Schweiz

Bank Julius Bär verdoppelt Gewinn fast – und baut 200 Stellen ab

Die Bank Julius Bär baut infolge der Frankenstärke 200 Stellen ab

Die Bank Julius Bär baut infolge der Frankenstärke 200 Stellen ab

Die Privat-Bank mit Sitz in Zürich kann ihren Konzerngewinn auf 367 Millionen Franken steigern. Der starke Franken sei aber ein Grund, Kosten zu senken, wie die Bank mitteilt. Deshalb sollen Stellen gestrichen werden – mehrheitlich in der Schweiz.

Die Bank Julius Bär ist 2014 weiter gewachsen, hat die Kundenvermögen auf Rekordhöhe gesteigert und den Gewinn auf 367 Mio. Fr. fast verdoppelt. Wegen der starken Frankenaufwertung tritt die Bank nun aber auf die Kostenbremse.

Julius Bär lanciert ein Programm zur Reduktion der Kostenbasis um rund 100 Mio. Franken, wie die Bank am Montag mitteilte. Die Hälfte der Einsparungen soll bereits im laufenden Jahr realisiert werden.

Konkret werden Personalkosten gesenkt durch Restriktionen bei Neuanstellungen, die Umverteilung von Ressourcen sowie die Streichung von rund 200 Stellen. Betroffen seien hauptsächlich Mid- und Back-Office-Funktionen, erklärte die Bank. Dies werde zum Teil auch das integrierte IWM-Geschäft tangieren.

Julius Bär hatte das Vermögensverwaltungsgeschäft (IWM-Geschäft) von Merrill Lynch ausserhalb der USA übernommen. Der Prozess sei 2014 weitgehend abgeschlossen worden, hiess es. Es bleibe lediglich die Übertragung des Geschäfts in Indien, die nach aktuellem Stand voraussichtlich gegen Mitte 2015 durchgeführt werde.

Während 2014 weitere 166 Mitarbeitende von IWM zu Julius Bär wechselten, führte die mit der Integration verbundene Restrukturierung dazu, dass 564 Mitarbeitende die Gruppe verliessen. Netto wurden also 398 Vollzeitstellen gestrichen.

Stellenabbau mehrheitlich in der Schweiz

Die Stellenkürzungen bei der Bank Julius Bär werden laut Finanzchef Dieter Enkelmann zur Mehrheit Arbeitsplätze in der Schweiz betreffen. So weit wie möglich sollen natürliche Abgänge genutzt werden, es werde aber auch zu Entlassungen kommen.

Möglich seien zudem Verlagerungen von Arbeitsplätzen aus der Schweiz ins Ausland, sagte Enkelmann am Montag in einer Telefonkonferenz. Ob neben dem kurzfristig zusammengestellten Sparprogramm zu einem späteren Zeitpunkt zusätzliche Massnahmen notwendig würden, werde man sehen, ergänzte Konzernchef Boris Collardi. Weltweit zählt Julius Bär derzeit 5250 Vollzeitstellen, davon knapp 3100 in der Schweiz.

Julius Bär begründete den jüngsten Abbauentscheid explizit mit der Frankenstärke: "Auf Grund des weiterhin bestehenden Ungleichgewichts und der starken Aufwertung des Schweizer Frankens im Januar 2015 müssen weitere Massnahmen zur Wahrung der Profitabilität der Gruppe ergriffen werden."

Die Bank räumt aber ein, dass sich eigentlich die Diskrepanz von Erträgen in anderen Währungen und Kosten in Franken durch die Übernahme des Vermögensverwaltungsgeschäfts von Merrill Lynch ausserhalb der USA zuletzt substanziell verbessert habe.

Zudem werde die Frankenstärke im laufenden Jahr sicherlich noch zu "sehr interessanten Möglichkeiten" für Übernahmen führen, hielt Collardi fest. Bei vielen Instituten in der Schweiz fielen 90 Prozent oder mehr der Kosten in Franken an: Das werde zu einer verstärkten Konsolidierung bei den Schweizer Privatbanken führen.

Mehr verwaltete Vermögen

Die IWM-Geschäfte trugen weiter zum Wachstum von Julius Bär bei. Die verwalteten Vermögen stiegen um 14 Prozent auf 291 Mrd. Franken. Basierend auf Marktwerten vom Jahresende stammen davon 60 Mrd. Fr. von IWM. Zum Anstieg trug ein Netto-Neugeldzufluss von 13 Mrd. Fr. bei.

Den Gewinnsprung erklärte Julius Bär mit tieferen Kosten für die IWM-Integration als im Vorjahr sowie mit dem Wegfall einer Rückstellung im Zusammenhang mit dem Quellensteuerabkommen der Schweiz mit Grossbritannien.

Derzeit kein Thema ist für Julius Bär die Weitergabe von Negativzinsen an die Kundschaft, wie Collardi weiter sagte. Zum US-Steuerstreit gab er sich Collardi einmal mehr überzeugt, diesen bald abschliessen zu können. Er erwarte, dass es 2015 bei den Banken der Kategorie 1 - zu denen Julius Bär gehört - wie auch denen der Kategorie 2 zu einer Einigung mit den US-Steuerbehörden kommen werde.

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