Auf Anfrage nennt die Swiss die genauen Zahlen: 2015, im Jahr vor Klührs Antritt, betrug die Pünktlichkeitsquote 76 Prozent. Im Folgejahr stieg sie auf 78 Prozent, doch 2017 machte sie einen Rückschritt auf 77 Prozent. Heisst: Noch immer weist fast jeder vierte Flug eine Verspätung von 15 Minuten oder mehr auf. Für eine selbst ernannte Premium-Airline ist dies ein unakzeptabler Wert. «Realistisch und machbar wären am Flughafen Zürich grundsätzlich 80 Prozent», sagt Swiss-Sprecherin Sonja Ptassek. Dieser Wert könnte jedoch nur mit sehr viel Aufwand erreicht werden. Ein Wert in der Höhe von 85 Prozent wird Swiss-intern ausgeschlossen, ohne dass gröbere Änderungen der Rahmenbedingungen vollzogen würden.

Kürzlich machte Klühr seinem Ärger bei der Präsentation der Jahreszahlen Luft. Auch wenn man noch so gut organisiert sei und draussen blauer Himmel herrsche, könne die Pünktlichkeit in den Keller fallen. Dann nämlich, wenn eine Bise weht und die Kapazitäten am Flughafen Zürich wegen Kollisionsgefahr von startenden und landenden Maschinen eingeschränkt werden.

Am besten, so Klühr, wäre deshalb eine sofortige Umsetzung des neuen Sachplans Infrastruktur, der vom Bund erarbeitet wird und zusätzliche Südstarts bei Bise und Nebel erlauben und somit das Pünktlichkeitsproblem der Swiss vereinfachen würde. Doch Klühr bleibt Realist: «Bis zur tatsächlichen Umsetzung wird es wohl noch sieben bis acht Jahre dauern.»

Zahlreiche Massnahmen

Beim Flughafen Zürich tönt es ähnlich. Bei gutem Wetter würden die Pünktlichkeitswerte teils über 80 Prozent betragen, sagt Sprecher Philipp Bircher. «Manchmal gar über 85 Prozent.» Am meisten Verspätungen verzeichne man an Tagen mit anhaltender Bise, also wenn die maximale Stundenkapazität deutlich herabgesetzt wird.

In den vergangenen Jahren sei die Kapazität zudem wegen Sicherheitsauflagen weiter reduziert worden und 2010 wurde die Nachtruhe um eine Stunde verlängert. «Das hat die strengste Nachtflugregelung aller europäischen Hubs zur Folge.» Der Pünktlichkeitswert in Bezug auf alle Abflüge in Kloten verharrte 2017 denn auch auf 77,7 Prozent.

Man habe mit den Partnern, der Swiss und der Flugsicherheitsbehörde Skyguide schon zahlreiche technische und betriebliche Massnahmen umgesetzt, sagt Bircher. Als Beispiel nennt er die Optimierung der Abflugsequenzen, sodass stets genügend Flugzeuge bereit zum Abflug stehen. Zudem würden momentan technische Neuerungen geprüft, die wieder Starts und Landungen auf sich kreuzenden Pisten erlauben.