Aussichten
Wertpapiersparen schützt vor Armut im Alter

Es wird zunehmend wichtiger, eine finanzielle Absicherung aufzubauen – insbesondere für Frauen.

Maurice Pedergnana
Merken
Drucken
Teilen
Maurice Pedergnana.

Maurice Pedergnana.

Es gibt während der Coronakrise verschiedene Gründe, kein Geld fürs Alter zurückzulegen. Aber eines darf man keinesfalls ignorieren: Unser System der sozialen Sicherheit basiert zu einem guten Teil auf Eigenverantwortung. Je früher das individuelle Wertpapiersparen beginnt, desto eher beschleunigt sich durch den «Zinseszinseffekt» das Vermögen.

Eine finanzielle Absicherung aufzubauen, ist insbesondere für Frauen wichtig. In der Finanzplanung und der Vorsorge für das Alter kommt den Frauen eine überragende Bedeutung zu. Frauen haben eine höhere Lebenserwartung als Männer und sind allein schon deshalb auf mehr Reserven angewiesen. Wir müssen alles dafür tun, damit es im Alter nicht zu einem bösen Erwachen kommt. Das Altwerden ist nicht einfach ein Genuss. Jedes Romantisieren des liebevollen Zusammenlebens landet früher oder später auf dem harten Boden der ökonomischen Realität. Die Lücke im Alterseinkommen zwischen Frauen und Männern ist vielen Frauen nicht bekannt. Dabei sind gerade sie davon betroffen. Diese Schlüsselerkenntnis mahnt, sich demnächst vertieft mit derartigen Themen finanzplanerisch auseinanderzusetzen.

Für Alleinstehende sind die Herausforderungen hoch, um sich ein Polster fürs Alter zuzulegen. Aber selbst die Ehe ist keine wirtschaftliche Lebensversicherung mehr. Allzu oft endet sie in einer Scheidung, und genau hier setzt eines der jüngsten Verdikte aus Lausanne an. Das Bundesgericht hielt fest, dass es einem geschiedenen Ehepartner grundsätzlich auch nach dem 45. Geburtstag zumutbar sei, für sich selber zu sorgen. Der bisherige Lebensstandard wird nach der Scheidung nicht mehr garantiert, selbst wenn die Ehe «lebensprägend» war, d.h. länger als zehn Jahre gedauert hat und das Ehepaar gemeinsame Kinder hat.

Jede Planung wird allerdings mit Unwägbarkeiten auskommen müssen. Genauso wie die «sichere Ehe bis ans Lebensende» bleibt auch die «garantierte Rendite» ein frommer Wunsch. Aber man kann die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens erhöhen. Wobei ich mich als Ökonom auf den zweiten Wunsch fokussiere. Ich wünschte mir, dass das Thema Geldanlage etwas weniger männerdominiert wäre. Gut möglich, dass mit einem erhöhten Interesse für wirtschaftliche Zusammenhänge sowie mit verstärkten Finanz- und Kapitalmarktkenntnissen der sichere Hafen des Banksparens verlassen würde. Beim Banksparen setzt kein Zinszinseffekt ein. Vielmehr droht die Verminderung des Ersparten durch Negativzinsen und durch die aufkeimende Inflation.

Die in zahlreichen Studien beobachtete Risikoaversion bei Frauen wünscht man sich etwas weniger stark ausgeprägt. Denn mit risikoarmen Nominalanlagen trägt der Vermögensaufbau jahrzehntelang wenig zusätzliche Früchte. Deutlich ertragsreicher und gegen die Inflation schützend wirken Realanlagen wie Aktien. Das lässt sich auch in die Vorsorgelösungen einbauen.

Mit risikobehafteten Anlagen mögen die Vermögenswerte zwar stärker schwanken. Aber die Marktschwankungen heben sich über wirklich langfristige Perioden auf. Deshalb hat jede substanzielle Vergrösserung der eigenen Vermögenspyramide seit mehr als hundert Jahren den Ursprung in der systematischen und langfristigen Beteiligung an der unternehmerischen Wertschöpfung. Gewiss sollten wir schon früh beginnen, uns mit Lebensplänen und deren Konsequenzen auseinanderzusetzen. Wer den Jugendlichen zutraut, sich für eine kluge Berufsbildung zu entscheiden, sollte sich auch dafür einsetzen, dass bereits in der Schule, jedenfalls vor dem 20. Altersjahr, das Wichtigste zu den finanziellen Eckwerten des Lebens vertieft beleuchtet wird.

Maurice Pedergnana ist Professor für Banking und Finance an der Hochschule Luzern und Studienleiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ).