Arbeitswelt der Zukunft
Automobil-Mechatronikerin Anna Tschudin: «Ich muss noch viel Krafttraining machen»

Wo der Schraubenzieher nicht mehr ausreicht, gibt es Software und Laptops – der Beruf des Automechanikers hat sich stark gewandelt.

Lina Giusto
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Anna Tschudin arbeitet gerne als Automobil-Mechatronikerin.

Anna Tschudin arbeitet gerne als Automobil-Mechatronikerin.

Andre Albrecht

Wenn Anna Tschudin am Morgen in die Amag Garage in Schlieren kommt, verschafft sie sich zuerst einen Überblick über die Arbeit der Lernenden im ersten Lehrjahr. Tschudin ist bereits im zweiten der vier Ausbildungsjahre als Automobil-Mechatronikerin.

Früher nannte man ihren Beruf «Automechaniker». Heute ist es ein zusammengesetztes Wort aus Mechanik und Elektronik. Die 18-jährige Tschudin sagt: «Logisches und technisches Verständnis sind eine Grundvoraussetzung in diesem Beruf.» Weiterbildungen seien für ihre berufliche Zukunft unabdingbar. «Es wird immer wieder neue Software, neue Geräte und technische Entwicklungen geben», sagt sie. Es sei ein vielfältiger Beruf in der Garage. Sie hätte mit den Händen arbeiten wollen, hat aber auch die Anforderung, den Kopf benutzen zu müssen. Tschudin sucht die Herausforderung. Und das sei vor allem das Heben von schweren Autoteilen. «Deshalb muss ich viel Krafttraining machen», sagt sie. Oder nehme im Notfall eine Hebebühne zu Hilfe.

Tschudin hält nichts vom Klischee «Männerberuf». Im Gegenteil: «Ich wüsste nicht, warum dieser Beruf nur von Männern ausgeübt werden sollte», sagt sie achselzuckend. Tschudin ist unkompliziert: «Man werde manchmal schon dreckig bei der Arbeit. Aber was solls, dafür gibt es sonst Handschuhe.»

Wenn sich Tschudin in der Garage den ersten Überblick verschafft hat, erhält sie einen persönlichen Auftrag vom Chef oder wird einem Mechaniker zugeteilt. Aufträge, die sie alleine bearbeitet, reichen von der Servicearbeit am Auto, hin zum Rad- oder Bremswechsel.

Es seien die Grundlagen, die man von Anfang an lernt, sagt Tschudin. Grössere Aufträge können Getriebewechsel, Software-Updates oder ein Abgastest sein. «Software und Laptops kommen dann zum Einsatz, wenn ein Schraubenzieher halt nicht mehr reicht», sagt sie. Dennoch: Roboter seien bei der Amag in Schlieren keine im Einsatz. «Es gibt Lernende in meinem Umfeld, auch ältere Mechaniker, die sind der festen Überzeugung, dass wir Menschen irgendwann komplett aus der Garage verschwinden.» Tschudin glaubt das aber nicht. Sie könne sich vorstellen, auch in zehn Jahren noch im Beruf zu arbeiten. «Da ich die Berufsmaturität mache, möchte ich mich gerne noch weiterbilden – definitiv im Automobil- oder Elektronikbereich.»