WEF 2017

Auf der Suche nach den «richtigen» Touristen von Davos

Ein Bild mit Seltenheitswert: Skisportler sucht man derzeit in Davos fast vergeblich. Keystone

Ein Bild mit Seltenheitswert: Skisportler sucht man derzeit in Davos fast vergeblich. Keystone

Davos ist derzeit zwar gerappelt voll, Schneesportler muss man aber mit der Lupe suchen.

Davos kennt man wegen des WEF. Davos kennt man wegen Thomas Manns «Zauberberg». Davos kennt man aber auch als eines der grossen Schneesportzentren der Schweiz. Normalerweise. Denn die Strassen der Alpenmetropole sind in diesen Tagen zwar gerappelt voll, aber bunt gekleidete Sportler mit Skis auf den Schultern findet man nachmittags keine. Es dominieren die schwarzen Anzüge der WEF-Teilnehmer.

Man könnte denken, dass sich die Schneesportler bei den aktuell perfekten Bedingungen allesamt auf der Skipiste befinden. Also fragen wir bei den Betrieben nach, die sich an Ski- und Snowboardtouristen mit kleinerem Budget richten.

Versuch 1 Snowboarders Palace: Das schmucke Gästehaus mit betont gemeinschaftlichem Flair ist komplett verwaist, an der Türe der Réception hängt ein Hinweiszettel mit einer Telefonnummer. Dort nimmt der Nachtwächter ab und sagt nur: «Snowboarder finden Sie bei uns derzeit keine. Das Palace ist vollständig belegt von Polizisten und anderen Sicherheitsleuten.»

Versuch 2 Guest House Bolgenhof: Direkt neben der Jakobshornbahn gelegen, ist der Bolgenhof mit seinen Mehrbettzimmern eigentlich die ideale Absteige für den preisbewussten Schneesportler. Doch auch hier Fehlalarm. «Das Hotel ist komplett ausgebucht – von Chauffeuren und Bus-Fahrern», heisst es an der Réception.

Versuch 3 Bolgen-Plaza: Um 16 Uhr, wenn die Skifahrer vom Berg herunterkommen, steppt hier normalerweise der Bär. Nicht so heute: Es sind zwar Schneesportler zugegen, aber zahlreiche Tische sind leer. «Das ist im Winter jeweils mit Abstand die ruhigste Woche für uns», sagt Chef de Service Mile Milosevic. Vereinzelt kämen zwar WEF-Mitarbeiter zum Kaffee, der Umsatz des Lokals sei aber mindestens 30 Prozent tiefer als in einer vergleichbaren Woche.

WEF2017: Auf der Suche nach den Touristen in Davos

WEF2017: Auf der Suche nach den Touristen in Davos

 

Die Bahnen in den Davoser Skigebieten Rinerhorn und Pischa stehen seit 2016 während des WEF gar komplett still. Die schwachen Frequenzen liessen einen Betrieb nicht mehr zu, teilten die Betreiber mit. Immerhin kamen ihnen die WEF-Organisatoren dieses Jahr entgegen, indem sie das Forum eine Woche früher als in den Vorjahren ansetzten. Somit kollidiert es nicht mehr mit dem Beginn der touristischen Hauptsaison.

Am Schluss finden wir dann doch noch zwei «richtige» Skitouristen in Davos. Mit grossen Carving-Schwüngen kommen Madlaina und Orlando die Jakobshorn-Piste herunter, die Freude über den soeben absolvierten Schneetag ist ihnen ins Gesicht geschrieben. «Es ist ein absoluter Traum – die Verhältnisse sind perfekt und es hat praktisch keine Leute auf den Pisten», sagt die Thurgauerin.

Im Gegensatz zu anderen Sportlern, die während des WEF kein Hotelzimmer mehr finden oder sich die teils saftigen Preise nicht leisten können, kommen sie privat unter. Und werden auch nächstes Jahr wiederkommen. Madlaina: «Skiferien während des WEF sind grossartig. Aber bitte nicht weitererzählen!»

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