Kreditkarten

Banken rebellieren – und raten zur Rückforderung der Gebühren

Bald ein Bild aus der Vergangenheit? Das Kreditkarten-Geschäft wird immer unattraktiver. Thinkstock

Bald ein Bild aus der Vergangenheit? Das Kreditkarten-Geschäft wird immer unattraktiver. Thinkstock

Visa & Co. weht ein eisiger Wind entgegen. Aus der Reisebranche, von Banken und Kunden. Wegen den Zusatzgebühren. Gleichzeitig drängen neue Bezahlsysteme auf den Markt

Seit Jahren streiten sich Händler und Zahlungsdienstleister um die Kosten der Kreditkartenzahlungen. Im Visier stehen besonders die sogenannten Kreditkartenzuschläge, also Gebühren, die Geschäfte den Kunden verrechnen, wenn sie mit ihrem guten Namen bezahlen – mit diesem Slogan warb einst American Express – statt in bar. Dies, obschon diese Gebühren seit dem 1. August verboten sind. Das legen die in Kraft getretenen neuen Richtlinien von Visa und Mastercard fest.

Margenfresser Kreditkarte

Dienstleister wie Hotelplan Suisse, Kuoni Schweiz und TUI Suisse wollen aber offenbar an den Gebühren festhalten. Die laufenden Verträge würden Kreditkartenzuschläge nicht verbieten, rechtfertigen sie ihre Position. TUI erklärt, die Gebühren von 2 auf 1,5 Prozent reduziert zu haben, es würden somit nur noch die Kosten verrechnet, die ihnen die Kartenfirmen ihrerseits belasten. Die Bezahlindustrie sieht das anders. Die Händler würden sich verpflichten, die Richtlinien der Kartenbrands Visa und Mastercard einzuhalten, wenn sie diese akzeptieren.

Und diese Kosten sind je nach dem nicht gerade vernachlässigbar: Händler müssen den Kreditkartenfirmen im Durchschnitt 0,7 Prozent des Einkaufbetrags abliefern. Kleine Unternehmen bezahlen pro Transaktion sogar 2,7 Prozent. Das nagt an den ohnehin nicht üppigen Margen, vor allem bei kleineren Reisebüros. Um zu überleben, sehen sich diese gezwungen, diese Kosten an die Kunden weiterzugeben. Doch sie riskieren, die hart umkämpfte Klientel damit zu vergraulen. Die Kunden fordern das Geld für Zusatzgebühren immer häufiger zurück, denn sie fühlen sich diskriminiert, wenn sie nicht bar bezahlen.

Ungebührliche Gebühren

Das ist rechtens, wie das Reisemagazin versichert, sollten sich die Händler bzw. Reiseveranstalter weigern, auf die Sondergebühren zu verzichten. Die Kreditkartenfirmen bieten seit diesem Jahr ein Verfahren an, mit dem die Kunden die Gebühren zurückfordern können. Dieses Angebot erfreut sich offenbar doch zunehmender Beliebtheit, ganz zum Leidwesen der Händler. Nicht nur. Die Banken würden Kunden aktiv auf diese Möglichkeit aufmerksam machen. Sie raten ihnen, Aufschläge auf Kreditkartengebühren beim Anbieter wieder einzufordern, wie das Reisemagazin Travel Inside in einem Branchenüberblick zeigt.

Vor rund einem Jahr hat die Wettbewerbskommission (Weko) entschieden, dass die Gebühren, die Kreditkartenanbieter von Händlern verlangen können, sinken müssen. Der Weko-Entscheid verlangt, dass die Kosten bis 2017 auf durchschnittlich 0,44 Prozent sinken. Durch die Gebührensenkung dürften der Kartenbranche ab 2017 rund 70 bis 100 Millionen Franken jährliche Einnahmen entgehen. Im Gegenzug soll ein Einkauf bei einem Schweizer Detaillisten einen Kunden gleich viel kosten – ganz egal, ob er bar oder per Karte bezahlt.

Sandwich aus Kunden und Karten

Befinden sich die Reiseveranstalter im «Sandwich» zwischen Kunden und Kreditkarten, wird es auch für die Kreditkartenfirmen immer enger: Denn nicht nur rebellieren die Geschäftspartner, weil ihnen die bequeme Bezahlart die Marge erodieren lässt. Auf der anderen Seite machen ihnen auch neue Bezahlmodelle Konkurrenz und verwickeln sie in einen Preiskampf. Zwar operieren viele darunter – etwa auch ApplePay – mit Kreditkarten im Hintergrund. Aber es gibt auch Systeme, die die Abkürzung nehmen und ohne Kreditkarte auskommen, so etwa das von SIX, Banken und der Post betriebene Twint in der Schweiz (vgl. Box). Dies wird sich zusätzlich negativ auf ihre Profitabilität auswirken, nachdem sie bereits zu Preiskonzessionen und Gebührensenkungen gezwungen waren.

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