Vor rund 20 Jahren war es das Wunderwort. Die ganze Finanzgemeinde pries die sogenannte Allfinanz, die Fusion von Bank und Versicherung. Sie sollte Synergien liefern und sowohl Bank wie Versicherung stärken. Die Gleichung lautete lapidar 1 + 1 = 3. Und sie war lapidar falsch. Prominentestes Beispiel ist die Übernahme der Winterthur Versicherung durch Credit Suisse für 14 Milliarden Franken. Nach wenigen Jahren war der Traum bereits ausgeträumt, die Kooperation kam nie richtig in Schwung, CS verkaufte an AXA.

Baloise versuchte es auch, nur bescheidener. Im Jahr 2000 erwarb die Versicherung die Solothurner Kantonalbank. Doch im Gegensatz zu den vielen anderen Übernahmen war der Einkauf in Solothurn kein Flop: Die Bank habe vom grossen Vertriebsnetz der Baloise profitiert, sagten Vertreter der Baloise Bank Soba an einer Präsen-
tation in Zürich. Von 2003 bis 2014 stieg das von den Baloise-Kundenberatern vermittelte Kundenvermögen von 200 Millionen auf 1,7 Milliarden Franken.

Ein Zusammenwirken

Verwaltungsratspräsident Michael Müller wehrt sich aber gegen den Begriff Allfinanz. Baloise gehe lange nicht so weit, dass man von Allfinanz sprechen könne – höchstenfalls im Kanton Solothurn, wo die Soba aus historischen Gründen sehr gut verankert sei. Andernorts habe der Versicherungsbetrieb den Lead.

An einer Präsentation nannte Müller ein Beispiel des Zusammenwirkens von Versicherung und Bank: Laufe eine Lebensversicherung aus und werde der Endbetrag ausbezahlt, läge der Anteil Gelder, die bei der Versicherung blieben, bei 20 Prozent. Dank der eigenen Bank belaufe sich der Anteil heute auf 30 Prozent.

Er räumte auch ein, dass es sehr lange gebraucht habe, bis das Modell aufgebaut war und sich Synergien entwickeln konnten. Mit der Solothurner Kantonalbank habe man das Glück gehabt, eine Bank zu erwerben, die funktionierte, Erträge generierte und die weiterentwickelt werden konnte.

Auch die Arbeit des Beraters habe sich gewandelt. Er oder sie berät heute die Kunden sowohl was Versicherung wie Vermögen anbetrifft. Zur Vermögens-
analyse kommt Vorsorge- und Versicherungsanalyse, beziehungsweise Bedürfnisabklärung. Dass beides mit finanzieller Absicherung zu tun hat, liegt auf der Hand. Die Digitalisierung entwickelt sich auch im Vermögensbereich immer schneller.

Der Kunde sei sehr gut informiert und immer kostenbewusster, sagt CEO Jürg Ritz. «Hie und da kommen Kunden mit zwei Kostenvoranschlägen von Konkurrenten.» Seit zwei, drei Jahren kommt bei der Soba ein IT-gestütztes, standardisiertes Beratungstool zum Einsatz. Das Prinzip: Der Berater soll damit herausfinden, welches Risikoprofil der Kunde hat, welche Marktkenntnisse, Anlagehorizont und Gewinnerwartungen er hat und zu welchem Zweck er spart. Sodann stellt ihm der Berater (im Prinzip jedoch der Computer) ein Portefeuille zusammen. Die Beratung werde gesetzeskonform gemäss Finleg protokolliert.

Abgestuftes Tarifsystem

Ändert sich die Lage am Aktien- oder Obligationenmarkt, kann er je nach Leistungspaket eines bis drei Beratergespräche pro Jahr beziehen. Die Soba hat auch ein neues Tarifsystem eingeführt. Im einfachsten Paket liegt die Gebühr beispielsweise für ein Depotvolumen bis 500 000 Franken bei 0,6 Prozent pro Jahr, die monatliche Mindestgebühr ist 15 Franken. Der Soba-Kunde kann aber auch auf die Beratung verzichten (das machen knapp 40 Prozent der Kunden) und kann dafür online handeln.

Die Depotgebühr liegt hier bei 0,24 Prozent pro Jahr (bis zu fünf Millionen Franken), die monatliche Mindestgebühr beträgt acht Franken. Inbegriffen ist bei allen Varianten die Depotverwaltung. Andere Banken haben ähnliche Berater- und Tarifmodelle aufgelegt.