Sie haben für den Monat Juli Erfreuliches vorgefunden: Zum ersten Mal seit vielen Monaten ist der Auftragsbestand höher als im Vorjahres-Vergleichsmonat. Auch der Auftragseingang liegt seit Januar konstant höher als im letzten Jahr. Und weil die zweite Jahreshälfte 2012 miserabel ausgefallen war, passten CEO Johannes Nonn und Finanzchef Hans-Jürgen Wiecha ihre gestern aktualisierte Prognose für dieses Jahr lediglich beim Umsatz an: Der wird aufgrund tieferer Rohmaterialpreise etwas tiefer ausfallen als 2012. Aber der Vorsteuergewinn soll stabil bleiben.

Für die gerade angelaufene zweiten Jahreshälfte erwartet Nonn eine «stabile Entwicklung». Die miserable zweite Vorjahreshälfte dürfte übertroffen werden, zumal auch in Südeuropa die Bestellungen nicht mehr weiter zurückgehen. Längerfristig rechnet Nonn im Stahlgeschäft mit einer Stagnation: «Der Markt wird uns in den nächsten drei Jahren nicht gross helfen, wir erwarten weder einen grossen Abschwung noch einen grossen Aufschwung.»

Integration statt Gewurstel

Wenn der Stahlkonzern gesunden will, dann mit einem beherzten Eingreifen des Managements: Ausgehend von einer Abstimmung der bisher kaum integrierten und wenig aufeinander abgestimmten Vsechs grösseren Konzerngesellschaften, der drei Distributionseinheiten und weiteren kleinen, an die Zentrale angebundenen kleineren Unternehmen haben Nonn und Wiecha die ersten Schritte in Richtung eines integrierten Konzerns eingeleitet.

Während es bei der Stahlproduktion kaum etwas zu restrukturieren gibt, ist der Handlungsbedarf bei der Distribution gerade in Deutschland hoch: Dort verkauft man zu 85 Prozent Fremdprodukte, die der Stahlkonzern gar nicht selber herstellt. Dieses Geschäft bindet viel Kapital und bringt kaum Gewinn. Nur: Diese deutsche Distribution bildet den Kern der Aktivtitäten der alten Gründerfamilien. Die haben sich mit Renova zusammengetan und den bald abtretenden Verwaltungsrat zermürbt.

Ob Nonn und Wiecha ihre Jobs nach der ausserordentlichen Generalversammlung vom 13. September noch weiter haben werden, ist noch offen. «Dafür braucht es das gegenseitige Vertrauen und die Unterstützung der Strategie», sagte Nonn gestern in Zürich. Das Vertrauen müsste zumindest wieder hergestellt werden und ob die mit Renova kooperierenden Gründerfamilien grössere Einschnitte bei ihrem «alten» Geschäft akzeptieren, ist eine offene Frage.

So oder so - für Schmolz + Bickenbach zeichnet sich in diesen Monaten eine Wende zum Besseren ab: Die neuen Hauptaktionäre werden mit den Banken auch über bessere Kreditkonditionen sprechen, und wenn diese Verhandlungen noch bis Jahresende abgeschlossen sind, fallen auch die Finanzkosten deutlich. Ab 2014 winken wieder Gewinne. Und auch die ambitiösen Mittelfristziele mit mehr als 300 Millionen Euro Vorsteuergewinn und 8 Prozent Marge erscheinen erreichbar.

Möglicherweise ernten dann neue Manager die Früchte der jetzt eingeleiteten Schritte. Die Börse nimmt die Wende vorweg: Der Aktienkurs ist seit April um ein Drittel gestiegen.