Noch nie gab es im Kanton Aargau so viele Arbeitslose wie Ende 2009. Setzt sich dieser Trend 2010 fort?
Thomas Buchmann: Damit ist leider zu rechnen. Allerdings wird die Zahl der Arbeitslosen nicht mehr so steil ansteigen wie 2009.

3,9 Prozent oder 12000 Personen sind im Kanton aktuell ohne Job. Mit welcher Quote rechnen sie fürs laufende Jahr?
Buchmann: Wir gehen davon aus, dass die Quote im Verlauf 2010 bis auf 4,5 Prozent ansteigen könnte. Das würde rund 14000 Erwerbslosen entsprechen.

In welchen Branchen drohen weitere Arbeitslose?
Buchmann: Bei Firmen, die stark vom Export leben, kann es 2010 zu weiteren Entlassungen kommen. Vor allem bei jenen Firmen, die den Abschwung von 2009 bis heute in keiner Weise kompensieren konnten. Gefährdet sind vorwiegend Unternehmen aus den Bereichen Metall- und Maschinenbau sowie aus der Kunststoff-Industrie.

Was erwarten sie für die Binnenwirtschaft?
Buchmann: Die läuft gut. Auf dem Bau sieht es gut aus. Auch der Detailhandel hat kaum Probleme. In diesen Branchen wird es nicht zu grossen Entlassungen kommen.

Das überrascht. Die Credit Suisse hat gerade gestern erklärt, dass es im Detailhandel 2010 Einbussen geben wird.
Buchmann: Die Schweizer und Schweizerinnen haben 2009 mehr konsumiert als 2008. Ich sehe keine Anzeichen, dass das 2010 gross anders wird.

Besonders stark gestiegen ist im Kanton Aargau die Arbeitslosigkeit bei den 20 bis 24-jährigen. Sie beträgt inzwischen 7 Prozent. Was sind die Ursachen?
Buchmann: Wenn Unternehmen in Krisen keine oder nur wenige neue Mitarbeiter anstellen, ist diese Altersgruppe (z.B. Lehrabgänger ohne Berufserfahrung) jeweils besonders stark betroffen. Aktuell hinzu kommen noch saisonale Effekte. Aus der Vergangenheit wissen wir aber, dass ab Januar die Zahlen wieder zurückgehen werden. Generell ist es so, dass junge Leute rascher eine Stelle finden als ältere Arbeitslose.

Zugenommen hat die Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit angemeldet haben. Wird die Zahl weiter zunehmen?
Buchmann: Sie wird hoch bleiben. Man sollte das aber nicht allzu negativ werten. Ich sehe das eher positiv, als ein Zeichen dafür, dass die Betriebe die Mitarbeiter halten wollen. Weil sie nach der letzten Krise von 2001 Mühe hatten, neue Leute zu finden.

Wann werden auf dem Arbeitsmarkt wieder normale Zustände herrschen?
Buchmann: Vor 2012 rechne ich nicht mit einer grossen Entspannung, auch wenn 2011 etwas besser sein dürfte als 2010. Bevor es zu einer Entspannung kommt, muss sich die Exportwirtschaft erholen. Sie hat den Talboden zwar erreicht, es zeigen sich auch leichte Verbesserungen. Von den Höchstständen im Jahr 2007 sind die stark exportabhängigen Betriebe aber noch immer weit entfernt. Das wird auch noch eine Weile so bleiben.

(Interview : Rüdi Steiner)