Revision von Datensystem

Ausnahmezustand am Flughafen - Swiss musste 30 Flüge streichen

Flugzeuge der Swiss am Flughafen Kloten

Flugzeuge der Swiss am Flughafen Kloten

Das Flugsicherungssystem am Flughafen Zürich muss ersetzt werden, die Swiss musste deshalb 2500 Personen umbuchen. Morgen kommen eventuell weitere dazu. Die Passagiere wurden gestern informiert - warum erst so spät, bleibt offen.

Am Flughafen Zürich herrschte am Mittwoch Ausnahmezustand: Über 40 Flüge musste die Swiss annullieren, 30 davon alleine aufgrund eines neuen Flugplandatensystems, das die Flugsicherungsgesellschaft Skyguide in der Nacht eingeführt hatte. Weil dieses nicht parallel mit dem alten System betrieben werden kann, musste Skyguide seine Kapazitäten drastisch reduzieren – bis am Mittag auf 50 Prozent, am Donnerstag den ganzen Tag auf 70 Prozent der üblichen Menge. «Wir mussten zuerst prüfen, ob das in der Praxis alles wie gewünscht funktioniert», sagt Skyguide-Sprecher Vladi Barrosa auf Anfrage.

Von der Skyguide-Massnahme waren insgesamt 2500 Personen betroffen. Die Swiss bemühte sich, diejenigen Passagiere, von denen sie Kontaktdaten besass, per SMS zu informieren. Doch dies geschah reichlich spät. Zahlreiche Passagiere erfuhren – wenn sie überhaupt erreicht werden konnten – nur wenige Stunden vor dem Abflug von der Annullierungen. «Wir haben erst am Dienstag das Ausmass der Beeinträchtigungen abschätzen können», sagt Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek.

Beteiligte seit Monaten im Bild

Pikant: Das Projekt zur Einführung des neuen Flugplandatensystems wurde vor rund zwei Jahren gestartet. In die Arbeiten waren neben der Skyguide von Anfang an auch die Flughafen Zürich AG und die Swiss involviert – auch bezüglich der Terminfindung für die Umstellung. «Seit Monaten wussten alle Beteiligten, um welche Daten es sich handelt und welche Auswirkungen das auf den Flugbetrieb haben wird», sagt Skyguide-Sprecher Barrosa.

Am 1. April verschickte Skyguide schliesslich ein Communiqué, in dem darauf hingewiesen wurde, dass es zu Einschränkungen im Luftverkehr kommen werde. «Wir haben das bewusst vor Ostern kommuniziert, damit sich die Leute darauf einstellen können», so Barrosa.

Nur: Bis zu den einzelnen Passagieren drangen diese Informationen in der Regel nicht durch, da die Swiss ja erst ab Dienstag über die Ausfälle informierte. Eine kommunikative Panne will die Swiss darin nicht erkennen. Die Pressestelle verweist auf den gleichzeitig stattfinden Fluglotsen-Streik in Frankreich. «Wir konnten erst über die nötigen Massnahmen entscheiden, als uns das Gesamtbild der Situation bewusst war. Das war nicht früher möglich», so Ptassek.

Flugverkehr über Europa während 38 Stunden

Dass Passagiere deswegen Unannehmlichkeiten erlitten haben, bedauere man. Die Swiss weist aber darauf hin, dass «abgesehen von wenigen Einzelfällen» alle Passagiere umgebucht worden seien, teilweise auch auf Flüge von Partner-Fluggesellschaften. Im Durchschnitt hätten die Kunden eine Verspätung von zwei bis fünf Stunden erlitten.

Wie viele Personen nicht im Vorfeld über die Annullierungen informiert werden konnten und wie hoch der finanzielle Schaden aufgrund des Systemwechsels ausfällt, konnte die Swiss gestern Abend noch nicht beziffern. Klar ist: Diejenigen Passagiere, die aus verschiedenen Gründen auf eine Umbuchung verzichtet haben, können sich den Ticketpreis rückerstatten lassen.

Lotsen streiken weiter

Laut Skyguide war es nicht möglich, das neue Datensystem ohne Einschränkungen für den Flugverkehr zu lancieren. «Es gibt Abhängigkeiten zwischen diversen Systemen des Flughafens und unserem Flugplandatensystem – etwa in Bezug auf die Bewirtschaftung der Gates oder das Auftanken der Flugzeuge», so Sprecher Barrosa.
Gemäss Angaben der Swiss sollte das System-Update heute Donnerstag nicht mehr für Verspätungen und Ausfälle sorgen. Über ein Dutzend Flüge muss die Fluggesellschaft dennoch streichen. Doch dafür gibt es nun wieder menschliche Gründe – den Fluglotsen-Streik in Frankreich.

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