auch wenn kurzfristig Geld aus der Schweiz abfliessen sollte, führt diese Einigung dazu, dass viel Vertrauen aufgebaut wird", sagte Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) in einem Interview mit der "NZZ am Sonntag". Dann komme neues Kundengeld. Der Schweizer Finanzplatz gelte nach wie vor als "stabiler, kompetenter und sicherer" als andere Orte.

Die Schweiz hat in der vergangenen Woche mit London und Berlin zwei Einigungen unterzeichnet, die in einem Abkommen über eine Abgeltungssteuer für Kunden aus diesen Ländern bei Schweizer Banken münden sollen: Danach liefert die Schweiz eine Steuer auf diesen Vermögen ab, die Namen der Kontoinhaber bleiben aber anonym.

Zudem sollen Altgelder, die teilweise schon jahrzehntelang schwarz in der Schweiz gelagert wurden, legalisiert werden. Die Höhe der Steuer muss noch verhandelt werden. Schätzungen zufolge sollen auf Altvermögen 15 bis 25 Prozent abgeführt werden, auf künftigen Erträgen 25 bis 35 Prozent. Odier äusserte sich dazu nicht.

Die Bankiervereinigung hatte eine solche Lösung schon seit längerem favorisiert. Die Europäische Union verlangt hingegen weiterhin einen automatischen Austausch der Informationen über ausländischen Bankkunden in der Schweiz.

Marktzugang in Deutschland

Odier, Geschäftsführer der Genfer Privatbank Lombard Odier, sind aber ähnliche Einigungen mit anderen EU-Ländern vorstellbar. Für Frankreich und Italien beispielsweise werde es einfacher, sich einer Abgeltungssteuer-Regelung anzuschliessen, wenn die Abkommen mit Grossbritannien und Deutschland funktionierten.

Mit den neuen Abkommen werde sich der internationale Wettbewerb unter den Finanzhäusern stärker auf Leistung und Qualität ausrichten. Für die Schweizer sei wichtig, dass der Marktzugang in Deutschland geregelt werde: "Es wird kein Abkommen geben ohne die Lösung dieses Problems", sagte Odier.