Anklage

Bank Wegelin ist über das US-Geschäft gestolpert

Der Hund auf dem Balkongeländer des Wegelin-Gebäudes wird zum Logo der Notenstein Privatbank. key

Der Hund auf dem Balkongeländer des Wegelin-Gebäudes wird zum Logo der Notenstein Privatbank. key

In den USA untersuchen die Behörden die Geschäfte wegen vermuteter Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Drei Mitarbeiter wurden angeklagt.

Die Bank Wegelin ist über dubiose Geschäfte mit amerikanischen Kunden gestolpert. Nötig wurde die gestern bekannt gewordene Aufspaltung der Bank, weil die US-Strafverfolgungsbehörden bei ihrer Jagd auf Schwarzgelder Blut gerochen hatten.

Anfang Januar stellte der Bundesstaatsanwalt Preet Bharara, der in New York auch für die Überwachung der Wall Street zuständig ist, drei Angestellte von Wegelin an den Pranger. In einer 46 Seiten zählenden Anklageschrift wurde den drei Kundenberatern in der Zürcher Filiale vorgeworfen, sie hätten 70 amerikanischen Steuerzahlern dabei geholfen, mehr als 1,2 Milliarden Dollar vor dem hiesigen Fiskus zu verstecken.

Das ist in den USA strafbar, wie spätestens seit dem UBS-Skandal in den Jahren 2008 und 2009 jedem Schweizer Bankier bekannt sein sollte. Wegelin schien über die Vorwürfe nicht weiter erstaunt zu sein. In einer ersten Reaktion teilte die Privatbank mit, dass man «weiterhin daran interessiert ist, zur Klärung der Angelegenheit beizutragen». Die geschäftsführenden Teilhaber hätten «ihre Rechtsvertreter in den USA auch ermächtigt, entsprechende Verhandlungen mit den US-Justizbehörden zu führen, insoweit das Schweizer Recht dies zulässt.»

Teilhaber als «Mitverschwörer»

Letztere Bemerkung liess aufhorchen. Zwar ist es ein offenes Geheimnis, dass Wegelin zu den elf eidgenössischen Instituten gehört, deren Verfehlungen derzeit Gegenstand von Verhandlungen auf höchster Ebene zwischen Bundesbern und Washington sind. Die Verhandlungen sollen gemäss Auskunft des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF) im Februar fortgesetzt werden.

Zu der Gruppe der verdächtigten Banken gehören unter anderem die Credit Suisse, die Basler und die Zürcher Kantonalbank sowie die Bank Julius Bär. Aber diese Banken wiegelten in ihren Reaktionen auf ähnliche Anklageschriften jeweils ab und stellten sich, grob gesagt, auf den Standpunkt, dass sich allfällige Aktionen der US-Strafverfolgungsbehörden nicht gegen das Unternehmen, sondern bloss gegen (ehemalige oder aktuelle) Mitarbeiter richteten. Das Wort Verhandlungen wurde jeweils tunlichst vermieden.

Mit ein Grund für diese unterschiedliche Kommunikationsstrategie: In der Anklageschrift gegen die Wegelin-Mitarbeiter wurde auch ein geschäftsführender Teilhaber erwähnt, der den drei «ausdrücklich» die Erlaubnis gegeben haben soll, reiche Amerikaner anzuwerben. Der Teilhaber wurde als «Mitverschwörer» bezeichnet, obwohl er in der Anklageschrift nicht namentlich erwähnt ist und nicht unter Anklage gestellt wurde. Dies könnte zumindest ein Indiz dafür sein, dass das oberste Management von Wegelin den Kundenfischzug stillschweigend toleriert hatte – ein rotes Tuch für amerikanische Ermittler.

Zu dieser Theorie passt ein überraschender Entscheid Wegelins, der in der vorigen Woche bekannt wurde. In einem E-Mail teilte Konrad Hummler, der starke Mann von Wegelin, am 19. Januar dem Kader mit, dass «wir mit Christian Hafner übereingekommen sind, ihn bis auf weiteres von seiner Arbeit und seinen Funktionen zu beurlauben», wie die Internet-Publikation «Inside Paradeplatz» berichtete. Gerüchtehalber hiess es, dass sich Wegelin mit diesem Schritt das amerikanische Justizministerium besänftigen wolle. Zuvor hatte sich die Privatbank noch, auch als Reaktion auf einen gross aufgemachten Artikel in der «SonntagsZeitung», kämpferisch gegeben. Im Nachhinein aber zeigte sich, dass Hafners Beurlaubung zu spät kam, um die 1741 gegründete Privatbank zu retten.

Ex-UBS-Mitarbeiter haben geholfen

Gestolpert ist Wegelin damit über die eigene Arroganz: Da das Finanzinstitut bloss in der Schweiz Filialen aufweist, glaubte es sich dem Zugriff der US-Ermittler entziehen zu können. Aggressiv warben die Privatbankiers nach dem UBS-Skandal Amerikaner an, die ein neues Domizil für ihre unversteuerten Guthaben suchten. Die Aktion hatte Erfolg, wenn auch nur kurz: Wegelin zog mehr als eine Milliarde Dollar an neuen Kundenguthaben an – mithilfe von Ex-UBS-Angestellten, die nach ihrem Engagement bei der Schweizer Grossbank als unabhängige Treuhänder tätig waren.

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