Christlicher Verlag

Ausstände von 20'000 Franken: Dornbusch Medien bezahlen Journalisten nicht

Journalisten erhalten ihr Geld von Dornbusch Medien gar nicht oder erst, wenn sie den Verlag vors Betreibungsamt zerren. (Symbolbild)

Journalisten erhalten ihr Geld von Dornbusch Medien gar nicht oder erst, wenn sie den Verlag vors Betreibungsamt zerren. (Symbolbild)

Journalisten warten auf Löhne von Dornbusch Medien. Der Schweizer Pfarrer und Schriftsteller Ulrich Knellwolf musste sein Geld gar per Anwalt eintreiben.

Die Dornbusch Medien haben ein christliches Publikum. Das Magazin «Doppelpunkt» richtete sich lange an Reformierte. Heute propagiert das Heft Achtsamkeit, Entschleunigung und Nachhaltigkeit. Für Katholiken vertreibt der Verlag das Magazin «Sonntag».

Wenig christliche Tugenden und Achtsamkeit lässt Dornbusch Medien im Umgang mit dem eigenen Personal erkennen. Journalisten erhalten ihr Geld gar nicht oder erst, wenn sie den Verlag vors Betreibungsamt zerren.

Im Herbst verschickte die Mediengewerkschaft Syndicom eine Warnung. Freischaffende Journalisten sollen für Dornbusch nur noch gegen Vorkasse arbeiten. Syndicom seien Ausstände in der Höhe von über 20 000 Franken bekannt. «Wir wissen von ehemaligen Mitarbeitenden, die auf Lohn verzichten, weil der Rechtsweg ihnen zu lang und zu teuer ist», sagt Marco Geissbühler von Syndicom.

Freie Journalisten und ehemalige Redaktoren von Dornbusch bestätigen die Vorwürfe gegenüber CH Media. Betroffen sind Autoren aus dem In- und Ausland. Die Schilderungen gleichen sich. Zahlungen bleiben aus, Mahnungen werden ignoriert. Manche geben dann auf und verzichten auf das Geld. Andere reichen eine Betreibung ein.

Bei Verhandlungen vor dem Friedensrichter müssen die Journalisten ihre Forderungen belegen. Gelingt ihnen das, anerkennt Dornbusch die Schuld. Manchmal kommt dann der Lohn, in anderen Fällen wieder nicht. Hartnäckige betreiben dann wieder und drohen mit dem Konkurs. Bisher konnte Dornbusch diesen aber mit Zahlungen im letzten Moment abwenden.

Dornbusch-Chef und -Teilhaber Fabian Egger bestreitet die Vorwürfe. Alle Autoren hätten ihre Honorare erhalten», schreibt er in einem E-Mail. Er gesteht zwar Schwierigkeiten ein, gibt aber der «Misswirtschaft» seiner Vorgänger die Schuld. Vor knapp viereinhalb Jahren habe er den Verlag «in einem desolaten Zustand» zusammen mit einem Partner übernommen.

Bevor er das Unternehmen kaufte, war Egger, der in Birmenstorf für die CVP im Gemeinderat sitzt, Geschäftsleiter des Verlages, der damals noch CAT Medien hiess. Die Kritik an Dornbusch stellt Egger als Kampagne einer «kleinen Gruppe ehemaliger freischaffender Mitarbeiter» dar, die ihrem Unmut über das Aufkünden langjähriger Zusammenarbeit Luft verschaffen wolle.

Ein Blick in den Betreibungsregisterauszug von Dornbusch Medien zeigt ein anderes Bild: Es sind bei weitem nicht nur eine Handvoll frustrierte Journalisten, die auf ihr Geld warten mussten. Dornbusch zahlte in den letzten Jahren auch Rechnungen von Sozialversicherungen und vom Steueramt nicht. Zudem betrieben eine Druckerei, ein Treuhandbüro und die Billag den Verlag. Entweder hat Dornbusch ein massives Buchhaltungsproblem oder schlicht und einfach leere Kassen.

Auch Knellwolf musste warten

Einer der betroffenen Autoren ist Ulrich Knellwolf. Im Dezember 2017 erschien in den Weihnachtsausgaben von «Sonntag» und «Doppelpunkt» ein Essay des heute 76-jährigen Pfarrers und Schriftstellers («Tod in Sils Maria»). Die laut Knellwolf versprochenen tausend Franken Honorar bekam er nicht.

Ulrich Knellwolf.

Ulrich Knellwolf.

Auf Mahnungen habe Dornbusch nicht reagiert, sagt er. Schliesslich übergab er die Sache einem befreundeten Anwalt. Dieser mahnte und betrieb den Verlag. Im Herbst 2018 sei dann das Honorar gekommen, jedoch ohne Betreibungskosten, Verfahrensgebühren und Spesen. Diese seien erst nach erneuter Mahnung Mitte Dezember 2018 überwiesen worden.

Knellwolf sagt, es sei ihm nicht in erster Linie um das Geld gegangen. «Wenn man mir gesagt hätte, der Verlag befinde sich in einem Überlebenskampf, hätte ich auf das Honorar verzichtet. Aber statt mit mir zu reden, haben sich die Verantwortlichen am Telefon verleugnen lassen, wenn mein Anwalt sie anrief.» Dornbusch hätte durch das Befolgen eigener Grundsätze also auch noch Geld gespart.

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