Prävention

Bald auch auf Bierflaschen: Warnsymbol für Schwangere

Alkohol gefährdet das ungeborene Kind.

Alkohol gefährdet das ungeborene Kind.

Jährlich kommen in der Schweiz rund 800 Kinder mit geistigen, körperlichen oder neurologischen Schäden durch Alkohol zur Welt. Deshalb werden Warnhinweise auf Alkoholflaschen gefordert. Jetzt gehen Schweizer Bier-Produzenten in die Offensive.

Mit dem Thema Alkohol während der Schwangerschaft wird jede werdende Mutter immer wieder konfrontiert. Denn in der Gesellschaft glauben noch immer viele Leute, dass ein Glas Rotwein oder ein Bierchen dem Ungeborenen sicher nicht schade. Das britische Zentrum für Schwangerschaftsberatung gab diese Woche in der Zeitung «The Guardian» sogar bekannt, dass dieses Thema überstigmatisiert sei und man wolle gegen die «übertriebene Angstmacherei» mobil machen. «Frauen werden so unnötig verunsichert», sagt Clare Murphy, Leiterin des britischen Schwangerschafts-Beratungszentrums.

«Das ist falsch und fatal», warnt Professor Dr. Jürgen Weiss, Leiter der Kinderwunsch- und Endokrinologie-Abteilung im Kantonsspital in Luzern. Denn alleine in der Schweiz werden jährlich rund 800 Kinder mit schweren geistigen, körperlichen oder neurologischen Schäden durch Alkohol geboren. Kinder mit FAS, dem Fetalen Alkohol Syndrom. Das Baby trinkt mit, Alkohol gelangt über die Plazenta direkt ins Blut des Kindes.

Weiss: «Jede Menge Alkohol kann das Ungeborene schädigen. Und da niemand genau weiss, für welche Frau welche niedrige Schwelle gilt, kann man nur klar und definitiv sagen, dass eine Schwangere gar keinen Alkohol trinken sollte.» Der Professor fordert sogar, dass was in England und Frankreich längst gesetzlich vorgeschrieben ist, auch in der Schweiz bald kommt: Warnhinweise auf Flaschen – wie bei Zigaretten.

Brauereien werden aktiv

Solche Hinweise seien Sache der Hersteller, heisst es auf Anfrage bei Coop, dem in der Schweiz grössten Verkäufer von alkoholischen Getränken. Auch laut Denner, der Nummer Zwei, ist «die Kennzeichnung von Alkoholika Angelegenheit der Hersteller», sagt Sprecherin Grazia Grassi. Inzwischen gäbe es aber vermehrt Konsumentinnen und Konsumenten, die auf den Flaschen darauf hingewiesen haben wollen, dass Alkohol nicht für Schwangere geeignet sei. «Allerdings sind sich die Fachleute uneinig, wie viel solche Hinweise bewirken. Deshalb steht Denner dem Anliegen auch eher kritisch gegenüber. Für einen Hinweis braucht es einen politischen Entscheid.»

Dass es auch ohne politischen Druck geht, beweist die Feldschlösschen Getränke AG und geht in die Offensive: «Wir haben uns mit der Thematik aktiv auseinandergesetzt und werden noch in diesem Jahr das Symbol, also eine durchgestrichene schwangere Frau, auf unseren Etiketten anbringen. Die Implementierung des Schwangerschafts-Symbols wird im 2017 sequenziell umgesetzt», kündigt Unternehmenssprecherin Gaby Gerber in der «Schweiz am Wochenende» an. Auch Heineken Switzerland, eines der führenden Unternehmen im Schweizer Bier- und Getränkemarkt, hat längst freiwillig das Symbol einer schwangeren Frau «auf fast allen unseren alkoholhaltigen Getränken eingeführt», bestätigt Sprecher Urs Frei.

Bei Wein, Champagner oder anderen Spirituosen ist das nur zum Teil der Fall und gestaltet sich wegen der Importe aus den verschiedensten Ländern schwieriger. Bei der Stiftung Sucht Schweiz ist man gegenüber einem Zwangshinweis jedoch kritisch: «Das Problem scheint uns heute eher ein Anderes zu sein, nämlich dass das Umfeld von schwangeren Frauen diese besser im Wunsch nach Abstinenz unterstützen und nicht zum Mittrinken verleiten sollte», sagt Sprecher Markus Meury.

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Sacha Ercolani

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