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Bank der Zentralbanken sagt: Die Finanzwelt ist gesünder geworden

Die US-Notenbank Fed könnte schon im Dezember die erste Zinserhöhung seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 vornehmen. Die aufstrebenden Länder scheinen widerstandsfähig – gegen die bevorstehende US-Zinserhöhung sind sie aber nicht immun.

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Der Hauptsitz der BIZ, der Bank der Zentralbanken, ist Basel.

Der Hauptsitz der BIZ, der Bank der Zentralbanken, ist Basel.

Keystone

Vierteljährlich beschert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) der Welt einen hochkarätigen Kranz von Forschungsergebnissen, die den Zustand der Finanzwelt abbilden. Dabei geht es regelmässig um die ganz grossen Themen. So auch in der neusten, am Sonntag veröffentlichten Ausgabe des BIZ-Quartalsberichts. Darin geht es vor allem um die Frage, wie die globalen Finanzmärkte in den letzten Monaten darauf reagiert haben, dass die Geldpolitik in den USA und dem Rest der Welt weiter auseinanderdriften könnten.

Die US-Notenbank Fed könnte schon im Dezember die erste Zinserhöhung seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 vornehmen. Ganz anders die Europäische Zentralbank (EZB): Sie hat mit der Ausdehnung ihres Wertschriftenkaufprogramms am vergangenen Donnerstag klargemacht, dass sie von einer Straffung der Geldpolitik noch weit entfernt ist. Letzteres heisst für die Schweiz, dass auch die hiesige Notenbank die Zinsen noch lange wird tief halten müssen, um den Franken so unattraktiv wie möglich für ausländisches Geld zu machen.

US-Zinserhöhung erwartet

Dass die EZB am Donnerstag die Geldschleusen nicht ganz so weit aufriss wie erwartet, hat nicht nur Druck von der SNB genommen, ihre Zinsen an der nächsten Lagebeurteilung vom 10. Dezember nicht weiter in negatives Terrain drücken zu müssen. Sie macht auch dem Fed die Entscheidung für eine Zinserhöhung leichter. Weil die Schwemme an Euros nicht so gross sein wird wie gedacht, hat sich der Euro nicht nur gegenüber dem Franken, sondern auch gegenüber dem Dollar aufgewertet.

Höhere US-Zinsen machen den Dollar attraktiver und lassen ihn aufwerten. Doch nach seiner Abschwächung zum Euro seit Donnerstag, dürfte dieser Effekt einer US-Zinserhöhung unter dem Strich kleiner als gedacht ausfallen, was für die US-Exporteure wichtig ist. Zudem ist die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt gut. Eine Zinserhöhung gilt als so gut wie sicher.

Die Aussicht auf höhere US-Zinsen könnte in aufstrebenden Volkswirtschaften zu Währungsschwäche, höheren Anleiherenditen und Kapitalabflüssen führen. Denn wenn die US-Zinsen steigen, schwappt viel der Dollarliquidität, die das Fed in den letzten Jahren geschaffen hatte, zurück in den Dollar, der dann mehr rentiert.

Die BIZ spricht alles in allem von einer «angespannten Ruhe vor der Anhebung der US-Leitzinsen». Die Befürchtung einer Schwellenländer-Krise schwand dank dem entschiedenen Eingreifen der chinesischen Zentralbank. Doch nach der Oktober-Sitzung des Fed und der Veröffentlichung robuster Beschäftigungszahlen für die USA Anfang November sei die Stimmung abermals gekippt, da beides eine Anhebung der US-Leitzinsen noch in diesem Jahr wahrscheinlicher erscheinen liess.

In den fünf Tagen nach Veröffentlichung der US-Beschäftigungszahlen reagierten die Aktien-, Anleihe- und Devisenmärkte ähnlich wie beim Tapering-Schock Mitte 2013, als die US-Notenbank die Lockerung ihrer Geldpolitik stoppte und ankündigte, ihr seit Jahren laufendes Wertschriftenkaufprogramm zu drosseln und es Ende 2014 ganz beenden zu wollen. Doch im Gegensatz zu damals hatten die Märkte bis Mitte November die Verluste weitgehend wettgemacht. Dies könnte, so schliesst die BIZ, ein Hinweis darauf sein, dass Schwellenländer eine Straffung der US-Geldpolitik besser als 2014 wegstecken könnten. Doch sicher ist das nicht. Eine Untersuchung der BIZ zeigt, dass die Zinsen in den Schwellenländern weiter sehr stark auf Veränderungen der US-Zinssätze reagieren (vgl. Grafik).

Regulierung der Grossbanken

Das Vertrauen in die bankinternen Modelle zur Berechnung der Risikogewichtung ist seit der Finanzkrise gering. Die Leverage Ratio, die ungewichtete Kapitalquote, hat an Bedeutung gewonnen. Sie stellt ein einfacheres, robusteres Mass dar. Bei der risikogewichteten Eigenkapitalquote ist der Nenner (die Bilanzsumme) kleiner (der Zähler, das Kernkapital, bleibt gleich), weil gewisse Aktiva mit einem geringeren Risikogewicht verbucht werden: Für jede Aktivposition wird je nach Risikograd ein Gewicht zwischen 0 und 100 Prozent definiert, zu dem ihr Wert mit Kernkapital unterlegt werden muss. Eine relativ sichere Anleihe muss die Bank nicht zu 100 Prozent ihres Werts mit Eigenkapital absichern. Die konkreten Gewichtungen nehmen die Banken selber vor und sind daher umstritten.

Der von einem Ausschuss der BIZ entwickelte internationale Standard von «Basel 3» verlangt seit 2013 eine Leverage Ratio von 3 Prozent. Die Schweiz sah bisher für systemrelevante Banken je nach Berechnung 4 bis 4,5 Prozent vor und geriet damit ins Hintertreffen — in den USA sind es etwa 6 Prozent. Ende Oktober hat der Bundesrat beschlossen, den Empfehlungen der vom Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti präsidierten Expertengruppe zu folgen und die Eigenmittelanforderungen zu verschärfen. Die Leverage Ratio soll für UBS und Credit Suisse künftig 5 Prozent betragen. Der Verordnungsvorschlag soll bis Mitte 2016 umgesetzt sein, die Grossbanken erhalten bis 2019 Zeit, um das Kapital aufzubauen.

Diese Erhöhung erhält nun Rückendeckung von der BIZ. In einer Studie im Quartalsbericht heisst es, dass selbst bei vorsichtiger Schätzung beträchtlicher Spielraum für eine Anhebung der Mindestanforderung für die Leverage Ratio von 3 auf bis zu 5 Prozent besteht und sich unter dem Strich immer noch ein gesamtwirtschaftlicher Nutzen ergebe. Der Nutzen einer dickeren Kapitaldecke der Grossbanken besteht darin, dass im Konkursfall der Staat weniger schnell gezwungen ist, die Bank mit Steuergeldern zu retten.

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